Kriegsprofiteure

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WRI activists disrupting the welcome dinner at the ADEX arms fair
WRI activists disrupting the welcome dinner at the ADEX arms fair

Die Wirtschaft ist eine der Hauptursachen für Kriege - wo immer es einen militärischen Konflikt gibt, profitiert jemand davon. Wir nennen dies "Kriegsgewinnlerei".

Die WRI betrachtet Kriegsgewinnlerei in einem weiten Sinne - wir betrachten alle Unternehmen und Initiativen, die finanziell von militärischen Konflikten profitieren, in gewisser Weise als Kriegsgewinnler. Dazu gehören der Waffenhandel und Unternehmen, die von der Privatisierung und Auslagerung des Militärs profitieren, aber auch diejenigen, die natürliche Ressourcen in Konfliktgebieten abbauen, Finanzinstitute, die in Rüstungsunternehmen investieren, und viele andere.

Die WRI veröffentlicht eine Reihe von Profilen von Kriegsunternehmen und organisiert Veranstaltungen, um Aktivisten und Forscher zusammenzubringen, um Strategien gegen Kriegsprofiteure auszutauschen.

Diesen Monat fand die Eurosatory Waffenmesse in Paris statt. Die Messe für „Verteidigung und Sicherheit“, eine der größten der Welt, findet alle zwei Jahre statt. Viele Jahre lang wurde der Widerstand gegen sie durch eine Frau getragen, Yvonna Kressman, die jahrzehntelang alleine vor der Messe eine Mahnwache abhielt.

PazifistInnen in Europa werden im Juni nach Paris fahren, um gegen die Eurosatory Waffenmesse zu protestieren. Einige werden dies in Form einer Pilgerfahrt von Deutschland aus tun, über Straßburg und an Rüstungsfabriken vorbei. Es wird Aktionen an Bahnhöfen geben, wenn die Delegierten ankommen, Mahnwachen und eine Demonstration am Dienstag, den 14. Juni um 18.30 Uhr an Les Invalides. Folgt @noneurosatory auf Twitter und unterschreibt ihre Petition online.

Letzte Woche haben auch in Wales AktivistInnen die Messe für Rüstungsanschaffungen, Forschung, Technologie und Exportfähigkeiten in Cardiff gestört. Früher fand diese Veranstaltung in Bristol statt, musste dort aber wegen der Protete weggehen. Hier geht es zu Fotos von der Aktion.

Mehr Informationen (auf Englisch), oder schreibt an noneurosatory2@gmail.com für mehr Infos.

Am Ende des internationalen “Stopping the War Business”-Seminars, teilen drei Teilnehmer mit uns ihre Ansichten. Lesen Sie sie im Folgenden.

Tuuli Vuori

Es ist gut, in Südkorea zu sein. Ich komme aus einem Land, das immer noch die Wehrpflicht unterhält, und ich habe die Hälfte meines Lebens der Arbeit mit Fragen zur Kriegsdienstverweigerung im Zusammenhang gewidmet. Das ist ein Grund, warum es sich so besonders anfühlt in Seoul zu sein, denn ich habe so viel über die Kampagnen gehört, die unsere südkoreanischen Freunde hier durchführen. 

Auf jeden Fall wusste ich nicht besonders viel über Kriegsgeschäfte, und so habe ich viel in diesem Seminar gelernt. Vielen Dank für die wirklich interessante Referenten und Workshops!

In diesem Seminar diskutierten wir über die Konsequenzen der Geschäftemacherei mit dem Krieg für den einzelnen Menschen. Wir sprachen auch über die großen und dunklen Strukturen der Kriegsprofiteure. Manchmal fühle ich mich dabei sehr klein.

Krieg hat tiefe Wurzeln und hinterlässt bleibende Vermächtnisse. Jahre vor den aufmerksamkeitserregenden Aufnahmen von fallenden Bomben und gepanzert umherfahrenden Fahrzeugen und lange nachdem die Fotografen gepackt haben und nach Hause gefahren sind, wird Gewalt genährt, gepflegt und von ihr profitiert. Im November erlebten wir die schockierenden Anschläge in Paris – am ersten Arbeitstag nach dem der französische Präsident Daesh "den Krieg erklärt" hatte, erfuhren die Aktienkurse einiger der weltweit größten Rüstungsunternehmen ein gesundes Wachstum. Für manche ist Krieg profitabel.

Foto: AktivistInnen aus dem Netzwerk der WRI machen eine Aktion gegen die ADEX Waffenmesse in Seoul im Oktober 2015.

In diesem Brief beschreibt Lee Yongsuk, wie wichtig die Teilnahme an dem WRI-Netzwerk für die südkoreanische Gruppe Welt ohne Krieg war. Er bittet Euch, die WRI mit einer Spende zu unterstützen, falls Ihr könnt.

Hier geht es zu dem Brief …

Lexys Rendón

Zwischen den Jahren 2003 und 2013 zeigte Lateinamerika, während man im Rest der Welt eine Welle von Wirtschaftskrisen erlebte, gute Wirtschaftszahlen. Der Kontinent profitierte vom sogenannten “Preisboom von Rohstoffen”, aufgrund der Tatsache, dass in der Geschichte seine hauptsächlichen Ausfuhrprodukte bis zum heutigen Tage energetische Ressourcen waren, wie Öl, Gas, Kohle und andere Mineralien. Im Jahr 2011 zum Beispiel gehörten von den zwanzig wichtigsten Firmen Lateinamerikas dreizehn zu den Bereichen Öl, Gas, Bergbau und Stahlindustrie. Das Geld, das in allen Ländern zusammen verdient wurde, schaffte es, die Armutszahlen in der Region zu verringern. Im Jahr 2012 versicherte die Wirtschaftskomission für Lateinamerika und die Karibik (Comisión Económica para América Latina y el Caribe, CEPAL), der Kontinent zeige die niedrigste Armutsrate (28 % der Gesamtheit der Bevölkerung) der letzten 30 Jahre.

Jedoch wurden die hohen Wirtschaftseinnahmen nicht nur für Sozialprogramme genutzt, um die Zahlen extremer Armut zu reduzieren. Sie wurden auch dazu verwendet, die Streitkräfte der lateinamerikanischen Länder mit Hilfe einer beträchtlichen Zunahme von Waffenkäufen zu modernisieren. In einer Studie, die das Friedenslaboratorium (Laboratorio de Paz) auf Grundlage der Zahlen des Friedensinstituts von Stockholm (SIPRI) erstellt hat, wurde bekannt, dass Lateinamerika den Kauf von Waffen um 150 % erhöht hatte und von den Jahren 2000 bis 2010 die Summe von 13.624 Mio. Dollar ausgab. Die weltweiten Militärausgaben beliefen sich 2012 auf 1,7 Billionen Dollar oder 2,5 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). In Lateinamerika betrugen die Verteidigungsausgaben etwa 4 % des gesamten BIP, mehr als im weltweiten Mittel.

Wook-sik Cheong

Wie kann man Nordostasien am besten geopolitisch definieren? Geographisch gesehen kann man sagen: Nordostasien umfasst Nordkorea, Südkorea, Japan, das chinesische Festland und einen Teil des russischen Territoriums. Geopolitisch gesehen nimmt dabei der De-facto-Zustand von Taiwan einen strategisch sehr wichtigen Platz ein. Wenn auch geographisch nicht in der Region vertreten, so kann man die Vereinigten Staaten, als ein Land, das den größten Einfluss hat, und das der mächtigste Akteur dort ist, geopolitisch nicht ausschließen.

*Andrew Feinstein

Der globale Handel mit Waffen ist ein Geschäft, bei dem die Profite in Milliarden gezählt werden, und die Kosten in menschlichem Leben. Er ist, so könnte man behaupten, die schädlichste aller Handelsformen und trägt zu etwa 40 Prozent zur Gesamtheit von Korruption bei. Er hat einen massiven Einfluss auf die Art, in der unsere Regierungen vorgehen, weil er sicherstellt, dass Krieg eine Option ist, die der Diplomatie vorgezogen wird und dass wir jedes Jahr Milliarden Dollars für Waffen ausgeben, die wir oft nicht brauchen. Waffenhandel verewigt Konflikte und Unterdrückung, macht den Blutzoll von Konflikten und Repression größer und ruft sie manchmal sogar hervor.

Die weltweiten Militärausgaben beliefen sich 2014 geschätzt auf $ 1,77 Billion Dollar, das sind mehr als $ 250,00 für jeden Erdenbewohner. Das war noch 0,4 % weniger als im vorhergehenden Jahr und beläuft sich auf etwa 2,3 % des Welt-Bruttosozialprodukts.

Von Emily Masters, zuerst erschienen in 'Peace News'

Nach einer viermonatigen Kampagne gelang es der internationalen Aktion „Stop the Shipment“ („Stoppt den Versand“) am 8. Januar, den Versand von über einer Million Tränengasbehälter nach Bahrain zu verhindern.

 

Seit sich der arabische Frühling im Februar 2011 in Bahrain verbreitete, ist die Regierung des Golfstaates mit Tränengas gegen die Demonstrationen für Demokratie vorgegangen.

Die Organisation „Physicians for Human Rights“ (PHR - „Ärzte für Menschenreche“) stellte 2012 in einem Bericht fest, dass „Bahrainische Vollzugsbeamte routinemäßig jedes UN-Prinzip verletzten“ wobei sie in einer „ungewöhnlich unerbittlichen und wahllosen Kampagne (...) toxische chemische Stoffe als Waffen - sogenanntes Tränengas - einsetzen“.

In diesem September kommt eine der weltweit größten Waffenmessen in das Londoner ExCeL Zentrum. Die Messe, die vom 15. bis 18. September stattfinden soll, erwartet mehr als 1.000 Unternehmen und 30.000 BesucherInnen. Eine Aktionswoche wird in der Woche vor der Messe, vom 7. bis 12. September, stattfinden, um die Durchführung dieser Messe so schwierig wie möglich zu machen. An jedem Tag werden unterschiedliche Gruppen Aktionen organisieren, um die verschiedenen Auswirkungen von Waffenhandel und Unterdrückung offenzulegen. Viele Gruppen werden den #WarStartsHere Slogan benutzen, der auch von dem European Antimilitarist Network benutzt wird.

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