Der Militär-Industrie-Komplex: Wie man Firmenverbindungen untersucht

Frida Berrigan ist eine Forscherin im Arms Trade Resource Center des World Policy Instituts, einem Mitglied des War Resisters League Exekutivausschusses, und eine Vorsitzende der Antimilitarismuskampagne der WRL. In diesem Artikel zeigt sie auf, wie man Firmenverbindungen untersuchen kann, und gibt dazu eine Reihe hilfreicher Webseiten an. Sie konzentriert sich voll und ganz auf die Vereinigten Staaten. Aber dieser Artikel ist empfehlenswert als Muster für eigene Untersuchungen in den eigenen Gebieten

In seiner Abschiedsrede im Januar 1961 sagte der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower:

"Wir in den Regierungsräten müssen uns vor unbefugtem Einfluß -- beabsichtigt oder unbeabsichtigt -- durch den Militär-Industrie-Komplex schützen. Das Potential für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, daß die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. Wir sollten nichts als gegeben hinnehmen. Nur wachsame und informierte Bürger können das angemessene Vernetzen der gigantischen industriellen und militärischen Verteidungsmaschinerie mit unseren friedlichen Methoden und Zielen erzwingen, so dass Sicherheit und Freiheit zusammen wachsen und gedeihen können."

Einige betrachten diese Rede als ein historisches Überbleibsel, das man hin und wieder hervorholen muß und sei es nur als Erinnerung an eine Zeit, als Präsidenten noch in ganzen glaubhaften Sätzen sprachen. Aber der MilitärIndustrie -Komplex floriert weiterhin und gefährdet Freiheiten und den demokratischen Prozess.

Wie können wir aufmerksame und informierte Bürger (im Sinne Eisenhowers) sein? Nicht (wie er vorschlägt) um das richtige Vernetzen mit der Industrie und dem Militär zu erzwingen, sondern eher um den Prozess der Demontage eines offensiven und kriminellen Militärs zu beginnen. Untersuchungen und Analysen werden benötigt. Das Internet ist eine Schatzkiste für Informationen, es kann auch vergebliche Mühe sein. Behandeln Sie Informationen von unbekannten Webseiten mit der gleichen Sorgfalt wie Emails die mit "Dear Sir, we have an investment opportunity for you ..." anfangen.

Hier sind ein paar Einführungsseiten für Untersuchungen aufgeführt:

1. Top 100 Liste. Jedes Jahr veröffentlicht das Verteidungsministerium Informationen über seine Geschäftspartner. Sie sollten mit den Listen, die Einzelheiten über die "100 Top-Geschäftspartner des Pentagons" gibt, anfangen.

Aus dieser Liste können Sie ersehen, welche Firmen die größten Verträge erhalten, wie die Anzahl der Verträge seit letztem Jahr gestiegen oder gefallen ist., Sie erhalten auch ein detaillierteres Bild darüber, welche Art Verträge eine Firma und ihre Tochtergesellschaften erhalten. http://web1.whs.osd.mil/peidhome/procstat/p01/fy2004/top100.htm

Der Bericht Dollar Shift: The Iraq War and the Changing Face of Pentagon Contracting (Dollarschub: der Irak-Krieg und die sich verändernde Art der Vertragsabschlüsse des Pentagon) des Arms Trade Resource Centers stammt fast ausschließlich von der Top-100-Liste des Pentagon. Eine Zusammenfassung wurde im Februar 2005 veröffentlicht und steht auf unserer Webseite unter http://www.worldpolicy.org/projects/arms/reports/Top102005Report.html

2. Informationen über militärische Verträge. Das Verteidigungsministerium schickt Verträge im Wert von $5 Mio. oder mehr an jedem Geschäftstag um 17 h und archiviert sie auf seiner Website. http://www.defenselink.mil/contracts/ Unter http://www.defenselink.mil/search/ können Sie nach Verträgen per Firma oder Waffensystem suchen.

3. Die Webseiten der Firmen. Diese Firmen sind stolz darauf, was sie tun, und bauen auf Aktivisten, die nicht aufpassen oder nicht die Ausdauer haben, sich durch das Techno-Gerede zum Kern durchzubeißen. Auf deren Firmen-Webseiten kann man sich eintragen, um regelmäßig Pressemeldungen direkt an die EmailAdresse zu bekommen.

4. Neue Recherchen. Die meisten öffentlichen oder Universitätsbibliotheken haben Lexus Nexus, ProQuest, oder andere Datenbanken, um Zeitungsartikel mit Informationen über Firmen zu suchen. Seiten wie Google News haben eine "Clipping Service"-Funktion, die Artikel mit Hilfe bestimmter Schlüsselwörter an Ihre E-mail schicken. Gehen Sie zu Google News Alerts http://www.google.com/alerts?hl=de zum Einrichten eines Clipping Services für die von Ihnen ausgewählte Firma.

Aus normalen Nachrichten und Geschäftsberichten kann ein kühner Forscher einige der kritischen Punkte einer bestimmten Firma herauslesen. Vielleicht streikt ihre Gewerkschaft oder es wird gegen sie ermittelt wegen des Verkaufs verbotener Technologien an den Iran oder China. Vielleicht fiel eines ihrer stark subventionierten "Gold-Ticket"-Programme durch einen weiteren Test oder zerkrachte wegen einer Fehlfunktion, oder ein bestimmter grausamer Angriff auf Zivilisten im Irak ist das Ergebnis davon, daß eine der lasergesteuerten hochakkuraten Waffen das Ziel verfehlt hat. Sie können erfahren, daß ihr neuer CEO, der eingestellt wurde, um "das Haus zu säubern und die Integrität wieder herzustellen, wegen einer Affäre mit einer Untergebenen zum Rücktritt gezwungen wurde, oder daß das neueste Aufsichtsratsmitglied gerade aus dem Weißen Haus oder dem Senat jkam. Alle diese Informationen helfen dabei, ein kompletteres Bild der Firma zu entwickeln.

5. Sobald Sie grundlegende Informationen über die Art der Verträge haben die Ihre Firma bekommt, und sobald sie ein Gefühl dafür haben, welchen großen Themen diese gegenüberstehen, können Sie das Bild mit dem Geldfaktor abrunden: Wer bekommt es? Wer gibt es? Wer fordert was? Gehen Sie zur Seite von The Center for Responsive Politics? Open Secrets. Dort können Sie nach den Beiträgen Ihrer Firma zu den Kampagnen gewählter Personen (und vieles mehr) suchen. http://www.opensecrets.org/

6. Schließlich bietet Ihnen die Webseite von The National Priorities Project eine Menge Werkzeuge, um Ihnen Argumente zu geben, wie Militärausgaben Ihre Gemeinde der benötigten Resourcen beraubt. http://www.nationalpriorities.org/ Der Militär-Industrie-Komplex ist überall und doch schwer faßbar. Firmen, wie General Electric, bringen nicht etwas Gutes und zünden die Bombe, indem sie Glühbirnen und nukleare Zünder gleichzeitig fertigen. Aufrufe zu Verbraucherboykotts, wie sie die Aktivisten vor 30 Jahren verfaßten, sind nicht mehr so effektiv oder sogar nicht mehr möglich. Wir brauchen neue Strategien.

Es gibt ein paar ziemlich fortschrittliche Kampagnen, die Firmen stigmatisieren, die Geschäfte mit Ländern wie dem Sudan und Israel machen. Die Anwendung der "Fingerzeig"-Methode auf Firmen, die Massenvernichtungswaffen herstellen und den Gemeinden wertvolle Resourcen wegnehmen, ist ein hilfreicher ausbaufähiger Weg. Einige der anderen Werkzeuge sind: Öffentliches Beobachten: Erhöhung der politischen Kosten durch Kriegsgewinnler; Aktionärskampagnen: Ausbildung und Unterstützung im Sitzungssaal der Firma; Kampagnen, um die Todeshändler ihrer "Corporate-Persönlichkeit" zu entledigen: langfristige Rechtsstreits aber brilliantes politisches Theater.

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