WRI-homepage > Publikationen > das zerbrochene Gewehr >Nr.41, Dezember 1998

PfP/GfdF 1998 grafik

1 Dezember: Gefangene für den Frieden

grafik (rechts): Emily Johns

Ehrenliste 1998

Jeden Dezember lädt War Resisters' International UnterstützerInnen dazu ein, Grußkarten an Gefangene für den Frieden zu schicken. Die Ehrenliste beinhaltet Menschen, die aufgrund ihrer Kriegsdienstverweigerung oder wegen gewaltfreier Aktionen gegen Kriegsvorbereitungen inhaftiert sind.

ARMENIEN

Es gibt keine legale Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung, weder aus religiösen noch aus anderen Gründen. Der Militärdienst dauert zwei Jahre. Von einigen Zeugen Jehovas ist bekannt, daß sie wegen Wehrpflichtentziehung verurteilt wurden.

John Martirosian
(von 09/97 bis 02/99)
Verweigerer, Zeuge Jehovas
Tigran Petrossian
(von 08/97 bis 02/99)
Verweigerer, Zeuge Jehovas
Samvel Manukian
(von 07/97 bis 05/00)
Verweigerer, Zeuge Jehovas, es wurde berichtet, daß er ernstlich geschlagen wurde.
Alle sind inhaftiert in:
g. Kosh
ITK
Nachalniku
Armenien

Yerem Nazaretian
(von 11/97 bis 10/99)
Verweigerer, Zeuge Jehovas

Andranik Kosian
(seit 01/98 - Verfahren läuft)
Zeuge Jehovas, wurde zuerst im November 1993 aufgrund seiner Weigerung aus religiösen Gründen, den Militärdienst zu erfüllen, verhaftet. Er floh, wurde eingefangen und im März 1997 zu einem Jahr Gefängnis wegen "Wehrpflichtentziehung" verurteilt. Im April 1997 wurde er amnestiert, doch im Juni 1997 zwangsweise zu einer Militäreinheit gebracht. Er floh erneut und wurde im Januar 1998 wieder eingefangen. Es gibt Berichte, daß er ernstlich geschlagen wurde und er wartet auf das Ergebnis einer zweiten medizinischen Untersuchung (aufgrund des Zustands seines Herzens) und ein Verfahren wegen "Entziehung aus dem Militärdienst".
Beide sind inhaftiert in:
g. Yerevan
Sovetashenskoye shosse 20
SIZO
Nachalniku
Armenien

Karen Voskanian
(von 09/98 voraussichtlich bis 04/01)
g. Gyumri
SIZO
Nachalniku
Armenien
Verweigerer, Zeuge Jehovas


DEUTSCHLAND

Sönke Müller
Arrestzelle, 15./LwAusbRgt 1
Hamburger Str. 162
25746 Heide
oder c/o Die Desertöre, Nernstweg 32
22765 Hamburg
(arrestiert am 03.09.98)
Totaler Kriegsdienstverweigerer. Nach einer Protestaktion vor der Kaserne stellte er sich selbst den Militärbehörden, doch weigerte er sich, Befehlen zu folgen und eine Uniform zu tragen. Am 6. November wurde er zum 4. Mahl zu 21 Tagen verurteilt. Er wird kurz vor Dezember voraussichtlich aus dem Arrest entlassen sein. Doch wird ein Strafprozeß mit der Möglichkeit einer weiteren Verurteilung folgen.

Jörg Eichler
email: je519121@Rcs1.urz.tu-dresden.de
Totaler Kriegsdienstverweigerer. Ein Haftbefehl gegen ihn wurde erlassen, nachdem er sich weigerte, sich selbst den Militärbehörden in Pfreimd, Bayern, am 1. Juli 1998 auszuliefern. Ein anderer totaler Kriegsdienstverweigerer, Michael Fücker, erschien in der Kaserne mit Jörgs Einberufungsbefehl. Die Armee nahm ihn in Arrest und erkannte ihren Fehler bis zum nächsten Tag, an dem Jörg und andere ProtestiererInnen eine Demonstration organisierten, nicht. Jörg wurde nicht ergriffen, doch am 11. August wurde Haftbefehl erlassen. Am 5. November wurde er von der Polizei in einer Telefonzelle verhaftet und befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Ihn erwartet ein Strafprozeß wegen "Fahnenflucht".


FINNLAND

Zur Zeit befinden sich fünf Totalverweigerer im Gefängnis. Nur eins von denen möchtet Briefe bekommen.

Harri Pölönen
Pohjois-Karjalan lääninvankila
PO Box 17
82201 Hammaslahti
Finnland
(von 30/06/98 bis 16/01/99)
Das Gefängnis befindet sich im Nord-Karelien, in der nähe von der Russischen Grenze. Es gibt noch einen Totalverweigerer im Gefängnis und viele Nazi Skinheads...


GROSSBRITANNIEN

Stellan Vinthagen (BT8233)
HMP Prison Preston,
2 Ribbleton Lane,
Preston PR1 5AB,
Großbritannien
(seit 13.09.98)
Ann-Britt Sternfeldt (BE8971)
Annika Spalde (BE8940)
HMP Remand Centre,
617 Warrington Road, Risley, near Warrington,
Cheshire WA3 6BP
Großbritannien
(seit 13.09.98)
Alle drei schwedischen AktivistInnen wurden am 13.09.98 innerhalb der Umzäunung des Hafens von Barrow-in-Furness in Nordengland verhaftet, wo sie damit begonnen hatten, militärische Ausrüstungen zu demontieren. Sie nannten sich "Bread not Bombs Pflugschar" und führten ihre Aktion unabhängig von - aber in Kooperation mit - der Trident Ploughshares 2000-Kampagne durch. Derzeit befinden sie sich in Untersuchungshaft. Ihr Prozeß wird für Anfang 1999 erwartet.


INDONESIA

Budiman Sudjatmiko (13 Jahre)
Vorsitzender der PRD
Ignatius Damianus Pranowo (9 Jahre)
Gusti Agung Anom Astika (4 Jahre)
Petrus Haryanto (8 Jahre)
Suroso (7 Jahre)
Yakobus Eko Kurniawan (8 Jahre)
Mitglieder der PRD
Joao Freitas da Camara (10 Jahre)
Ost-Timorese, organisierte einen Protest gegen das Massaker von Santa Cruz, 1991
Alle oben genannten Gefangenen befinden sich in:
LP Cipinang
Jakarta
Indonesien

Dita Indah Sari (5 Jahre)
Mitglied der PRD, Gewerkschafter
Garda Sembiring (12 Jahre)
Mitglied der PRD
beide sind inhaftiert in:
LP Tangerang
Jakarta
Indonesien

Don A.L. Flassy
Agustinus Ansanai
Baas Yufuwai
Laurence Mehuwe
Sam Yaru
WestpapuanerInnen, sie versuchten, einen Dialog über den politischen Status des Territoriums zu organisieren, und sind wegen "Rebellion" und "Verleumdung" angeklagt. Sie warten derzeit auf ihren Prozeß.
Theys Eluay
WestpapuanerInnen. Angeklagt werden "Rebellion", "Verleumdung" und "Mitgliedschaft in Organisationen, deren Zweck es ist, Verbrechen zu begehen".
Bei allen wird angenommen, daß sie gefangengehalten werden in:
Kapolda Irian Jaya
Jayapura
Irian Jaya/West Papua
(Indonesien)

Francisco Miranda Branco (15 Jahre)
Ost-Timorese, malte Transparente für einen Marsch zum Friedhof von Santa Cruz 1991
Gregorio da Cunha Saldanha (lebenslänglich)
Ost-Timorese, half bei der Organisation eines Marsches zum Friedhof von Santa Cruz 1991
Jacinto das Neves Raimundo Alves (10 Jahre)
Ost-Timorese, organisierte einen Protest gegen das Massaker von Santa Cruz 1991
Saturnino da Costa Belo (9 Jahre)
Ost-Timorese, half bei der Organisation eines Marsches zum Friedhof von Santa Cruz 1991
alle sind inhaftiert in:
LP Semarang
Semarang
Central Java
Indonesien


ISRAEL

Mordechai Vanunu
Ashkalon Prison
PO Box 17
Ashkalon
Israel
1986 aus Italien entführt, 1988 zu 18 Jahren Gefängnis wegen Enthüllung des israelischen Nuklearprogramms verurteilt. Bis Anfang 1998 befand er sich in Einzelhaft.

Yehuda Igos
Keine bekannte Adresse.
Kontakt: icontuvi@netvision.net.il
KDVer. Yehuda is ein anarchistisch-pazifistischer Student, der sich beworben hat, um von dem Wehrdienst aus Gewissensgründen befreit zu werden. Seine Bewerbung wurde ohne Erklärung abgelehnt. Er ist zur Zeit im Gefängnis. Er sollte bald freigestellt werden, aber es besteht die Möglichkeit, daß er dann wieder verhaftet wird.


JUGOSLAWIEN (BUNDESREPUBLIK)

Pavle Bozic
8 Paviljon
KP Dom Zabela
12 000 Pozarevac
Serbien
FR Yugoslavia
(seit 11/97, 12 Monate)
Nazarener. Verweigerte den Militärdienst aus religiösen Gründen. Seinem Antrag auf alternativen zivilen Dienst wurde am 30. Oktober 1997 stattgegeben, doch wurde ihm befohlen, sich bei der Militäreinheit in Karadjordjevo zu melden. Er weigerte sich, seinen alternativen Dienst in einer militärischen Einrichtung abzuleisten, wurde wenige Tage später verhaftet und am 23.02.98 zu einem Jahr Gefängnis wegen "Unfähigkeit oder Weigerung, einen Befehl auszuführen" verurteilt. Das ist bereits das zweite Mal, daß Pavle wegen seiner Weigerung, Militärdienst abzuleisten, inhaftiert ist. 1993 wurde er zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt, von denen er sechs Monate verbüßte.


KROATIEN

Tihomir Campanello
Adresse nicht bekannt. Informationen bei zap_zg@geocities.com.
(KDVer. Könnte jederzeit verhaftet werden)
Tihomir hat meheren Jahren in der Schweiz gelebt und, zur Zeit, studiert er an der Uni in Zagreb. Sein Name war im militarischen Register der ehemaligen Yugoslawischen Volksarmee (YVA) eingeschrieben, aber er wurde nie zum Militärdienst einberuft, auch nicht nachdem die YVA durch die Kroatische Armee ersetzt wurde. Die Behörden haben sich gerade dazu verweigert, den Reisepaß Tihomirs zu verlängern und haben ihn informiert, er solle am 11. November seinen Militärdienst anfangen - obwohl er sich mittlerweile als Kriegsdienstverweigerer beworben hat. Tihomir entschied, nicht zur Kaserne zu gehen und in Hungerstreik einzutreten, wenn er zum Wehrdienst gezwungen wird.


RUSSLAND

Grigory Pasko
Adresse nicht bekannt
Militärjournalist und Warner vor der nuklearen Gefahr, wegen Spionage unter Arrest - inhaftiert seit 11/97.

Vadim Nazarov
c/o Antimilitarist Radical Association
Ul. Trubnaja 25-2-49
103051 Moscow
Russland
(seit 29.04.98, 12 Monate)
Kriegsdienstverweigerer, Zeuge Jehovas


SLOWAKEI

Bei drei Verweigerern, denen die Möglichkeit der Ableistung eines alternativen Dienstes verweigert wurde, wird angenommen, daß sie sich derzeit im Gefängnis befinden, doch konnten wir ihre Namen und Gefängnisadressen nicht ermitteln. Nach dem Zivildienstgesetz von 1995 können Anträge auf KDV und alternativen Dienst nur innerhalb von zwei Wochen nach der ersten Wehrerfassung gestellt werden, üblicherweise im Alter von 17 Jahren. Diese Zeitbegrenzung reduziert in der Praxis das Recht auf KDV erheblich. Zusätzlich dauert der Ersatzdienst 24 Monate, doppelt so lange wie der Militärdienst, und wird vom Verteidigungsministerium verwaltet.


SPANISCHER STAAT

Am 14. Oktober begnadigte die spanische Regierung die letzten 20 totalen Kriegsdienstverweigerer, die sich wegen ihrer Verweigerung des Militär- oder Zivildienstes noch im Gefängnis befanden. Doch bleiben drei TKDVers, die sich an der MOC-Kampagne "Insumisión in den Kasernen" beteiligten, noch im Gefängnis. Fünf weitere "insumisos" aus Bilbao und Iruña haben ihre Verweigerung nach Antritt ihres Militärdienstes erklärt. Drei von denen wurden schon wegen "öffentlicher Deklarationen" zu 61 Tage Militärgefängnis verurteilt, aber noch nicht verhaftet. Außerdem steht ihnen weiterer Arrest als Ergebnis eines Prozesses wegen "Desertion" bevor. Die letzen zwei werden Ende November vor einem Militärgericht erscheinen.
Elías Rozas Álvarez
Ramiro Paz Correa
Plácido Ferrándiz Albert
Prisión militar de Alcalá
Ctra Alcalá-Meco, km 5
28805 Alcalá de Henares
Madrid
Spanischer Staat

Alberto Estefanía
Unai Molinero
José Ignacio Royo
Kontakt c/o KEM-MOC
Iturribide 12-1oD
48005 Bilbao, Euskadi
Spanischer Staat

Alberto Isaba lacabe
Jesús Belascoain
Kontakt c/o KEM-MOC Iruña
Apdo 1126
31080 Iruña
Spanischer Staat


TÜRKEI

Osman Murat Ülke
c/o ISKD
1438 Sok No 6/1
Alsancak
Izmir
Turkei
email: osi@info.ist.comlink.de
(seit 23.10.97)
Totaler Kriegsdienstverweigerer, wurde am 23.10.97 zu 10 Monaten zuzüglich Geldstrafe wegen "Desertion" und "fortgesetztem Ungehorsam" verurteilt. Seitdem wurde ihm mehrmals der Prozeß gemacht. Er ist gerade aus dem Militärgefängnis freigestellt worden (Mitte November), aber befindet sich zur Zeit im Rekrutierungsbureau, da die Behörden ihn erneut zum Antritt bei seiner Militäreinheit zwingen wollen. Das is ein harter Schlag für Osman, der sich in einer unendlichen Spirale der Bestrafung befindet.
Senden Sie Protestbriefe (bei Fax) an: Premier Minister : +90 312 417 0476, Justizminister : +90 312 417 0476 ; Verteidigungsminister : +90 312 324 4627; Innenminister : +90 312 318 1795 ; und der Turkischen Botschaft Ihres Landes.


TURKMENISTAN

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist nicht anerkannt, es gibt keine Regeln für Ersatzdienst. Derzeit ist von zwei Zeugen Jehovas bekannt, daß sie sich im Gefängnis befinden.
Roman Sidelnikov
g. Chardzhau
ITU
Nachalniku
Turkmenistan
(von 06/98 bis 05/00)
Im Mai 1996 wegen Verweigerung der Erfassungspapiere zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, und sechs Monate später amnestiert. Im Juni 1998 wegen "Wehrpflichtentziehung" zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Oleg Voronin
g. Gushgi
ITU voennogo naznacheniya
Nachalniku
Turkmenistan
(von 09/98 voraussichtlich bis 10/03)
Zu fünfeinhalb Jahren wegen "Entziehung vom Militärdienst" verurteilt, nachdem er zwangsweise einer Militäreinheit zugeführt worden war. Es wird vermutet, daß er ernstlich geschlagen und ihm ein Anwalt verweigert wurde. Seit seiner Inhaftierung im Gughi Militärgefängnis hat nienamd Zugang zu ihm gehabt.


USA

Susan Crane (#87783-011)
FCI Dublin Unit A, 5701 8th St.,
Dublin, CA 94568
USA
(seit 14.02.97 - 27 Monate)
Steve Kelly SJ (#00816-111)
LSCI Allenwood, P.O. Box 1000,
White Deer, PA 17887.
USA
(vom 14.02.97 bis 6/99)
Susan und Steve--Mitglieder der Prince of Peace-Pflugschar--wurden wegen Verschwörung und Verursachung eines Sachschadens von 28.000 US$ an Regierungseigentum verurteilt, weil sie auf ein Tomahawk Cruise Abschußsystem an Bord der USS The Sullivans in Maine mit Hämmern eingeschlagen haben und es mit Blut übergossen haben. Sie wurden zusätzlich zu 2 Jahren überwachter Freiheit/Bewährung verurteilt, und zu 4.000 US$ Wiedergutmachung.

Kathy Boylan
Sr. Ardeth Platte
Sr. Carol Gilbert
Kent County Detention Center, Unit A,
104 Vickers Dr.,
Chestertown MD 21620.
USA
(seit 17.05.98)
Fr. Frank Cordaro
Fr. Larry Morlan
Charles County Jail,
PO Box 1430,
LaPlata, MD 20646.
USA
(seit 17.05.98)
Alle fünf sind Mitglieder der "Gods of Metal-Pflugschar" und wurden für ihre Abrüstung eines B-52-Bombers verhaftet. Am 22.09.98 wurden sie wegen Sachbeschädigung schuldig gesprochen und erwarten ihr Strafmaß im Januar 1999.

John Patrick Liteky
c/o SOA Watch, POB 4566,
Washington, DC 20017.
USA
(2 Jahre, bis 06/00)
Verurteilt wegen mehrerer Proteste mittels Verschütten von Blut gegen die "School of the Americas" (am Pentagon am 29.09. und 20.10.97, und in Ft. Benning am 25.02.98)

Richard Streb (#88113-020)
FPC Beckley, POB 350,
Beaver WV 25813.
USA
(6 Monate, bis 03/99)
Verhaftet wegen wiederholtem unerlaubtem Betretens an der Ft Benning's School of the Americas

Kathleen Rumpf (#02117-052)
Danbury Prison,
Pembroke Station, Rt. 37,
Danbury, CT 06811-3099
USA
(seit 23.07.98; sechs Monate)
Fr. Bill Bichsel SJ (#86275-020)
FPC Sheridan Unit 5,
P.O. Box 6000,
Sheridan, OR 97378-6000.
USA
(seit 10/98, 12 Monate)
Sr. Marge Eilerman OSF (#88106-020)
FPC Lexington, 3301 Leestown Rd.,
Lexington KY 40511.
USA
(seit 10/98, 12 Monate)
Ed Kinane (#86279-020)
FPC Allenwood, POB 1000, Montgomery, PA 17752.
(seit 10/98, 10 Monate)

Mary Trotochaud (#88102-020)
FPC Alderson, Box A,
Alderson Women's Prison,
Alderson, WV 24910
USA
(seit 10/98, 8 Monate)
Alle fünf AktivistInnen wurden wegen der Veränderung eines School of the Americas-Schildes während einer Protestaktion am 29.09.97 verurteilt.

Daniel Sicken (#28360-013)
Oliver Sachio Coe (#28361-013)
Federal Detention Center, Unit A
9595 W. Quincy Ave.
Littletown, CO 80123
USA
(seit 08/98 - erwarten ihr Urteil am 20.01.99)
Mitglieder der "Minuteman III-Pflugschar", die am 06.08.98 eine Aktion an einem Nuklearsilo in der Nähe von Greeley, Colorado, durchführten. Sie wurden für schuldig befunden, der Verteidigung dienendes nationales Eigentum zerstört zu haben; und vorgehabt zu haben, der Verteidigung dienendes nationales Eigentum zu beschädigen/zerstören (Sabotage); und Regierungseigentum zerstört zu haben. Sie wurden in Haft genommen, nachdem sie gegenüber dem Richter ausgesagt hatten, sie würden nicht versprechen, zur Verkündung des Strafmaßes im Januar 1999 zurückzukehren. Eine Sicherheitshinterlegung von 5.000 US$ wurde angeordnet.


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Politische Gefangene in Indonesien

In jedem Jahr wird bei der Veröffentlichung der Ehrenliste der Gefangenen für den Frieden eine bestimmte Kampagne oder geographische Region in den Mittelpunkt gerückt. Maggie Helwig informiert über diejenigen, die wegen ihrer politischen Aktivitäten in Indonesien und Ost-Timor inhaftiert sind.

Maggie Helwig

Als B. J. Habibie im Mai das Amt des Präsidenten übernahm, war eine seiner ersten Amtshandlungen, zwei prominente politische Gefangene zu entlassen. Weitere Entlassungen folgten -- zwischendurch versprach die Regierung, alle politischen Gefangenen freizulassen. Aber Hunderte von Menschen, darunter AktivistInnen, die sich gewaltfrei für soziale Gerechtigkeit einsetzen und zu sehr langen Haftstrafen verurteilt worden sind, befinden sich noch immer wegen politischer Vorwürfe in indonesischen Gefängnissen, und der Prozeß der Entlassungen ist zum Stillstand gekommen. Es wird nicht mehr versprochen, daß alle politischen Gefangenen entlassen würden, und in der Tat ist es ohne internationalen Druck keineswegs sicher, daß überhaupt noch weitere entlassen werden. Man nimmt an, daß das Militär Habibie diktiert hat, wer freigelassen werden kann und wer nicht, und daß die Freilassungen die Grenze erreicht haben, die das Militär bereit ist zu akzeptieren.

Dies ist ein kritischer Zeitpunkt für die indonesischen AktivistInnen im Gefängnis. Die Regierung Habibie befolgt weitgehend die Instruktionen des Militärs, aber Habibie ist auch extrem verletzbar gegenüber Druck von außen und sehr ängstlich wegen der Meinung im Ausland. Wenn die Regierenden erfahren, daß die Welt sich um diejenigen, die noch immer in Haft sind, sorgt, ist es immer noch möglich, daß sie sich entscheiden, sie freizulassen.

Ein indonesischer Aktivist hat das Cipinang-Gefängnis Jakarta -- wo viele politische Gefangene inhaftiert sind -- als "den besten Platz im Land für Versöhnung" beschrieben. In Cipinang haben Mitglieder der alten Kommunistischen Partei von Indonesien Freundschaften mit frommen Moslems entwickelt, Verfechter der Unabhängigkeit Ost-Timors und West Papuas mit javanischen Studenten und Gewerkschaftern -- tatsächlich begann für einige der Indonesier, die sich am intensivsten für Menschenrechte und Selbstbestimmung in Ost-Timor einsetzen, ihr Engagement in Cipinang für diese Sache während der gemeinsamen Haftzeit mit timorischen Gefangenen. (Ein längerer Artikel über die politischen Gefangenen in Cipinang ist in der Peace News von August/September 1997 zu finden.)

Unter denen, die sich noch im Gefängnis befinden, sind acht Mitglieder der PRD, einer kleinen politischen Partei, die während der Suharto-Jahre verboten war. Obwohl die PRD nun von einem Gericht in Jakarta als legale Organisation anerkannt worden ist und obwohl die acht Gefangenen keiner Tat beschuldigt werden, die auch nur entfernt einer kriminellen Handlung ähnelt, erscheint es unwahrscheinlich, daß sie, die alle 1996 inhaftiert worden sind, in absehbarer Zeit freigelassen werden. Ihnen wird vorgeworfen, daß sie ArbeiterInnenkundgebungen organisiert, ein Referendum über den Status von Ost-Timor gefordert und sich für ein offeneres politisches System eingesetzt haben, das weniger vom Militär dominiert sein sollte. Budiman Sudjatmiko, der Vorsitzende der PRD, muß wegen dieser „Verbrechen" eine dreizehnjährige Haftstrafe über sich ergehen lassen. Vier Mitglieder der PRD wurden kürzlich aus dem Gefängnis entlassen, [siehe Interview mit Wilson] aber es besteht offensichtlich nicht die Absicht, die restlichen Acht zu freizulassen.

Viele Ost-TimorerInnen sind in indonesischen Gefängnissen inhaftiert. Unter ihnen sind drei Überlebende des Santa-Cruz-Massakers von 1991, in Haft wegen der Teilnahme an einem friedlichen Marsch in Ost-Timor, bei dem Hunderte anderer vom indonesischen Militär abgeschlachtet wurden.

Einer von den dreien ist zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwei andere sind im Gefängnis, weil sie in Jakarta eine kleine friedliche Protestkundgebung gegen das Massaker organisiert hatten.

Es gibt auch viele Gefangene aus West-Papua. Darunter sind fünf Männer, die Ende September festgenommen wurden, weil sie versuchten, ein Treffen zu organisieren, bei dem über den politischen Status des Gebiets diskutiert werden sollte. Ein sechster Mann, ein traditioneller Führer und ehemaliger Abgeordneter, versuchte die Freilassung der Fünf zu erreichen, indem er der Polizei anbot, ihn im Austausch in Haft zu nehmen, aber stattdessen wurde auch er festgenommen und angeklagt, und die anderen wurden nicht freigelassen.

Ein anderer Gefangener in Cipinang, der erwähnt werden muß, auch wenn er nicht als "Gefangener für den Frieden" im engeren Sinn gelten kann, ist Xanana Gusmão, ehemaliger Führer des bewaffneten Widerstands in Ost- Timor und jetziger Präsident des Nationalen Rats des timorischen Widerstands. Obwohl Xanana sich eindeutig an Gewaltakten beteiligte, spielte er eine wesentliche Rolle bei der Herausbildung eines gewaltfreien zivilen Widerstands. Gruppen in aller Welt, einschließlich Amnesty International, setzen sich heute für seine Freilassung ein, teils weil er, zusammen mit Bischof Belo, die in einem breiten Spektrum am meisten respektierte Person in Ost-Timor ist, teils weil viele davon ausgehen, daß kein Friedensprozeß legitim oder erfolgreich sein kann, wenn Xanana nicht direkt in die Verhandlungen einbezogen ist.

Einige der Menschen auf der Liste sind nicht formell irgendeiner Straftat angeklagt worden, aber wir nehmen an, daß sie wegen gewaltfreier politischer Aktivitäten gefangengehalten werden. Das ist der Fall bei mehreren timorischen Gefangenen, von denen angenommen wird, daß sie wegen ihrer Beteiligung am unbewaffneten geheimen Widerstand in Haft sind.

Folter ist weit verbreitet, besonders gegen Gefangene aus Ost-Timor, West- Papua und Aceh. Diejenigen, die noch nicht förmlich angeklagt sind und an entlegenen Orten festgehalten werden, sind besonders dem Risiko der Folter, am häufigsten durch Schläge und Elektroschocks, ausgesetzt.

Einige der Menschen auf dieser Liste sind „verschwunden". Die Regierung hat zugegeben, daß die meisten oder alle der „Verschwundenen" vom Militär aus politischen Gründen entführt worden sind; sie behauptet jedoch, den gegenwärtigen Aufenthaltsort oder Zustand der AktivistInnen nicht zu kennen. Da Ihr den Verschwundenen keine Karten schicken könnt, schickt bitte Karten an die Regierung von Indonesien, nennt ihre Namen und fragt nach ihrem Verbleib. (Wir haben nur wenige der vielen „Verschwundenen" aufgelistet.)

Maggie Helwig ist ein Mitglied des Rats der WRI und arbeitet seit vielen Jahren zu Indonesien und Ost Timor.
Mehr Information bei der Kampagne zu Menschenrechten in Indonesien: Tapol, 111 Northwood, Thornton Heath, Surrey CR7 8HW, Großbritannien (Tel. +44 181 771 2904; Fax 653 0322; email tapol@gn.apc.org)

Interview mit Wilson Bin Nurtiyas

Wilson bin Nurtiyas ist Mitglied des Legislationsausschußes der Peoples's Democratic Party (PRD) Indonesiens und koordiniert die Organisation "Indonesische Solidarität mit dem Kampf der Maubere" (Ost Timoresen). Im September 1996 wurde er nach einer Demonstration in Jakarta verhaftet. Er wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, aber wurde im Juli dieses Jahres unter einer Teilamnestie für politische Gefangene freigelassen.

PN: Sie haben sich geweigert, das Gefängnis zu verlassen. Warum?

Wilson: Ja, denn ich habe verlangt, daß alle, nicht nur einige der politischen Gefangenen freigelassen werden. In Indonesien gibt es zum Beispiel momentan mehr als zweihundert politische Gefangene. Deshalb habe ich drei Tage lang meine Zelle abgeschlossen, bis die Wächter des Cipinang Gefängnisses mich eines frühen Morgens gezwungen haben aufzuschließen. Das Militär, das mich ins Gefängnis gesteckt hat, mußte mich zwingen, herauszukommen. Aber sie kannten die politischen Umstände.

PN: Bevor Sie im Gefängnis waren haben Sie an zahlreichen Demonstrationen teilgenommen. Ihnen muß bewußt gewesen sein, daß das Risiko besteht, verhaftet zu werden.

Wilson: Ja, wie kennen die Risiken. In der Verfassung der PRD haben wir das Risiko einer Verhaftung mit eingeschlossen, auch das Risiko, vom Militär getötet zu werden. Das waren nur einige der Voraussetzungen, um Mitglied der PRD zu werden.

PN: Hatten Sie jeden Tag Angst?

Wilson: Ich glaube, wir müssen uns einer dialektischen Wirklichkeit bedienen: wenn das Militär das Volk unterdrückt, muß man anti- militaristisch werden. Wenn sie einen ständig verhaften und unterdrücken, verliert man die Angst - weil sie dir all deine Furcht genommen haben. Natürlich haben wir manchmal Angst. Aber wir können die Situation mit Ost Timor vergleichen - sie wurden dort so lange unterdrückt, daß sie ihre Angst verloren haben.

Im Cipinang Gefängnis konnten wir immer noch mit unseren Kameraden und Freunden draußen kommunizieren, und wir konnten die politischen Nachrichten verfolgen - durch Besucher und Zeitungen.

PN: Haben Sie Xanana Gusmão getroffen (den Ost-timoresischen Widerstandsführer, der immer noch im Gefängnis sitzt)?

Wilson: Ja, wir haben uns gut kennengelernt. Wir haben beide den Fußballwettbewerb im Gefängnis organisiert! Deshalb haben wir uns oft getroffen - jeden Nachmittag auf dem Fußballfeld. Wir haben unter den politischen Gefangenen ein „politisches" Fußballteam organisiert. Jede Woche haben wir gegen das „Strafgefangenen-Team" gespielt, und wir haben immer verloren - weil wir während des Fußballspiels Politik diskutierten, und nicht, wie man Tore schießt. Das Wichtige war nicht das Spiel, sondern die Kommunikation.

PN: Was war Ihre tägliche Routine?

Wilson: In Cipinang organisieren die politischen Gefangenen viele Aktivitäten. Wir organisierten das Gefängnis, nicht die Gefängnisverwaltung. Zum Beispiel Sport: Fußball organisierten Xanana Gusmao und ich, Badminton die kommunistische Partei, Basketball ich, ein Reparaturladen und eine kleine Farm mit Enten, Hühnern und Fisch die Kommunisten.

Dann, ab sieben Uhr, wenn die Zellen aufgeschlossen wurden bis sechs Uhr, wenn sie zugeschlossen wurden, haben wir Aktivitäten organisiert. Es gab zwei Kategorien von Gefangenen - Strafgefangene und politisch Inhaftierte. Die Politischen waren zu viert in einer Zelle. Vom Abend bis zum Morgen waren wir nur in unserer Zelle. Jede Nacht führten wir Diskussionen, übersetzten und schrieben politische Artikel.

PN: Wurden die Strafgefangenen politisiert?

Wilson: Ich kann Ihnen garantieren, daß - falls es in Cipinang eine Wahl gäbe - die PRD Nummer Eins wäre. Wir haben viel organisiert. Wir haben auch eine kleine Bücherei in unserer Zelle eingerichtet. Als ich freigelassen wurde, haben 1500 Strafgefangene unsere Bücher ausgeliehen.

PN: Haben sie sie zurückgebracht?

Wilson: Manchmal, wenn es ein Bild einer Frau in einem Magazin gab, haben sie es ausgeschnitten.

PN: Wie oft hatten Sie Besuch?

Wilson: Zweimal die Woche - Mittwochs und Sonntags.

PN: War Ihnen die Gefängnisverwaltung wohlgesinnt?

Wilson: Ich kann Ihnen etwas sagen: dreißig Minuten nachdem Suharto zurückgetreten war, kam der Gefängnisdirektor zu uns, zu allen politisch Inhaftierten und sagte: "Herzlichen Glückwunsch, Suharto ist zurückgetreten. Wir haben auch eine Party mit dem Direktor organisiert. Das bedeutet, daß die Gefängnisverwaltung in Cipinang uns auch unterstützt.

PN: Haben Sie im Gefängnis viel internationale Unterstützung erhalten?

Wilson: Es gab eine Menge Aufmerksamkeit. Viele Postkarten, Presseartikel, Petitionen. Aber es gab das Problem, daß die Mitglieder der kommunistischen Partei, die schon seit über dreißig Jahren im Gefängnis sitzen, nur wenig Aufmerksamkeit erhielten und es gab davon auch zuwenig für die Islamischen Rebellen, von denen manche lebenslang verurteilt sind. Ich finde, Sympathie für politische Gefangene sollte die Kommunisten und die Islamischen politischen Gefangenen mit einschließen.

PN: Wie haben Sie es geschafft, im Gefängnis durchzuhalten?

Wilson: Weil Leute Widerstand leisten. Weil es viel politische Opposition gibt. Das gibt uns im Gefängnis Optimismus. Wir glaubten, daß es nur eine Sache der Zeit wäre.

PN: Was haben Sie gemacht, seitdem Sie freigelassen wurden?

Wilson: Ich versuche, die PRD zu organisieren. Vor zwei Monaten wurde die PRD wieder zugelassen, jetzt müssen wir Taktiken einer illegalen Partei in die einer legalen Partei umändern. Wir organisieren unsere Massenmobilisierung bei Studenten, Arbeitern, Gefängnissen und den ärmeren Schichten in der Stadt neu. Es ist jetzt leichter für uns, Propaganda zu machen, Flugschriften zu verteilen und Aktionen offen zu organisieren. Aber die PRD hat keine Illusionen. Falls das Militär in der Zukunft reaktionär wird, haben wir besondere Reaktionsmechanismen.

PN: Welche Hoffnungen haben Sie für einschneidende Änderungen in Indonesien?

Wilson: Natürlich gibt es mehr Offenheit, aber wir müssen verstehen, daß die alte Struktur des Suharto Regimes immer noch Macht besitzt. Das Wichtigste ist das Militär. Warum? Weil das Militär immer noch unter Suhartos Kontrolle ist. Als Suharto im Mai zurückgetreten ist, sagte Wiranto der Kommandant der Streitkräfte: „Das Militär wird Suharto und seine Familie beschützen." Jetzt ist die gemeinsame Basis der radikalen Bewegungen - hauptsächlich Liberale, Studenten und PRD - die Frage wie man eine Koalition gegen das Militär bilden kann. Wenn man Menschenrechtsverletzungen unterbinden will, müssen wir Schritt für Schritt die Macht des Militärs einschränken.

PN: Was sind in Indonesien die Gedanken und Gefühle in Bezug auf Ost Timor?

Wilson: Jetzt gibt es mehr Pressefreiheit in Indonesien. Jede Woche gibt es ein Interview mit Xanana. In der Vergangenheit war das nicht vorstellbar. Jetzt ist er einer der populärsten Personen in den Zeitungen. Jetzt können mehr normale Leute das Problem in Ost Timor verstehen. Letzten Monat nahm ich in Ost Timor an einer öffentlichen Veranstaltung teil. Es hatten sich dort mehr als zweitausend Studenten und Jugendliche versammelt, die alle offen von Selbstbestimmung und Freiheit für Ost Timor sprachen und nicht mehr nur von einem Referendum. De facto haben sie schon gezeigt, daß sie frei sind, aber in Wirklichkeit ist das Militär noch da. Momentan organisiert sich in Ost Timor eine politische Massenbewegung. Eine Woche vor meiner Ankunft gab eine große Aktion mit zehntausend Menschen - so etwas gab in der Vergangenheit nicht. Meiner Meinung nach wäre der Schlüsselpunkt, die politischen Massenbewegungen in Ost Timor zu verstärken.

PN: Freuen Sie sich darauf, mit Xanana in einem freien Ost Timor Fußball zu spielen?

Wilson: Wissen Sie, ich fragte Xanana: „Würden Sie, falls Sie Präsident werden sollten, in einem Palast in Dili wohnen?" Und er sagte, „Nein, ich will im Gefängnis bleiben." „Warum?" „Weil ich jeden Nachmittag Fußball spielen kann. Wenn ich im Palast wohne werde ich nicht Fußball spielen können, sondern eine Menge Besprechungen haben."

Auch drinnen gibt es Leben: Gedanken der Inhaftierten BE8941

Die schwedische Ploughshares-Aktivistin Ann-Britt Sternfeldt sitzt momentan im Risley Frauengefängnis in Nordengland. Sie erwartet ihre Verhandlung in Verbindung mit ihrem Versuch, eins von Großbritanniens Trident U-Booten zu entwaffnen (siehe Oktoberausgabe der PN).

Ann-Britt Sternfeldt

Jemand macht mein Licht an. Ein Auge im Loch über meinem Bett, das mich anschaut. Ich bin müde, ich würde gern noch ein bißchen schlafen, aber das ist unmöglich. Wenn man noch im Bett ist, wenn sie die Tür öffnen, bekommt man Schwierigkeiten - wenn man die falsche Wärterin erwischt: „Aufstehen! Aufstehen! Kommt ihr faulen Kühe! Bewegt eure schwitzenden Ärsche!”

Als ich diese Wärterin das erste Mal schreien hörte, habe ich mich gewundert, was hier los ist. Ich fühlte mich beleidigt. Jetzt mach` ich mir nicht mehr die Mühe. Das macht meinen Aufenthalt hier leichter. Ich vermisse die Natur. Ich vermisse es, im Wald spazieren zu gehen, die frische Luft zu fühlen, alle Gerüche. Ich versuche, mir den Geruch nasser Blätter auf dem Boden vorzustellen, aber ich kann es nicht. Ich sehe das Bild Mordechai Vanunus an, das an meiner Wand hängt. Ich frage mich, wie es ist, mehr als elf Jahre in Isolationshaft zu sein. Ich werde das nie verstehen. Es ist Zeit für unsere „Weiterbildung”. Wir haben die Gelegenheit, jeden Tag 3 - 4 Stunden einen Computer zu benutzen. Es ist toll, eine Weile woanders zu sein - wie in die Arbeit gehen. Ich benutze den Computer für meine Schreibarbeit - das gibt mir das Gefühl, daß ein Teil meines normalen Lebens weitergeht. Manchmal habe ich ein komisches Gefühl, daß die Realität „da draußen” nichts mit uns hier drinnen zu tun hat. Es ist, als ob wir von der Welt abgeschnitten und vergessen sind. Darum weiß ich all diese Postkarten und Briefe von Leuten, die uns unterstützen, so zu schätzen. Dadurch fühle ich mich, als ob ich doch noch zum normalen Leben gehöre.

Ich denke wieder an Mordechai Vanunu. Als ihm die Wärter über lange Zeit hinweg seine Post verweigerten, muß er sich gefühlt haben, als ob er nicht existiert.

Wir haben Mittagessen und werden dann wieder eine Stunde lang in unsere Zellen geschlossen. Ich lese meine Post, die heute angekommen ist. Ich habe einen Brief von einer Frau bekommen, die einen Zeitungsartikel gelesen hat, den ich Zuhause in Schweden geschrieben habe. Er hat ihr Interesse geweckt, und sie möchte mehr über zivilen Ungehorsam erfahren. Wenn ich solche Briefe bekomme, denke ich, daß es selbst das Gefängnis wert ist. Zu wissen, daß ich anderen eine Inspiration bin, gibt mir Energie. Das ist die beste Unterstützung, die ich nur haben kann.

Bei der „Weiterbildung” am Nachmittag gibt mir eine der Inhaftierten ein paar Gedichte, die sie geschrieben hat. Sie erzählen von Träumen, von Freiheit, vom Vermissen derer, die nicht hier sind. Mir steigen Tränen in die Augen; ich bin nicht traurig, die Gedichte sind nur so wunderschön. So viel Liebe in den Worten. Ich bin glücklich über die Gedichte, ich bin glücklich, diese Frau kennenzulernen.

Am Abend klopft meine Nachbarin an die Wand. „Gute Nacht Ann!” schreit sie. Meine Nachbarin ist ein Mädchen - neunzehn Jahre alt - die nach einer Mutter sucht. Manchmal sitzt sie auf meinem Schoß und ich halte sie wie ein kleines Kind. Jede Nacht um zehn klopfen wir an die Wand und wünschen uns eine gute Nacht.

Unter all dem Kummer hier gibt es so viel Liebe. Ich bin dankbar, daß ich das miterleben kann.

Ann-Britt Sternfeldt teilt ihre Zelle mit Annika Spalde. Zusammen mit Stellan Vinthagen sind sie für „Strafbare Verabredung zur kriminellen Schädigung” unter Anklage. Falls sie verurteilt werden, drohen ihnen zehn Jahre im Gefängnis.
Für weitere Informationen: „Bread not Bombs Ploughshares”, Blomingen 10, 424 37 Angered, Schweden (0046 - 31 - 711 03 16; Email ploughshares@hotmail.com; http://ploughshares.se/bnb/english).
Die „Liverpool Catholic Worker” Gemeinschaft koordiniert Besuche im Gefängnis: LCW, 1 Horne St, Liverpool L6 5AH, England (0044 - 151 - 264 87 41; Email lcw@rapid.co.uk).
Ihre Gefängnisadressen sind in der „Prisoners for Peace” Liste.

Chiapas und die "School of the Americas"

Von Anne Herman

Letzten November, nachdem ich mich für das Training des Christian Peacemaker Team (CPT) angemeldet hatte, nahm ich an einer Beerdigungsprozession von School of the Americas Watch teil, mit der des Mordes an sieben Jesuiten in El Salvador gedacht wurde. Es war das zweite Mal, daß ich "die Grenze überschritt" zur Militärbasis in Fort Benning in Georgia/USA. Wir waren 601, 31 "wiederholte StraftäterInnen".

Ich dachte, mein Plan, Vollzeit-Mitarbeiterin bei CPT zu werden, würde sich höchstens um mehrere Monate verzögern. Doch ich wurde zu sechs Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 3 010 US$ verurteilt. So akzeptierte ich meinen ersten Einsatz für CPT am 30. Januar, und bestätigte dies aus dem Danbury Bundesgefängnis. Es erschien mir logisch, als nächstes nach Chiapas zu gehen, da viele der mexikanischen Führer an der "School of the Americas" eine Ausbildung erhalten hatten.

Hier in Chiapas fuhren wir vor kurzem zur Gemeinschaft von Polhó, eine Gemeinde von ungefähr 9 000 Menschen, von denen etwa 8 000 Flüchtlinge sind, Flüchtlinge vor der militärischen und paramilitärischen Gewalt in der Region. Es sind nur zehn Minuten Fahrt von Acteal, dem Ort des Dezember-Massakers. Die Gemeinde befindet sich im Zustand einer partiellen Belagerung durch die umgebenden militärischen Standorte. Es gibt eine sehr reale Drohung, daß das Militär versuchen wird, die Gemeinde zu betreten, um die AnführerInnen (und andere) unter erfundenen Anschuldigungen festzunehmen.

Kurz nach unserer Ankunft in Polhó begann ich Gefühle wahrzunehmen, die mir vage bekannt waren. Bald erkannte ich, daß sie denen entsprachen, die ich im Gefängnis erfahren hatte. Es war mir kaum bewußt, dass mich die Zeit "drinnen" auf das Leben in einer indigenen Gemeinschaft vorbereiten würde.

Die Menschen sitzen an den Eingängen der Gemeinde in einem "Friedensgürtel", um das Militär vom Betreten der Gemeinde abzuschrecken. An Stelle von Wachfahrzeugen, die am Zaun entlang fuhren, gab es Militärfahrzeuge auf der Straße. Die Militärfahrzeuge hatten mehr Mannschaften und schwerere Waffen, doch das Gefühl des überwacht und bedroht Seins war das gleiche.

Es gab permanenten Lärm etwa von der gleichen Lautstärke wie in Danbury. In beiden Fällen, so vermute ich, trug die Übervölkerung dazu bei. Immer war Musik zu hören. In Danbury kam sie aus den privaten Radios, in Polhó aus einem öffentlichen Lautsprechersystem. Zum Glück lernte ich, sie "auszustellen".

Es gab keinen Sinn für Privatheit oder privaten Raum. In Danbury teilte ich 2m x 2,8m mit einer anderen Person in Etagenbetten. Hier teilen wir den Raum mit anderen Menschen von außerhalb der Gemeinde, die hier sind, um Unterstützung und Hilfe zu geben, der zur Verfügung stehende Raum war geringfügig kleiner. Ich wußte nie, wann mir jemand mitten in der Nacht mit einer Lampe ins Gesicht leuchten würde oder eine nächtliche Unterhaltung im nächsten Bett beginnen würde.

Die Waschräume in Polhó rochen schlecht, doch nicht so schlecht wie in Danbury. Es gab den gleichen privaten Raum, doch konnte man in Polhó wenigstens die Tür abschließen. Die Anzahl der Duschen pro Person war die gleiche. Trotzdem gab es in Polhó immer ausreichend Wasser.

Auf der positiven Seite gab es den gleichen Sinn für Humor und die gleiche Fähigkeit, dem Unterdrücker ins Gesicht zu Lachen. An beiden Orten ist der Reichtum im Angesicht des Mangels beeindruckend. Ich bewundere den Geist und die Zusammenarbeit der Frauen von Polhó. Es ist ein Beispiel, von dem ich lange wünschte, daß die Frauen unseres Landes ihm folgen würden.

Christian Peacemaker Teams ist eine Initiative, die gewaltreduzierende Aktionen auf der ganzen Welt unterstützt. CPT, PO Box 6508, Chicago, IL 60680, USA, (+1 312 455 1199; Fax 666-2677; http://www.prairienet.org/cpt/).

Einen herzlichen Dank

an alle die Leuten, die uns mit dieser Ausgabe der Gefangenen für den Frieden 1998 geholfen haben, und insbesondere die ÜbersetzerInnen: Pierre Arcq, Roberta Bacic, Xabi Barandiaran, Inge Dreger, Carola Jüpner, Gernot Lennert, Fernando Nicasio, Dominique Saillard, Rafa Sainz de Rozas, Andreas Speck und Sebastian Theus. Vielen Dank auch an Jan Melichar für das Layout und an Ken Simons, der sich um unsere Webpage kümmert (http://wri-irg.org).