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Joanne Sheehan
Alle Ereignisse der Dreijahreskonferenz der Internationale der KriegsdienstgegnerInnen (WRI) kann man wirklich nicht in einem kleinen Bericht zusammenfassen. WRI-Aktivisten aus der ganzen Welt nahmen daran teil; 180 Leute aus 20 Ländern von jedem Kontinent besuchten eine Woche lang diese Konferenz. Das Motto der Konferenz "Geschichten und Strategien: gewaltfreier Widerstand und sozialer Wandel" war wirklich das zentrale Thema. In einer Plenarversammlung am Vormittag begann das Erzählen von Geschichten - irgendjemand berichtete da über seine ganz persönliche Geschichte. Dieses Geschichtenerzählen und der Austausch von Strategien setzte sich bis in die abendlichen Plenarversammlungen und die täglichen Themengruppen fort.
Leute, die sonst nur über große Distanzen miteinander arbeiten, trafen sich in Dublin. Für neue WRI-Leute bot sich da die Gelegenheit, uns ihre Geschichten und Strategien vorzutragen und mit uns zusammen daraus zu lernen. Es war eine Gelegenheit für uns alle, uns zu vernetzen, Informationen an unsere Graswurzel-Organisationen zurückzugeben, grenzüberschreitende Verbindungen zu knüpfen. Es war auch die Gelegenheit, Geschichten durch Musik und Theater, beim Essen und abends zu erzählen, da wir immer sprachen und zuhörten.
Dieser Bericht gibt ein paar Geschichten wieder, die erzählt wurden, und Strategien, die wir uns mitteilten und gemeinsam entwickelten. Falls Ihr an der Dreijahreskonferenz teilgenommen habt, wird dieser Bericht Euer Gedächtnis auffrischen und eine Aufzeichnung der von Euch besuchten Plenarversammlungen und Themengruppen sein. Aber es passierte so viel mehr als irgendjemand von uns erzählen könnte. So ist dieser Bericht für jeden - ob er teilnahm oder nicht - eine Aufzeichnung von Geschichten und Strategien, die wir teilten, um unseren gewaltfreien Widerstand und die Arbeit für einen sozialen Wandel zu verstärken. Ihr werdet in einer Anzahl von Themengruppenberichten Literaturempfehlungen finden, falls Euch ein bestimmtes Thema besonders interessiert.
Viele Themengruppen schlugen weitere Arbeit vor. Das Geschäftstreffen und das Ratstreffen der WRI während der Dreijahreskonferenz haben die Vorschläge in ihre Überlegungen einbezogen und viele in unser Arbeitsprogramm für die kommenden Jahre eingefügt. Diese Dreijahreskonferenz ist ein Teil des Prozesses. Wir werden kein Thema unberücksichtigt lassen. Wir werden weiter daran arbeiten, wie unsere Geschichten verwendet werden können, um die Entwicklung unserer Strategien zu unterstützen.
Ich möchte allen danken, die diese Dreijahreskonferenz ermöglicht haben. Die Organisation einer solchen Veranstaltung ist ein enormer Arbeitsaufwand. Vielen Dank dem Personal, den Freiwilligen, Moderatoren, Gesprächsleitern; Finanzleuten, den Sponsoren und allen Teilnehmern.
Dezember 2002
Joanne Sheehan
von Irlands "Organisator und Gastgeber", Rob Fairmichael
Die Plenarversammlungen am Morgen begannen damit, daß jemand seine eigene persönliche Geschichte in 15 bis 20 Minuten erzählte. Das war immer ein sehr anregender Beginn für den Tag. Wir sehen uns alle schwierigen Kämpfen der unterschiedlichsten Art ausgesetzt; einige davon etwas weltlicher, einige gefährlicher und risikoreicher, einige abwechslungsreicher, aber alle repräsentieren den Kampf eines Individuums, sich selbst treu zu bleiben, Gewalt zu überwinden und Gewaltfreiheit zu leben. Siva Ramamoorthy's Weg von Gewaltfreiheit zu Gewalt und weiter zur Gewaltfreiheit in Sri Lanka war ein solcher Kampf; das Gewehr, von dem er dachte, daß es ihn befreien würde, wurde zur Last und Qual. Aber angesichts dieser Welt den Glauben zu bewahren, kann sehr schwierig sein. Ich hoffe, daß uns - während die Teilnehmer ihre uns interessant erscheinenden Geschichten erzählten - klar wurde, daß wir eigentlich alle eine solche Geschichte zu erzählen hätten, und zwar jeder Einzelne von uns. Das war auch Teil der Botschaft dieser Dreijahreskonferenz.
Den Kern der Dreijahreskonferenz bildeten die Themengruppen, an denen man an vier aufeinanderfolgenden Vormittagen teilnehmen konnte. Dort hatten die Leute wirklich eine Gelegenheit, eines der Themen ausführlich zu bearbeiten.
Nach dem Mittagessen konnte man an Workshops teilnehmen, die jeder veranstalten konnte; d.h. wer einen Workshop veranstalten wollte, veranstaltete ihn, und wer daran interessiert war, nahm daran teil. Das war ein wichtiges Gegengewicht zu dem Vormittagsprogramm, da es jedem die gleiche Chance gab. Ich durfte ein paar Leute aus ganz Irland speziell dazu einladen, solche Workshops zu leiten. Die Resonanz war wieder sehr unterschiedlich, aber ich hoffe, daß bei dem breiten Angebot für jeden etwas dabei war. Diese Workshops boten natürlich auch eine gute Gelegenheit für das Treffen spezialisierter Truppen, wie die Frauenarbeitsgruppe oder die Gewaltfreiheitstrainingsgruppe.
Die abendlichen Plenarversammlungen fanden nach dem Abendessen statt, zu einer Zeit da die Leute schon müde wurden. Aber sie boten für jeden eine Gelegenheit, ein paar Präsentationen zu sehen und an Plenardiskussionen teilzunehmen. Neben den unterschiedlichen Aspekten des Geschichtenerzählens und Strategisierens aus verschiedenen Kontinenten sprachen hier die Glencree-Leute über ihre hauptsächliche Arbeit mit Opfern und Kämpfern der Nordirland-Unruhen. Eine interessante Geschichte, die ich von Michael Randle in der Plenarversammlung am Abend hörte, war, wo das CND-Symbol herkommt (das auch in den Peace news (Culture and Resistance. PN 2448) in einem Stück von Andrew Rigby vorkommt) - verwendet diese Erklärung, wenn Euch wieder jemand bezichtigt, daß es ein "Zerbrochenes Kreuz" sei! Florencia Mallon machte eine wichtige Anmerkung zu der Respektierung von Geschichten, die nicht in die offiziellen Geschichtsbücher gelangen. Die Veränderungen seit dem 11. September 2001 wurden analysiert. Und es ist immer ein Privileg, die Geschichten über den Kampf der Leute direkt von ihnen zu hören - seien sie aus West-Papua, Vieques, Israel oder sonstwo her.
Es ist ein schwieriges Unterfangen, genug aber wiederum nicht zu viel an sozialem und kulturellem Programm zu arrangieren. Nach einem arbeitsreichen Tag, der mit Plenarversammlungen bis 21.30 h dauerte, ist 22 h eine realistische Anfangszeit für Soziales und Kulturelles. Das ist für viele Leute schon zu spät. Besonders für diejenigen, deren Muttersprache nicht Englisch war, war das Zuhören sehr ermüdend. Eine exzellente regionale Schauspielproduktion (The Day the Music Died von einer Schauspielgruppe aus Finglas) bot einen erstaunlich menschlichen, und manchmal humorvollen Blick auf ein folgenreiches Ereignis in den Unruhen in Nordirland, ohne von dem Ernst des Themas abzulenken. Sowohl das Stück als auch das Bühnenbild waren sehr beeindruckend. Mary Begley und Freunde waren auf eine andere Art auch sehr beeindruckend. Sie veranstalteten an mehreren Abenden Sessions mit traditioneller Musik (viele Teilnehmer trugen Lieder vor).
Mein Beitrag war Musik zu einem von mir produzierten und an alle verteilten Skript - musikalische Betrachtungen der irischen Geschichte und Kultur. In 22 oder 23 Stücken sollten in ein paar Stunden verschiedene Aspekte der irischen Geschichte und Kultur durchlaufen und eine Reihe irischer Musiker, Sänger und Gruppen vorgestellt werden, mit anderen Worten eine schnelle Einführung. Das editierte Skript wird auf die INNATE Website gestellt (siehe unter "Other Resources" auf der Homepage). Es waren 2 ½ Tausend Jahre irischer Geschichte und Kultur in 2 ½ Stunden.
Die Abschlußfeier konnte erst nach 22 h beginnen. Ich schlage vor, in Zukunft das "geschäftliche" Programm um 18 h zu beenden, damit die Leute danach noch ein bißchen Spaß haben können. Der irische Musiker, Tommy Sands, war großartig. Aber es war für manche Leute zu spät, um sich die Extempore-Aufführungen anzusehen oder mitzumachen. Auf eine solche Teilnahme hatten wir gehofft. Aber das alles hielt eingefleischte Nachteulen nicht davon ab, eine Trommelsession zu veranstalten, die bis beinahe 3 h morgens dauerte. - Ich war angenehm überrascht, daß die Sicherheitsleute von DCU das solange zuließen. Wir sind sicher mit einem Paukenschlag abgegangen.
Das Treffen mit alten Freunden und das Finden neuer Freunde ist ein wesentlicher Teil solcher Zusammekünfte, sowie das damit einhergehende Geschichtenerzählen. Wie konnte man sich nicht amüsieren, als Gernot Lennert "bewies", daß Irland eigentlich türkisch ist? Wer konnte sich dem Lachen über die Grotesken verschiedener Aufführungen - ob absichtlich humorvoll oder nicht - entziehen?
An dem freien Nachmittag gab es einen "Marktplatz", wo Ortsansässige verschiedene Ausflüge in die unterschiedlichen Richtungen um Dublin herum für die internationalen Teilnehmer anboten. Ich führte eine Gruppe von 20 oder mehr Personen durch das Zentrum von Dublin und erzählte ihnen die sozio-politischen Dinge sowie persönliche Anekdoten. (Allerdings vergaß ich ihnen davon zu erzählen, als das Auto, in dem wir saßen, vor dem Hauptpostamt "geschnappt" wurde - ein Auto der Spezialeinsatztruppe vor uns, eines hinter uns - nur weil wir gefährliche Abrüstungsgegner in einem "neutralen" Staat! waren.)
Ein entsprechendes Programm ermöglichte es den Teilnehmern der Dreijahreskonferenz, ein paar Tage bei irischen Gastgebern zu wohnen. Viele Leute wurden während der Dreijahreskonferenz oder danach entweder inoffiziell oder durch die WRI-Strukturen mit Unterkunft versorgt. Und trotz der verhältnismäßig kleinen Zahl der im voraus organisierten Aufenthalte in Gastfamilien halte ich es für wichtig, diese Möglichkeit anzubieten - sowohl für diejenigen, die sowas wollten sowie für diejenigen, die sonst niemanden getroffen hätten, der ihnen Unterkunft anbietet. Die Gelegenheit, bei Gastgebern zu wohnen, war ein wichtiger Bestandteil des Aufenthalts in Irland. Das möchte ich eigentlich auch bei zukünftigen Dreijahreskonferenzen sehen. Am Montag nach Ende der Dreijahreskonferenz hatten wir ein kleines aber nützliches Seminar in Belfast mit Teilnehmern aus vier Kontinenten.
Kleine Gruppen internationaler Teilnehmer reisten während der Konferenz, um örtliche Aktivisten zu besuchen oder an örtlichen Friedensveranstaltungen, z.B. am Hiroshima-Tag, teilzunehmen.
Geschäftstreffen waren das A und O der Dreijahreskonferenz. Eine der diskutierten Fragen war, ob das nächste Ratstreffen (jährliches Treffen) in Kolumbien stattfinden sollte oder ob es eine separate Konferenz sein sollte. Die Frage war eher, wie man mit der kolumbianischen Situation und den kolumbianischen Aktivisten umgehen, als ob das Treffen dort stattfinden soll (es wurde entschieden, das Ratstreffen 2003 dort stattfinden zu lassen). Eine weitere geschäftliche Angelegenheit forderte zum Engagement für den Jahrestag der Angriffe auf die USA, den 11. September, auf. Es kamen weniger Leute als erwartet, insgesamt ein paar Hundert. Hinsichtlich des Inhalts könnte man zu dem Schluß kommen, daß es zu viele Geschichten und zu wenige Strategien gab. Während die Teilnahme aus Irland geringer als von mir gewünscht war, hatte ich den Eindruck, daß diejenigen, die gekommen sind und sich engagiert haben, sehr viel davon hatten. Ich hoffe, daß INNATE in der Lage sein wird, mit den meisten dieser Leute Kontakt zu halten.
Wir wissen, daß Leute kommen wollten (d. h. Leute, zu denen wir Verbindung hatten), die kein Visum bekamen, z. B. Leute aus Kinshasa und Kongo. Die Vorschrift des Außenministeriums, daß Leute vorher schon einmal ins Ausland gereist (und wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt) sein müssen, bevor sie ein Visum für Irland bekommen können, ist beleidigend und unlogisch - aber wir wußten auch, daß ein paar Leute sich nur anmelden wollten, um ins Land zu kommen. Wenn das Außenministerium die Verbindung der Antragsteller zu den entsprechenden Organisationen oder das Engagement auf dem gleichen Gebiet als Kriterium genommen hätte, hätten ihre Begründungen auf einem solideren Fundament gestanden.
Viele, viele großartige Leute waren dabei. Ich schließe in diesen Kreis die "Arbeiter" des Voluntary Service International (SCI) mit ein, die beeindruckend waren und eine ausgezeichnete Arbeit leisteten; ohne sie hätte die Logistik nicht funktioniert. Das gleiche gilt für die Übersetzer, die in dem Babel die Kommunikation ermöglichten. Das Tagesblatt brachte immer die neuesten Nachrichten über die Ereignisse des jeweiligen Tages. Normale Aktivisten und Einzelpersonen aus der ganzen Welt gaben oft gute Anregungen. Das WRI-Personal blieb während der ganzen Konferenz erstaunlich gelassen. Und nach allem, was gesagt und getan wurde, fühle ich mich doch sehr priviligiert, daß die Dreijahreskonferenz in Irland stattfand und ich an einer solch großartigen Veranstaltung teilhaben durfte.
Gesprächsleiterin: Florencia E. Mallon, University of Wisconsin-Madison
Unsere erste Plenarversammlung hatte drei Sprecher: Florence Mallon, die für Elham Bayour einsprang (er konnte wegen einer Familienkrise nicht kommen); Michael Randle, Pionier der Bewegung "Direkte gewaltfreie Aktionen" in Großbritannien und Friedensforscher und -aktivist; und Koussetogue Koudé, ein in Frankreich lebender Menschenrechtsaktivist aus dem Tschad. Unser Hauptziel in dieser Plenarversammlung war es, eine Diskussion darüber zu eröffnen, wie die Geschichten und Erinnerungen von Widerstand und Aktionen - die von früheren Generationen erzählt werden - den heutigen Aktivisten bei der Formulierung von besser fokusierter und umfassender Aktionsstrategien helfen können. Jeder Sprecher analysierte spezifische Geschichten von Verlust, Unterdrückung und Widerstand, damit wir für die Zukunft daraus lernen können.
Die erste Geschichte der Plenarversammlung war ein von Tony Kempster vorgetragenes Lied, das von einem Dialog zwischen einem palästinensischen und einem israelischen Jungen handelt. Ein Junge fragt den anderen während des ganzen Liedes "Was würdest Du tun, wenn wir uns unter Kriegsbedingungen träfen?" Die erste Antwort des anderen Jungen: "Ich würde Dich erschießen!" Seine nächste Antwort: "Ich würde Dich verstecken und freilassen!" Und die letzte Antwort wäre: "Ich würde meine Waffen weglegen, Dich in die Arme nehmen und weinen."
Florencia begann ihre Präsentation mit der Geschichte von Sitti, der Großmutter von Elham Bayour. Sitti wurde 1948 aus ihrem Heimatdorf in Palästina vertrieben. Bis zu ihrem Tode trug sie einen Schlüssel ihres Elternhauses bei sich. Dieses Bild einer alten Frau, die die Erinnerung an vergangene Usurpation durch ein konkretes symbolisches Objekt, einen Schlüssel, aufrechterhielt und diesen benutzte, um an die nächste Generation den Wunsch nach Wiedergutmachung weiterzugeben, erinnerte Florencia an ein Bild, das sie während ihrer Arbeit mit den Mapuche-Eingeborenen in der Gemeinde Nicolas Ailío im Süden Chiles entdeckte. Einer der Alten dieser Gemeinschaft hatte die Erinnerung daran, daß seine Eltern durch einen Mißbrauch treibenden Landbesitzer von dem Gemeindeland vertrieben, ihr Haus und ihre Besitztümer verbrannt wurden, bewahrt und diesen Verlust an die nächste Generation weitergegeben, um die laufenden Kämpfe um Wiedergutmachung zu unterstützen. Die Gemeinde Ailío konnte das ursprüngliche Land nicht wiedergewinnen, und es mußten vierzig Jahre des Kampfes, der Unterdrückung und der intensiven internen Diskussionen vergehen, bevor ein paar der Gemeindemitglieder mit ihrer Petition um neues Land an die Regierung Erfolg hatten. Was würde mit den Schlüsseln passieren, die viele ältere Palästinenser seit über einem halben Jahrhundert mit sich rumtragen, wenn (ähnlich wie bei dem Ailío-Land) viele Häuser - zu denen diese Schlüssel passen - plötzlich für ihre Eigentümer nicht mehr zugänglich wären? Florencia schloß damit, daß es wichtig ist, diese Erzählungen und Geschichten zu honorieren, zu erhalten und sich an sie zu erinnern, aber auch gleichzeitig eine neue politische Strategie zu suchen, um das Ziel von Gerechtigkeit und Wiedergutmachung greifbarer zu machen. Um zu dem Bild des Schlüssels zurückzukommen, wir müssen diesen in uns tragen stellvertretend für Erinnerungen, Wünsche und Rechte. Aber oft müssen wir ihn auch nutzen, um neue Türen zu öffnen.
Michael Randle erzählte uns über seine Erfahrungen in der in den Fünfzigern und Sechzigern des letzten Jahrhunderts aufkommenden Antiatom-Bewegung. Die Bewegung konnte zwar nicht alle ihre Ziele erreichen, aber sie hinterließ doch einige Dinge - so Michael - einschließlich der Entwicklung des Symbols der internationalen Friedensbewegung, der Verbindung mit den Antiatom-Bewegungen in Afrika und des Einflusses auf Antikriegsbewegungen in der ganzen Welt zwischen 1960 und 1980. Zusätzlich argumentierte er, daß - obwohl keine Abrüstung per se erzielt wurde, die Bewegung eine wichtige Unterstützung bei der Durchsetzung einer Reihe von internationalen Friedensabkommen war, durch die zumindest teilweise die Atomversuche und die Ausbreitung der Atomkraft eingeschränkt wurden. Auch wenn eine Bewegung nicht alle ihre Ziele erreicht, bleibt etwas für die Zukunft, nämlich die nicht beabsichtigten Erfolge, die auf dem Weg erzielt wurden. Abschließend betonte Michael, daß es notwendig sei, die Auswirkungen, die die Lehren von einem gerechten Krieg für die Friedensaktivisten haben könnten, sorgfältig zu überdenken.
Koussetogue Koudé begann mit einer Geschichte. Während seiner Teilnahme an einer Gesprächsrunde über das Einbeziehen der Jugend ins politische Leben des Tschad teilte er das Podium mit Brahim, einem gut angezogenen und hoch gebildeten Mann, der für die jüngere Generation des Tschads sprach, die zunehmend zu der Kommerzialisierung der Gewalt als einziger Weg zu finanzieller Sicherheit tendiert. Diese jungen Leute, die man COLOMBIENS nennt, sind ein lebendes Symbol nicht eingehaltener Versprechen in der Gesellschaft im Tschad, denen man sich stellen muß, wenn man jemals die Hinterlassenschaft der Diktatur erfolgreich verarbeiten will. Koudé hob ein paar Schritte hervor, die es der jetzigen Regierung im Tschad erlauben würden, mit der Lösung der von der Diktatur hinterlassenen Probleme zu beginnen. Diese Schritte beinhalten unter anderem das Abschaffen der DIYA, dem traditionellen Blutpreis für Verbrechen, die den Staat davon abhält, die Verantwortung für Gewaltverbrechen zu übernehmen; sowie die Beendigung der Immunität der Regierung für die Teilnahme an Menschenrechtsverletzungen. Diese Immunität ermutigt nur zu fortgesetztem Mißbrauch, weil sie erkennen läßt, daß manche Leute über dem Gesetz stehen. Durch eine Reform der Gerichtsbarkeit, der Einführung einer Wahrheitskommission, Bildung der Bevölkerung und internationale Solidarität - schlußfolgerte Koudé - könnte der Tschad sich auf den Weg machen, den Kreis von Gewalt und Unterdrückung aus der letzten Diktatur zu durchbrechen.
Zwei allgemeine Punkte wurden zur Diskussion gestellt: 1) die Rolle des Erzählens von Erinnerungen, Erfahrungen und Identitäten aus der Vergangenheit als Hilfe für uns, um alternative, realistische Strategien und Formen des Aktivismus hier und heute aufzubauen, in der Hoffnung, damit eine alternative Zukunft zu gestalten. Florencia forderte die Zuhörer auf, darüber nachzudenken, wie diese aus dieser Plenarversammlung resultierenden Strategien und Formen des Aktivismus als Ausgangspunkt für das Überdenken der vorhandenen Strategien verwendet werden können. 2) daß wir - wenn wir die Geschichten und Bilder von Palästina, Tschad, den Mapuche in Chile und der Antiatom-Bewegung in Großbritannien zusammenbringen - auch die unterschiedlichen Kontexte beachten müssen, in denen diese Geschichten und Erinnerungen entstehen und bestehen, im Norden und Süden und da wieder in unterschiedlichen Orten. Michael Randles Geschichte handelt von jemandem, der eine persönliche Entscheidung trifft, eine Option, die andere seiner Generation ebenfalls gewählt haben, um Nein zu der von seinem eigenen Land und dessen Verbündeten gegen andere Teile der Welt losgelassenen entsetzlichen Zerstörungskraft. Elham, Koudé und Florencia erzählten Geschichten über Strategien für das Überleben der bereits den Leuten der betroffenen Gesellschaften angetanen Gewalt.
In einer kurzen Diskussion wurden mehrere wichtige Fragen aufgeworfen, aber nicht angemessen behandelt. Eine davon bezog sich auf die generationsweise Teilung unter den Aktivisten: waren die älteren Leute schon immer konservativer oder an ältere Methoden gebunden? Eine weiter Frage war, ob es nicht besser wäre, die Vergangenheit ruhen zu lassen und nach vorne zu sehen. Eine dritte Frage war, ob "mündlich übertragene Geschichte" und die daraus entstandenen Erzählungen nur ein Phänomen des Südens ist oder ob das für den Norden auch von Bedeutung ist. Abschließend wurde die Frage aufgeworfen, wer heute mit dem Geschichtenerzählen beauftragt ist. Haben die Medien dafür die Verantwortung? Wer hört sich diese Geschichten an?
Daß es uns nicht möglich war, diese und andere Probleme ausführlicher anzusprechen, könnte eventuell einen Einfluß darauf gehabt haben, wie wir in den nachfolgenden Plenarversammlungen Geschichten und Strategien zu integrieren versuchten. Während des Rests der Dreijahreskonferenz bestand die Tendenz, Geschichten aus den Strategien herauszuhalten. Bei den Geschichten ging es um Erfahrungen, bei den Strategien um Politik. Die meisten Geschichten scheinen aus dem Süden zu kommen; für einige Leute schienen die Strategien im Norden ausgearbeitet worden zu sein. Deshalb blieb die Herausforderung, mit der wir in die erste Plenarversammlung gingen, nämlich die Antwort auf die Frage: "Welche Rolle spielen Geschichten in unseren Strategien?" bis zum Ende der Dreijahreskonferenz aktuell. Vielleicht sollte das immer so sein, da das ständige Neuinterpretieren der Vergangenheit ein wichtiger Teil für das Formulieren besserer Wege in die Zukunft ist. Eines können wir vielleicht mit einiger Sicherheit sagen: Wir gehen auf unsere eigene Gefahr weiter, wenn wir nicht in der Lage sind, die Erinnerungen, Erfahrungen und Identitäten angemessen zu verarbeiten, die ein Teil der Hinterlassenschaft früherer Generationen sind.
Gesprächsleitung: Rob Fairmichael, INNATE
Der Bürgerzwist, der Nordirland 30 Jahre lang plagte, endete offiziell 1998, als alle betroffenen Gruppen - Katholiken/Nationalisten /Republikaner, Protestanten/Unionisten/Loyalisten und die Regierungen Irlands und Großbritanniens das Karfreitag-Abkommen unterzeichneten. Ian White, Leiter des Glencree-Zentrums für Wiederversöhnung, der selbst ein moderater Protestant/Unionist ist und mit seiner katholischen Frau vor der zunehmenden Belästigung in Belfast floh, wies jedoch darauf hin, daß die Beziehungen zwischen den Gruppen in Nordirland immer noch sehr schwach sind, und der Friede zwischen den betroffenen Leuten erst aufgebaut werden muß.
Die Geschichte des Glencree-Zentrums zeigt ein paar Wege hin zum Aufbau von Beziehungen nach der Gewalt und Bewältigung mancher Probleme, denen wir gegenüberstehen. Glencree in der Republik Irland versucht mit verschiedenen von ihnen entwickelten Programmen, Mängel und Lücken im Friedensschaffungsprozeß in Nordirland auszugleichen und die Arbeit von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen und -gruppen auf diesem Gebiet zu ergänzen und zu unterstützen. Das Zentrum bietet einen "sicheren Raum", Einrichtungen, geschultes Personals und Freiwillige für jede Gruppe oder jede Einzelperson, die auf einen andauernden Frieden im Norden hinarbeiten will. Das Zentrum wird von britischen, irischen und europäischen Regierungsorganisationen und aus privaten Quellen finanziert, obgleich das Mitteleinwerben sehr viel der wertvollen Zeit in Anspruch nimmt. Um seine Workshops und Projekte durchführen zu können, hat das Glencree-Zentrum drei Werte entwickelt: (1) Einschluß aller Personen; (2) kein Urteil über irgendeine Person, obgleich das manchmal ziemlich schwierig ist und (3) keine Sündenböcke. Die Programme im Glencree-Zentrum sind für unterschiedliche Zielgruppen gedacht: örtliche politische Workshops bringen politische Führer, Aktivisten und - oft zögerlich - Mitglieder der Sicherheitskräfte aus allen Teilen der britischen Inseln zusammen zu einem Wochenende strukturierter Diskussionen und zwangloser Gespräche ("Geschichtenerzählen"). Ca. 200 Personen nahmen in einem Jahr an rund 8 Workshops teil. Das führt oft zu fruchtbarem Vernetzen zwischen Teilnehmern und zu der Erkenntnis, daß man mit dem "Feind" sprechen kann, ohne seine Identität opfern zu müssen. Glencree bietet Trainingsprogramme für Verhandlungen, Mediationen und andere alternative Lösungspraktiken an. Das Zentrum versucht auch, Führer und Mitglieder der Hauptkirchen - die man oft beschuldigte, entweder den Konflikt im Norden zu schüren oder den Kopf in den Sand zu stecken - in grenz- und gruppenübergreifenden Workshops zu engagieren. Es ist besonders wichtig, daß die Teilnehmer an diesen Workshops lernen zu akzeptieren, daß es zwei Wahrheiten geben kann: "Wenn eine richtig ist, heißt das nicht, daß die andere falsch ist."
Jacinta de Paor stellte ein Opfer-/Überlebenden-Projekt L.I.V.E. (Let's Involve the Victims Experience - kümmern wir uns um die Erfahrungen der Opfer) anhand von zwei Filmen vor: einer war über Jugendliche aus Nordbelfast, einer der schlimmsten Konfliktzonen, die an einem Wochenendprojekt teilnahmen; der andere zeigte das erste Treffen im Jahre 2000 zwischen Pat Magee, einem früheren IRA-Mitglied, der an der Ausführung des Bombenanschlags auf das Brighton-Hotel im Jahre 1984 beteiligt war, und der Tochter eines der Opfer dieses Bombenanschlags. L.I.V.E. begann sehr klein, aber hat jetzt jährlich 10 Wochenendseminare (jeweils 25 Leute). Opfer/Überlebende aus allen Teilen der britischen Inseln, dem britischen Mutterland, Nordirland und der Republik Irland nahmen teil. Treffen beginnen normalerweise freitags mit einer vertrauensbildenden Vorstellung und gehen am Samstag mit Training (z.B. hinsichtlich der Medien oder der Verfassung) weiter und, wenn es angebracht ist und von allen akzeptiert wird, einem Treffen zwischen Opfern und Exkämpfern - letzteres ist oft sehr schwierig. Spaß, Kunst und Musik sind wichtige Aspekte der Arbeit, und zwar an sich schon und auch als Erleichterung des verbalen Austausches. Am wichtigsten dabei ist, daß jeder über sein Leiden spricht, es zu akzeptieren versucht und den anderen zuhört. Um zu vermeiden, daß Leute nicht zuhören, muß jeder, der eine Frage stellen möchte, aufstehen und sich auf einen bestimmten Stuhl setzen. Diese Art der Strategie könnte man zusammenfassend "Erzähle Deine Geschichte und heile damit die Erinnerung" nennen. Obgleich diese Art der Heilung die Einzelperson betrifft, beinflußt sie auch die Gruppen als Ganzes, da die erzählten Geschichten sowohl von den Gruppen als auch von den Einzelpersonen handeln. Die Verbundenheit mit und den Bezug zu dem Leben der Teilnehmer - in der Vergangenheit und in der Gegenwart - werden immer ganz deutlich. Die Ziele von L.I.V.E. sind die Unterstützung der Opfer, während sie ihre Vergangenheit aufarbeiten, indem sie vergangene Verletzungen und Fehler bestätigen, lernen, nicht zu hassen und Beziehungen und Brücken aufzubauen. Es wird jedoch niemand gebeten, zu verzeihen. Diese Option muß jede Person für sich selbst wählen. Es wurde auch über die Frage gesprochen, wann Gerechtigkeit in diesen Prozeß einfließen würde. Aber Ian meinte, daß die Gerechtigkeit mit den von den Opfern gestellten Fragen und den durch die Ex-Kämpfer gegebenen Antworten kommen würde. Im Laufe der Workshops kann jede Frage gestellt werden, obgleich das für die Opfer oft sehr schwer ist. Alle erzählten Geschichten sind gleich wichtig und willkommen. Es überrascht nicht, daß die Teilnehmer an den L.I.V.E.-Workshops oft unterschiedlicher Meinung sind, aber es ist nie zu Gewaltausbrüchen gekommen. Oft wird überdeutlich, daß die Identifizierung einer Person entweder nur als Opfer oder nur als Aggressor sehr komplex ist und auf Grenzen stößt.
Gesprächsleitung:Joanne Sheehan, War Resisters' International
Die globale Gewalt durch Krieg und Miltarismus ist ganz eng mit der Gewalt verbunden, die die Leute in ihrem alltäglichen persönlichen Leben erfahren. Gewalt wird zu etwas Normalem, da die Medien uns ständig Informationen über Verbrechen und Greueltaten, die auf der ganzen Welt passieren, liefern. Das Ergebnis: eine "Mitgefühls-Müdigkeit", als relativ neues Phänomen in den westlichen Gesellschaften. Joanne Sheehan wies jedoch darauf hin, daß das Erzählen persönlicher Geschichten das Grauen wirklicher werden läßt und die Leute wieder sensibilisiert. Um diesen Gedanken zu verstärken, bildeten drei Leute aus unterschiedlichen Teilen der Welt das Forum und erzählten den Zuhörern ihre Geschichten.
Hasina Khan, eine Muslimin und Frauenaktivistin aus Aawaz-E-Niswan in Indien sprach über die Auswirkung der Gewalt auf kommunaler Ebene zwischen indischen Hindus und Muslimen auf Einzelpersonen, Familien und Kinder. Sie beschrieb insbesondere ein geplantes und vom Staat gesponsertes Massaker, ausgeführt von den Unterstützern der radikalen Hindu Sangh Parivar im indischen Staat Gujurat am 28. Februar 2002. Dieses Massaker war einmalig in seinen Ausmaßen hinsichtlich Völkermord, Grad der Beteiligung vonseiten des Staates und Greueltaten. Sie unterstrich ihre Geschichte durch Poster und Dias. Das Massaker hinterließ in den Muslimen, besonders den Kindern, ein Gefühl des Betrogenwordenseins vonseiten der Hindus. Hasina Khan schreibt das Massker den Aktivitäten der radikalen Hindu Sangh Parivar zu, deren wachsender Einfluß auf die indische Gesellschaft und die Staatsstrukturen, einschließlich Polizeit und nationaler Regierung, sowie der Indoktrination von Hindu-Kindern mit einer verzerrten, manchmal sogar perversen "Hindu"-Ideologie - was an sich auch eine Form von Gewalt ist.
Im zweiten Teil ihres Vortrags versuchte Hasina Khan, gewaltfreie Lösungen für diese übermäßige kommunale Gewalt zu untersuchen. Sie sprach sich gegen Formen des gewaltfreien Widerstands, wie er durch Gandhi in den Zwanzigern und Dreißigern des letzten Jahrhunderts praktiziert wurde, aus. Sie verwies eher auf Protestversammlungen, Filmvorführungen, Posterausstellungen und Unterschriftskampagnen, um das Gewissen der "schweigenden Mehrheit" zu wecken und diese an dem Bemühungen zu beteiligen, Druck auf die Regierung auszuüben, damit sie gegen die Aggressoren etwas unternimmt. Sie betonte, daß die Aggressoren bestraft werden sollten und den Opfern Gerechtigkeit zuteil werden müßte - sonst wird es zu Vergeltungsschlägen kommen. So ist das Hauptziel, die Gruppen zusammenzubringen und das Bewußtsein der (potentiellen) Aggressoren zu verändern. Das "Khoji"-Projekt an den Gemeindeschulen in Mumbai geht zum Beispiel erfolgreich gegen die verwurzelten Klischees über Hindus an, die muslimische Kinder gerade nach dem 28. Februar haben. Ähliche Projekte laufen jetzt an den Schulen, in denen Hindus in der Mehrzahl sind.
Neles Tabay ist ein katholischer Priester aus West-Papua, einem von Indonesien besetzten Gebiet im Pazifik. Seit 1963 sind die Papuaner Folter, Vergewaltigung, Einschüchterung und anderen Formen der Menschenrechtsverletzung ausgesetzt. Zwischen 1963 und 1988 wurden mindestens 100.000 Papuaner getötet, oft während militärischer Einsätze der indonesischen Armee. Westpapua wurde zur militärischen Einsatzzone (DOM) erklärt, und jeder Papuaner steht im Verdacht, ein Mitglied oder ein Förderer der Papuanischen Befreiungsorganisation (Organisasi Papua Merdeka) zu sein. Neles Tabay erinnerte sich daran, wie er als Kind lernte, die indonesische Armee zu fürchten und wie der Konflikt Hass und Gewalt zwischen den Papuanern und zwischen den papuanischen Dörfern hervorbrachte. Heutzutage ist den Papuanern bewußt geworden, daß sie unterdrückt, manipuliert, eingeschüchert werden und Opfer von Ungerechtigkeiten sind.
Neles Tebay sieht zwei tiefgehende Gründe für den Konflikt in Westpapua: (1) den Militarismus, der eine Gewaltkultur erzeugt, d.h. Gewalt wird als Lösung angesehen; und (2) die Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts für die Papuaner. Die Papuaner haben verschiedene gewaltfreie Strategien angenommen, um diese Gründe zu beseitigen: Erstens, die Papuaner kämpfen für Demilitarisierung, indem sie die Menschenrechtsverletzungen in der Vergangenheit dokumentieren, Gerechtigkeit (durch UN-Untersuchungen) fordern und die indonesische Regierung drängen, ihre Truppen abzuziehen und kein Militär nach Art Ost-Timors aufzubauen. Zweitens, die Papuaner sind für ernsthaften Dialog und Mediation durch internationale und anerkannte Institutionen als Weg in die Zukunft. Drittens, West-Papua wurde zur Friedenszone erklärt. Viertens, wachsende Kooperation zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften hat den Kampf um Gerechtigkeit, Frieden und Menschenwürde verstärkt. Fünftens, der Stammesführerrat, die Studentenvereinigung und die Frauenvereinigung müssen ermächtigt werden. Sechstens, es ist notwendig, die tiefgehenden Gründe aufzudecken, die Menschenrechte unter den Papuanern zu fördern und Informationen über die Menschenrechtsverletzungen weltweit bekanntzumachen. Als letzter Punkt: die Papuaner brauchen die Hilfe vom Rest der Welt. Diese sollte eine Überprüfung der UN-Politik zum Recht auf Selbstbestimmung unterstützen und den Fall West-Papua auf der ganzen Welt zur Sprache bringen.
Als letzte erzählte Victoria Cáceres auf dieser Plenarversammlung die Geschichte ihrer Familie, die nach dem Militärputsch, der Augusto Pinochet 1973 an die Macht brachte, Chile verlassen hat. 1970 wurde die sozialistische Regierung des Salvador Allende mit einer klaren Mehrheit gewählt. Das Land war jedoch tief gespalten zwischen rechts, Mitte und links. Die Reformen der neuen Regierung - besonders die Privatisierung und die Agrarreform haben die Rechten aufgebracht, die mit der Armee in einer Einschüchterungskampagne zusammenarbeitete und die Arbeiter zum Streik aufwiegelte. Schließlich wurde die Allende-Regierung in einem von der CIA unterstützten Staatsstreich gestürzt. Der Staatsstreich war eine Tragödie für Chile und führte zu weitverbreiteter Folter, Verschwinden von Personen, Gefängnis und vor allem Exil. Die neue Wirtschaftspolitik des Pinochet-Regimes (auf der Basis der Theorien der Chicagoer Wirtschaftsschule) begünstigte die Reichen und war eine Last für die normalen Bürger. Victoria Cáceres ging schließlich ins Exil und zog nach Venezuela. Die Lebensbedingungen waren dort für sie und ihre Familie ganz gut. Mit der finanziellen Unterstützung verschiedener europäischer Organisationen gründeten sie und andere Exilanten FEDEFAM (Vereinigung festgenommener und verschwundener Familien), die versuchte, die Leute mehr auf das Schicksal der Festgenommenen und Verschwundenen aufmerksam zu machen. 1988 kam ein Referendum gegen Pinochets Diktatur und im Laufe der wachsenden Demokratisierung kehrte Victoria Cáceres nach Chile zurück.
Diese drei Geschichten erzeugten bei den Zuhörern zwei wichtige Reaktionen: Eine wurde von Koussetogue Koudé aus dem Tschad zum Ausdruck gebracht "Wie können wir soviel Schlechtes/Böses verstehen?" Er beantwortete seine Frage selbst, indem er sagte, daß der erste Schritt, den wir als Menschen hin zum Bösen tun, der schwierigste ist - was dann folgt, wird immer leichter. Wir müssen deshalb wachsam bleiben, damit wir ganz sicher nicht den ersten Schritt machen. Mehrere Sprecher betonten einen anderen Punkt: die Bedeutung des Einflusses von außen auf Konflikte, wie den in West-Papua oder Chile. Die US-Regierung und ihre westlichen Verbündeten haben diese Konflikte angefacht und unterstützt und ihre weltweite wirtschaftliche und politische Macht mit der "Globalisierung von Gewalt" erhalten. Außerdem haben so scheinbar harmlose Faktoren, wie Bildung, die Medien und sogar, was normale Leute in reichen Ländern essen, die Aufrechterhaltung der Konflikte beachtlich unterstützt. Diese Gefahren wurden seit dem 11. 9. akuter als zuvor. Jeder stimmte zu, daß Einzel- und Kollektivaktionen notwendig sind, um dagegen anzugehen.
Gesprächsleitung: Andreas Speck, War Resisters' International
Nach dem terroristischen Anschlag auf das World Trade Center, dem Symbol der Weltwirtschaftsmacht, und das Pentagon, dem Symbol der US-Militärmacht, am 11. September teilten die "dominierenden Mächte" die Welt in "gut" und "böse", in Freund und Feind. Dieses Denken dominiert nicht nur die Außenpolitik und den Grund für den sogenannten "Krieg gegen Terrorismus", sondern wirkt sich zunehmend auf die Innenpolitik der Staaten und Nationen aus. Diese Plenarversammlung zielte darauf ab, Strategien für Friedens- und antimilitaristische Aktivisten zu entwickeln, um die zivile Gesellschaft zu stärken, durch Überpüfung inwiefern die Auswirkungen des 11. September und des Militarismus die zivilen Freiheiten und den Aufbau eines zivilen Sektors beschränken.
Elke Steven vom Deutschen Kommitee für Grundrechte und Demokratie beschreibt, wie sich die Situation innerhalb des "Zentrums" (EU, USA) seit dem 11. September verändert hat: Unterdrückende Maßnahmen können leichter gerechtfertigt werden als "Antiterror-Maßnahmen", und die Verpflichtung, sich den "Guten" anzuschließen, führte zu einer Beschränkung der zivilen Freiheiten. Die meisten westlichen Staaten haben sogenannte "Sicherheitsgesetze" durchgebracht, die die Überwachung der Bürger und das Sammeln und den Austausch von Informationen über die Bürger zwischen den Staaten leichter machen. Die Zielgruppen dieser Gesetze sind oft Ausländer aus nichtwestlichen Staaten und Aktivisten der Antiglobalisierungs-Bewegung. In den Vereinigten Staaten (aber auch in Großbritannien) wurden eine große Zahl von Ausländern ohne Gerichtsverfahren ins Gefängnis gesteckt. Die EU hat ihre Grenzen dichter gemacht, vor allem gegen Asylsuchende. Somit wurden die einstigen Verteidiger der zivilen Freiheiten und Menschenrechte, d. h. die westlichen Staaten, zu denjenigen, die diese verletzen. Deshalb ist es wichtig, sowohl nationale als auch internationale Gruppen und Mehrheiten zu bilden, die die Regierungen hinsichtlich wahrer ziviler Freiheiten positiv beeinflussen können.
Judith Pasternak, eine Veteranin des antimilitärischen Aktivismus aus den Vereinigten Staaten, bemerkte zu der Rede von Elke Steven, daß der Kampf zwischen Demokratie (einem System von unten nach oben) und dem Militarismus (einem System von oben nach unten) in der US-Geschichte des 20. Jahrhunderts eine lange Tradition hat: Während die zivilen Freiheiten und die soziale Sicherheit bis in die Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts zunahmen, erlebte man in der darauffolgenden Zeit einen Rückgang der Demokratie, ein wachsendes Budget für das Militär, niedrigere Besteuerung der großen Firmen und schwindender Einfluß der Linken in den USA. In Seattle gewannen die Bewegungen für globale Gerechtigkeit/Anti-globalisierung und der Arbeiter wieder mehr Boden. Aber der 11. September gab George W. Bush und seinen Unterstützern aus der Großindustrie die Mittel in die Hand, diese Bewegungen zu zerstören. Deshalb wird ganz dringend eine bessere Organisation dieser Bewegungen gegen den "Patriot Act" und andere ähnliche Gesetze benötigt.
Oscar Huenchunao, ein CO-Aktivist aus Chile verwies auch auf das Paradoxon, daß im Namen ziviler Freiheiten genau diese beschnitten werden. Er erinnerte jedoch die Zuhörer daran, daß in vielen Ländern zivile Freiheiten auch heutzutage nur ein Traum sind. Seit dem Militärschlag Augusto Pinochets im Jahre 1973, durchlebte sein Heimatland Chile Zeiten der internen Militarisierung, die nach dem 11. September sogar noch primitiver wurde. Die Angst vor Repressionen ist manchmal so stark, daß die Aktivisten einfach nichts tun. Die Nulltoleranz-Maßnahmen, im Rahmen derer Studenten kürzlich während einer Demonstration festgenommen wurden, können leicht dazu beitragen, daß junge Leute sich in politische oder soziale Bewegungen - wie die Gruppe der Kriegsdienstverweigerer - gar nicht erst einmischen. Strategien müssen sich darauf konzentrieren, die Ängste (der jungen Leute) zu erkennen und sie zu vermindern.
Es überraschte niemanden, daß diese Plenarversammlung eine interessante Diskussion über die Auswirkungen des 11. September und die Strategien zur Verstärkung ziviler Freiheiten und ziviler Gesellschaften auslöste. Ekkehart Krippendorff, ein radikaler Akademiker, erachtete es als politisch nicht korrekt, hinsichtlich des 11. September über einen "terroristischen Anschlag" zu sprechen. Er argumentierte, daß wir noch nicht einmal wissen, was wirklich geschah. Er sieht das ganze eher als Machtkampf zwischen zwei gut organisierten Kräften - dem Bin-Laden-Clan, einem früheren Geschäftspartner von George W. Bush, und der Regierung der Vereinigten Staaten. Die Strategie, die die Antimilitaristen öfter anwenden sollten, ist, sicherzustellen, daß grundsätzliche zivile Freiheiten in den Verfassungen garantiert werden. Die Friedensbewegung ist tatsächliche eine Menschenrechtsbewegung. Der Krieg gegen den Terrorismus und seine Auswirkungen auf die zivilen Freiheiten sind ein Versuch, grundsätzliche Rechte und Aktivismus zu beseitigen. Andere betonten, daß zivile Freiheiten oft nur auf dem Papier existierten. Was passiert aber, wenn Leute nicht lesen können, z. B. in Südafrika, oder keinen Zugriff darauf haben wegen ihrer wirtschaftlichen Umstände? Deshalb muß Antimilitarismus auch den Kampf gegen multinationale Gesellschaften, Globalisierung und die Auswirkungen der strukturellen Gewalt beinhalten. Es ist außerdem notwendig, die Leute zu identifizieren, die von dem "Terrorismus" profitieren, z.B. Waffenhersteller und -verkäufer - so wie das einer der Zuhörer kommentierte. Was den "Krieg gegen den Terrorismus" und den drohenden Krieg gegen den Irak betrifft, drängten andere darauf, von der puristischen Haltung in der pazifistischen Bewegung abzurücken und weniger offensichtliche Verbündete zu suchen, wie Konservative oder Soldaten, die nur gegen bestimmte militärische Kampagnen sind. Ein paar der Teilnehmer bestanden darauf, daß der 11. September kein Neubeginn ist. Antimilitaristische Bewegungen sollten eher mit ihren Strategien weitermachen, einschließlich des Kampfes für (totale) Kriegsdienstverweigerung und gegen Wehrpflicht, und sich auf ihre eigene Stärke verlassen. Michael Randle forderte, daß Friedensaktivisten jeden terroristischen Akt (er definierte jegliche Gewalt gegen Zivilisten als solchen) verurteilen müssen. Er unterstrich die Wichtigkeit sowohl der kleinen pazifistischen Gruppen als auch der großen Bürgerbewegungen zur Verstärkung der antimilitaristischen Ziele. Abschließend wies Andreas Speck auf die Notwendigkeit hin, daß die antimilitaristischen Bewegungen einen gemeinsamen Nenner finden in der Unterstützung der Konstitutionalisierung und von Asylsuchenden, im Bewußtsein der sich schnell ändernden Gesetze, besonders der Menschenrechtsgesetzgebung.
Graswurzelaktivismus ist das Hauptanliegen der War Resisters' International. Deshalb wurde dieses Forum für den Abschlußabend der Konferenz geplant. Jeder Teilnehmer an diesem Forum mußte zuerst die Geschichte seiner Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit erzählen. Joanne Sheehan machte den Anfang und erzählte von der gewaltfreien Besetzung des Seabrook-Atomkraftwerkes in New Hampshire. Joanne war in den Vereinigten Staaten eine Trainerin für Gewaltfreiheit, Organisatorin und Teilnehmerin an dieser Kampagne. Joanne erzählte, daß (um eine große Zahl von Leuten, die sich der Gewaltfreiheit verpflichtet fühlten bis hin zu dem Entscheidungsfindungsprozeß) alle Teilnehmer Gewaltfreiheits-training machen, sich gewaltfreien Richtlinien verpflichten, Mitglied einer Gruppe (die Entscheidung durch Konsenz trifft) sein und sich der Solidarität verpflichten mußten. 2400 Leute besetzten das Gelände, 1415 wurden festgenommen und eingesperrt, während die Opposition gegen Atomkraft ein nicht mehr zu ignorierendes Thema wurde. Sie wurde zum Modell für gewaltfreie Graswurzelaktionen in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus.
Dr. Luis Nieves Falcon eröffnete seine Präsentation mit Geschichten führender Puertoricaner. Er erzählte von der Erniedrigung, die Alejandrina Torres in US-Gefängnissen erlitten hat. Sie war eine politische Gefangene, die der "staatsgefährdenden Verschwörung" angeklagt wurde, weil sie an einer Kampagne für eine Ende des US-Kolonialismus teilnahm. Sobald sie nach 20 Jahren Haft entlassen wurde, setzte Alejandrina ihre Arbeit für die Verbesserung ihrer Gemeinde und Völker fort.
Eduvina Vilches, eine 70 Jahre alte Popladora (Graswurzelfrau), die in einer der vielen Barrackensiedlungen am Außenrand Santiago de Chiles lebt, erzählte von dem andauernden Überlebenskampf der Armen gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Letztere zieht ein Mangel an Gelegenheiten, Verbrechen, Drogenabhängigkeit und viele andere Probleme nach sich, die die Gewaltspirale am Leben erhalten. Sie erzählte davon, wie sie in ihrem Leben ihre eigenen vielen Kinder und Kinder von ihren Verwandten und von anderen Leuten großzog, um sie von diesen Problemen fernzuhalten und ihnen eine Chance auf eine bessere Zukunft zu geben.
Die Teilnehmer sprachen dann über die Geschichten ihrer Bewegungen, die sie beeinflußt hatten.
Joanne sprach über Geschichten, die sie im Laufe der "Listening Project Community Surveys" gehört hatte. Zuhörprojekte sind ein gewaltfreier Weg, um Leute zu ermutigen, sich ein Thema besonders anzusehen und dadurch den Organisatoren Informationen zu liefern, auf denen sie zukünftige Strategien aufbauen können.
Luis Nieves Falcon sprach von Carlos Zenon, einem Fischer aus Vieques, der sein ganzes Leben als Erwachsener gewaltfrei für ein Ende der Militärbesetzung und der Bombardierung seiner Heimat gekämpft hat. Das kostete ihn seinen Lebensunterhalt, seine Gesundheit und die seiner Familienmitglieder und den Frieden.
Eduvina erzählte davon, wie sie während der Pinochet-Diktatur Musikern und Künstlern half, indem sie deren Kinder betreute, während diese auf Tournee gingen oder Aktionen veranstalteten. Sie tat das, um ihnen zu ermöglichen, das Bedürfnis nach Veränderung und Kultur zum Ausdruck zu bringen. Sie sagte, daß sie viele Jahre fast keine Möglichkeit hatten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und somit keine Chance, jemanden für die Kinder zu engagieren, während sie unterwegs waren. Sie betreute die Kinder, unterstützte ihre Aktionen und ermutigte sie gleichzeitig dazu, weiterzumachen. Sie sagte ihnen auch, daß sie nie die Chance hatte über die Grundschule hinaus zu lernen, weil sie so arm war, und daß sie Bücher gelesen hatte, die sie in den örtlichen Büchereien oder den Haushalten finden konnte, in denen sie als Mädchen arbeitete. Dadurch wollte sie ihnen zeigen, daß das Lebendighalten der Kultur ein Weg aus Armut, Ausgrenzung und Ignoranz ist. Es ist auch ein Weg, Verbrechen und Sucht zu verhindern.
Joanne sprach abschließend darüber, wie das Geschichtenerzählen unter Frauen funktioniert, wie es verwendet wurde, um über Grenzen und Zeit hinweg Beziehungen zu knüpfen. Joanne erzählte von 2 ½ Tagen, die sie mit einer Gruppe von 18 Frauen aus 13 Ländern verbrachte, um Erfahrungen in der Arbeit für Gerechtigkeit und Frieden auszutauschen. Bei ihrem Zusammentreffen vor dem Den Haager Friedensappell erzählte jede der Frauen eine Geschichte darüber, wie sie mit einer Konfliktsituation umgegangen ist. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit waren sie in der Lage, ein gemeinsames Verstehen von Krieg (den sie nicht nur als bewaffneten Konflikt definierten sondern auch als alltägliche Gewalt gegen Menschen) und Frieden (nicht nur Waffenstillstand sondern das Vorhandensein von Gerechtigkeit und Gleichheit) zu finden.
In seinen Überlegungen hinsichtlich des internationalen Einflusses auf die unterschiedlichen Graswurzelbewegungen in Puerto Rico nannte Dr. Nievel Falcon die "Plowshares"-Abrüstungsbewegung, die Zapatistas aus Mexiko und die WRI als Hauptquellen der Inspiration und Solidarität.
Eduvina sagte, daß Poeten, Musiker und Künstler im allgemeinen geholfen haben, in der ganzen Welt bekanntzumachen, was in Chile vor sich ging. Dadurch - und durch andere Aktionen - entstand die internationale Solidarität. Es half auch dabei, ein allgemeines Bewußtsein für alle stattfinde Willkür zu schaffen und die Kultur in Chile auf einem hohen Niveau zu halten.
Gesprächsleitung: Ellen Elster
In vielen Teilen der Welt sind die Verbindungen zwischen Wirtschaft und Militarisierung sowie zwischen der gemeinsamen Entwicklung von gewinnorientierten und militärischen internationalen Körperschaften und den internen sozialen und politischen Bedingungen in verschiedenen Ländern sichtbar.
Irlands Neutralität, die in ihrer Verfassung festgeschrieben ist, ist ein deutliches Beispiel dafür. Obwohl dadurch Irland nicht Mitglied der NATO wurde, schloß sich Irland 1999 dem "Partnerschaft für den Frieden"-Programm der NATO an, das Irland zur "Inter-Operability" verpflichtet und auch das "Bombardieren für den Frieden" einschließt. Weiterhin hat sich die Zusammenarbeit mit dem US-Militär nach dem 11. September verstärkt und beinhaltet auch die Benutzung des Shannon-Flughafens und des Luftraums. Im Jahre 2000 lehnte Irland den Vertrag von Nizza ab, der der EU formal die Kontrolle über die Militäreinheiten der Mitgliedsstaaten gibt. Die EU erkennt das Ergebnis des irischen Referendums jedoch nicht an.
In Afrika haben viele der "ethnischen und Stammeskriege" ihren Ursprung in wirtschaftlichen Problemen, die mit der Weltwirtschaft zusammenhängen. So leidet Angola, zum Beispiel, unter dem totalen Zusammenbruch der Gesellschaft als Ergebnis eines Krieges, der mit dem Export seiner Bodenschätze zusammenhing. Die kriegführenden Gruppen haben die Kontrolle über das Öl bzw. die Diamanten. Außerdem stehen die Gruppen mit internationalen Akteuren in Verbindung, die alle ihre eigenen wirtschaftlichen und politischen Interessen haben. In Angola spiegeln diese Verbindungen und Interessen immer noch den Kalten Krieg wieder. Die marxistische NPLA wird von Kuba und Rußland unterstützt, wogegen die kapitalistische UNITA von den westlichen Ländern unterstützt wird. Sogar die westlichen Ländern, die humanitäre Hilfe leisten, haben immer auch ihre eigenen Interessen im Auge, d. h. sie setzen sich dort fest und verbessern ihre Möglichkeiten, lukrative Verträge abzuschließen. Sowohl im Congo als auch im Sudan ist das Muster ähnlich, während Kamerun - obgleich die Bedingungen sehr ähnlich sind - Konflikte vermeiden konnte. Vielleicht war die Regierung stark genug. Im Kongo befinden sich auch viele Truppen aus den verschiedenen Nachbarländern, d. h. Namibia, Zimbabwe, Ruanda, Burundi und Angola. Alle wollen dort ihre eigenen Interessen vertreten. Die UN-Truppen aus Südafrika sind nicht gerade Friedenstruppen, sondern nur Beobachtungseinheiten, da es kein Friedensabkommen gibt. In Südafrika selbst führte das Handelsembargo während der Apartheid zur Entwicklung einer Militärwirtschaft mit fortschrittlichen Waffen, um die Apartheid zu verteidigen. Das Erbe ist eine Atomforschungsindustrie und eine Militärwirtschaft, die die neue Regierung nur zu bereitwillig übernommen hat.
Allgemeiner gesprochen: die Globalisierung von Handel und militärischen Konflikte hängen eng zusammen. Die Vereinigten Staaten schützen und verteidigen ihre wirtschaftlichen Interessen mit Unterstützung der Militärallianzen, wie die NATO, und andere Länder schließen sich an aus Angst, daß sie im internationalen Handel Verluste erleiden könnten. Außerdem sind Militärregierungen oft enger mit den transnationalen Firmen (TNCs) verbunden und werden deshalb von den westlichen Regierungen geschützt. Es ist für TNCs wahrscheinlich leichter, mit korrupten oder Militärregierungen zusammenzuarbeiten, da diese leichter zu bestechen und oft bereit sind, militärische Kräfte in Maßnahmen zu stecken, zugunsten der TNCs aber gegen die Leute.
Obgleich eine stabile Wirtschaft in vielen Fällen für TNCs profitabel ist, besonders wenn das Kapital in Produktionen investiert wird, für die erstklassige teure Technologien benötigt werden, gibt es Fälle, wo die TNCs direkt und indirekt die Konflikte unterstützen: so können z. B. Profite aus der Industrie zur Gewinnung von Naturprodukten, wie dem Bergbau, oft gesteigert werden, wenn Instabilität herrscht. In einigen Fällen fachte der Profit oder die Schulden, die aus den Strategien der TNCs resultierten, interne Konflikte an, z. B. auf den Philippinen oder in Indonesien. In den ehemaligen französischen Kolonien erleichterte die Kolonalisierung den Einfluß der TNCs in allen Facetten des Lebens der Bevölkerung. Ihr Einfluß ist schwer kontrollierbar durch nationale Gesetzgebung.
Die aktive Förderung von Krieg durch die TNCs oder militärische Allianzen ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Es ist eher die Bedrohung des Lebensunterhalts ganzer Stämme (oder gar größer Lebensgemeinschaften) als Konsequenz des gegenwärtigen globalen Wirtschaftsprozesses, die eine steigende Zahl innerstaatlicher Konflikte verursacht. Diese verstecken sich oft hinter "ethnischen oder religiösen" Kriegen und stellen die Mehrzahl der heutigen Kriege dar.
Globalisierung ist an sich nicht unbedingt schlecht. Sowohl negative als auch positive Aspekte können erkannt werden. TNCs werden kritisiert, weil ihre enorme wirtschaftliche Macht auch zu politischer Macht führt - was wiederum die Demokratie schwächt. Im Rahmen der Welthandelsorganisation unterzeichnen Länder internationale Vereinbaren, die jeden Aspekt des Handels kontrollieren, wodurch Regierungen die Kontrolle über grundlegende Funktionen verlieren. Deshalb können viele verschuldete Länder ihre Vesprechen hinsichtlich kostenloser sozialer Dienste nicht einhalten. Ihre Unfähigkeit zu investieren, erweitert auch die Schere in technologischer Hinsicht. Ausländische Investoren benötigen eine andere Art von Stabilität als Angestellte. Arbeitsrechte werden durch das Bestehen von Freihandelszonen untergraben. Zur Schuldenzahlung eingeführte Programme verändern auch noch die Infrastrukturen und zerstören Arten der Lebensführung. Kulturelle Verschiedenheit leidet unter der Dominanz der westlichen Lebensart und der englischen Sprache. Andererseits wurde die Globalisierung ein Forum für den Kampf um soziale Gerechtigkeit, da dadurch gemeinsame Probleme und politische Machtspiele zunehmend sichtbar und bewußt wurden. Außerdem kann Transparenz leichter erreicht und die Kommunikation verbessert werden. Zusammenfassend festgestellt kann die Globalisierung eine positive Kraft sein, aber nur, wenn soziale und Umweltziele im Vordergrund stehen und nicht der Profit einer Wirtschaftselite.
Friedens-/Antikriegsbewegungen und die neuen Sozial-/Antiglobalisierungbewegungen teilen das Konzept globaler Gerechtigkeit. Seit dem Wendepunkt in Seattle demonstrieren Gewerkschaften, neue Sozialisten und Friedensaktivisten gemeinsam. Während die Mitgliederzahl der "symptomatischen" Bewegungen (die sich mit Konflikten und Wiederversöhnung beschäftigen) langsamer steigt, zieht es junge Leute zunehmend zu "Kausal"-Bewegungen, d. h. Bewegungen, die sich mit den Gründen für die Ungerechtigkeit und die Konflikte beschäftigen. Organisationen, wie ATTAC, sind potentielle Verbündete von Friedens-/Antikriegsorganisationen. Beide sollten einen kooperativen Widerstand unter dem gemeinsamen Motto bilden, daß menschliche Werte und Umweltthemen wichtiger sind als Profit.
Diesbezüglich ist das World Social Forum (WSF) in Porto Allegre, Brasilien, von besonderem Interesse. Es wurde als eine Alternative zu dem World Economic Forum (WEF) in Davons eingerichtet und findet zur gleichen Zeit statt. Im Januar 2002 nahmen 60.000 Menschen aus zivilen Gesellschaften der ganzen Welt am WSF teil. Das eine große Zahl Gruppen ihre eigenen Interessen vertraten, war die Orientierung sehr schwierig. Aber sowohl örtliche als auch internationale Netzwerke wurden errichtet zum Korrespondieren und Koordinieren gemeinsamer Aktionen. Das WEF ist andererseits ein Nichtregierungsforum mit dem Ziel, Geschäftsleute und andere Gruppen, wie z. B. Politiker, Wissenschaftler, Aktivisten und religiöse Gruppen zusammen zu bringen. Die Weltmedien sind sehr gut repräsentiert. Deshalb könnte es nützlich sein, ein besser etabliertes Netzwerk zwischen dem WSF und dem WEF zu haben.
Differenzen zwischen der Afrikanischen Union und der Europäischen Union wurden auch besprochen, besonders hinsichtlich Struktur und Einfluß. Die AU ist eine "von oben nach unten" Organisation, die von einer Elite geschaffen wurde; die EU entwickelte sich langsam aus einer Union demokratischer Staaten. Der Fall Zimbabwe zeigt, daß die Kontrolle der AU über die Intervention afrikanischer Regierungen in den jeweils anderen Ländern nicht effektiv ist.
Die besondere Rolle der WRI in der Kampagne gegen die negativen Auswirkungen der Globalisierung kann unterschiedliche Formen annehmen:
Verbindung mit der globalen Bewegung durch Schreiben eines offiziellen Positionspapiers hinsichtlich Globalisierung und Militarisierung, gestützt auf Fallstudien örtlicher Auswirkungen der Globalisierung. Dieses Papier sollte durch einen von WRI-gesponserten Vertreter während eines Satellitentreffens des WSF übergeben werden.
Ungesetzlicherklären der Anwendung militärischer Kräfte - Konzentration auf Abschaffung der Wehrpflicht. Die wichtigste Sache dabei ist Bildung - besonders die Differenz bei der Bildung gegen Krieg - und Bildung für Frieden. WFI sollte diesen Unterschied aktiv definieren und implementieren.
Stopp des US-Kriegs gegen den Irak. Die Informationsverbreitung ist der wichtigste Faktor im Kampf gegen dieses Krieg.
Transparenz in den Waffenhandel bringen. WRI sollte Arbeiten anregen, um die Bemühungen zur Verstärkung und Verbindung des Waffenhandels zu zügeln; die Akzeptanz kritischer Richtlinien für Investitionen anzuregen und zu schaffen; die Anwendung eines internationalen Verhaltenscodes als Verteidigungsmechanismus anzuregen; öffentliche Kampagnen durch Ortsgruppen zu starten, darüber, wie Waffenproduktionen in deren eigener Region die Leben von Menschen in anderen Ländern beeinflussen; und Kampagnen zur Einhaltung des UN-Register für konventionelle Waffen.
Gesprächsleitung: Joanne Sheehan und Julia Kraft-Garcia
Die Teilnehmer an dieser Themengruppe waren aus Irland, Indien, Spanien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, der Türkei, Deutschland, Kolumbien, USA.
An jedem der drei ersten Tage gab es eine Übung, einen Beitrag von unseren eingeladenen ReferentInnen Ich finde keine schönes deutsches Wort für ,,Ressource people". G. B.und eine Diskussion um ein bestimmtes Thema.
Am 4. Tag suchten wir Muster und Strategien zur Stärkung gewaltfreier sozialer Ermächtigung und die Art, in der ein internationales Netzwerk das unterstützen kann.
Hilal Demir sprach über die militaristische Tradition der Türkei und die Werkzeuge der Gewaltsozialisation: Erziehung, Militarisierung, Gefängnis und Industrien.
Die Erziehung wurde als das wichtigste dieser Werkzeuge gesehen, da sie den Menschen beibringt, Autorität nicht infrage zu stellen. Es gibt andauernd Polizeikontrollen, was zur ,,Polizei in unseren Köpfen" führt - Schikanen können zu psychologischen Problemen führen. Hilal erzählte ihre Geschichte und wie sie Heilung erfuhr, als sie versuchte, die Polizisten als menschliche Wesen zu denken, nicht als Feinde. Der Druck, der auf denen lastet, die sich weigern, zum Militär zu gehen, umfasst die Unmöglichkeit, Arbeit zu finden und Schwierigkeiten zu heiraten. Um den Militärdienst zu vermeiden, mussten Schwule ein Foto vorzeigen, das ihr Schwulsein bewies.
Sexuelle Belästigungen werden als ganz normal betrachtet, dass Männer Frauen berühren, ist üblich.
Hasina Khan berichtete, dass die Identität von Moslems in Indien sich nach dem 11. September ebenso wandelte wie die politische Lage dort. Eine Nebenwirkung ist, dass Punkte wie die Rolle der Frauen im Islam auf eine weitaus geringeren Stellenwert zurückfielen, da die Aufmerksamkeit sich jetzt auf die Rechte von Minderheiten, nicht von Frauen richtet. Die muslimische Minderheit ist nun der Meinung, dass sie ihre innergesellschaftlichen Probleme untereinander ausmachen müssen (das heißt z. B., häusliche Gewalt nicht nach außen zu tragen), damit Hindus sich nicht mit Urteilen oder Erniedrigung auf sie stürzen können. Sie sagte, Autoritäten in Frage zu stellen, sei ein westlicher Wert. Hasina sprach über den neuesten Film von Anand Patwardan, der darlegt, dass ,,Krieg keine Lösung ist, weil Krieg selbst Terrorismus ist", und der jetzt verboten wurde (Siehe Peace News No. 2448, Sept. - Nov. 2002, ,,A celebration of love: an interview with Anand Patwardhan".) Martin Rodriguez nannte einige Muster, die Gewalt in der Gesellschaft in Kolumbien verursachen: Familie, Schule und Massenmedien. In der Familie ist der Mann der Herr, die Frauen haben zu folgen, und Ältere haben Befehlsgewalt über Jüngere. In der Schule müssen die Schüler den Lehrern gehorchen und können sie nicht in Frage stellen. Die Massenmedien sind das einzige Mittel für die Jugend, sich mit dem Rest der Welt zu identifizieren; und da die Medien gewalttätig sind und auf Macht bezogen, motivieren sie die Jugend dazu, den Mächtigen zu folgen und unterdrücken sie. Die Medien idealisieren Macht und Gewalt. Die Machtstrukturen werden direkt und indirekt durch gewaltsame Mittel aufrechterhalten.
Es gibt ähnliche Muster in allen drei Ländern.
Julia stellte vor, was ,,Soziale Ermächtigung" bedeutet und wie Gewaltfreiheit dazu passt. (Peace News Nr. 2439, June-Aug. 2000 ,,Power-with, not power-over")
Eine Diskussion über das Thema Angst, wie wir mit Angst umgehen können, führte uns dazu, Roberta Bacic zu bitten, zur Gruppe zu sprechen. Roberta, die in Bewegungen in Chile engagiert war, sprach über den Umgang mit Angst. Sie sagte, wir müssten die Angst anerkennen - der Versuch, Angst zu vermeiden, sei Energieverschwendung. Furcht ist ein gesunder Weg des Selbstschutzes; sie sagt dir, dass du in Gefahr bist, und du musst dann die Situation analysieren. (Siehe Peace News Nr. 2439, Juni-Aug. 2000, ,,Fear - a sign that we are alive" von Roberta Bacic).
Die Menschen glauben an Autoritäten (militärische, religiöse); das Militär wird glorifiziert; die Gewalt von Erziehungssystemen militarisiert; die Massenmedien stellen Verbrechen als normal dar und befördern die Gewalt; die Gesellschaft erkennt Gewalt nicht an; die Gewalt ist sehr tief verwurzelt, wenn man sie nicht in Frage stellt, kann man sie nicht sehen; Unterstützung für Krieg wird versteckt oder geleugnet (,,Wir schicken ,bloß' LKWs" (zu einem Konflikt) oder ,,wir bauen U-Boote, keine Waffen"); Gewalt wird normal, Gewalt wird als ein Mittel zur Konfliktlösung gesehen; Machtstrukturen innerhalb der Familien; Straflosigkeit; diskriminierende Gesetze; Stress (wenn die Behörden die Polizei in Angst vor Gefahren versetzen); Umweltstress; die Polizei reagiert unter Stress zu gewalttätig; geringe Selbstachtung ist ein Faktor bei der Reaktion von Menschen in Konfliktsituationen; ,,Lösungen" ohne Gerechtigkeit; Männerwahn, der Männer in gewalttätige Haltungen treibt, Frauen werden als Ziele, als zu gewinnende Trophäen gesehen; Unterdrückung sexueller Minderheiten; leichter Zugang zu Waffen; Vorurteile; Suchen von Sündenböcken; Rechtfertigung dafür, dass Menschen sich mit Waffen verteidigen; Verurteilung des Opfers, Mangel an authentischer Information und Klarheit; Indoktrination mit Scheuklappensicht (Nationalismus); die Jugend wird von der Familie und den Medien zum Krieg und zum Tragen von Waffen motiviert; militärische Kultur; die Methode des ,,Teile und herrsche", die von Politikern benutzt wird, um Proteste in einzelne Themen zu zersplittern, die die Menschen und die Analyse zerteilen, ist Teil der ,,westlichen Cartesianischen Kultur"; die Trennung der Arten von Gewalt, bei der keine Verbindung zwischen der Gewalt auf den Straßen und dem Kapitalismus gezogen wird; Bildungssysteme; Kriegsspielzeuge; neue Videospiele vom US-Militär, die Rekrutierungen zum Ziel haben; sexuelle Belästigung/ Missbrauch; militarisierte Polizei/ Staat; Waffenproduktion; Korruption; patriarchale Gesellschaft; Sexismus; Gewalt im Unterhaltungssektor; häusliche Gewalt; Schulkinder, die einander quälen; Waffen, die im täglichen Leben Anwendung finden; Menschen, die bezahlt werden, um im Auftrag des Staates Gewalttaten zu begehen; Rassismus; gefährliches Autofahren; Armut; Aggression; Alte Menschen, die in Heime abgeschoben werden; Konflikte zwischen Majoritäten/ Minoritäten; Fundamentalismus; Völkermord; US-Soldaten im Ausland; die Vorherrschaft der USA in der Welt; der Kauf von Waren, die von unterdrückten Arbeitern hergestellt sind; wenn Gewalt nicht als Problem, sondern als normal betrachtet wird.
Leute zusammenbringen, bevor sie in der Lage sind, mit Angst umzugehen; nach einem Ziel suchen, das unterstützt werden kann und dann die Risiken ins Auge fassen und analysieren; ein Netzwerk ausschließlich auf das Vertrauen einzelner zueinander aufbauen; anerkennen, dass die Menschen der Politiker überdrüssig sind; sie wollen etwas tun, nicht Reden anhören; Menschen informieren; ein Abzeichen tragen, das könnte zu Diskussionen führen; Anwendung des ,,unsichtbaren Theaters"; zeigen, dass es Länder ohne Armeen gibt; Zusammenarbeit mit Künstlern, Musikern, Aktivisten, Graswurzlern kann Veränderung bewirken; Musik und Theater einsetzen, um der Jugend die Botschaft zu vermitteln, Kämpfen abzulehnen; Menschen durch Training in Gewaltfreiheit über Gewalt aufklären; man denke immer auch an den aufbauenden Teil der Gewaltfreiheit, nicht bloß an direkte Aktion; den Kreislauf der Angst bekämpfen; und andere fügten bei, wir sollten Angst nicht unterdrücken, sondern verstehen, weil Angst die rationale Antwort auf eine Bedrohnung sein kann - die Lähmung überwinden, die aus Angst entspringt; Bedürfnis, Relevanz zu finden, indem wir den Menschen das Gefühl geben, dass die Dinge Teil ihres Lebens sind; mit den Leuten reden, offen sein für ihre Sichtweisen; direkte Aktion ist notwendig; Bewusstseinsbildung in Gemeinschaften; Menschen miteinander in Verbindung bringen, indem sie ihre eigenen Geschichten erzählen; Bedürfnis, das Bewusstsein der Menschen auf der Graswurzelebene zu ändern. (Joanne verteilte einen Artikel, die sie in Peace News Nr. 2435 vom Mai- August 1999 geschrieben hat, ,,Developing strategies for abolishing war".)
Strategien für ein internationales Netzwerk:
Eine weltweite Konfliktkarte haben, um ein besseres Verständnis weltweiter Probleme und Verbindungen zwischen lokalen und globalen Konfliten aufzuzeigen; Menschen verschiedener Gemeinschaften miteinander in Kontakt bringen; örtliche Arbeit ermutigen; Geschichten über Aktionen austauschen; Gelegenheiten für Jugendliche zur Teilnahme schaffen, Studenten aus verschiedenen Ländern mittels Gästehäusern und Austauschprogrammen einbinden; Fallstudien von erfolgreichen gewaltfreien Kampagnen schreiben - Bedürfnis nach konkreten Beispielen, um Menschen zu ermutigen, direkte Aktion auszuführen.
Der Prozess des Zuhörens zu den jeweiligen Geschichten der anderen im Nachdenken über die Verbindungen und Unterschiede war das Interessanteste für die Teilnehmer dieser Themengruppe. Wir stimmten überein, dass wir mehr Zeit brauchten, um Strategien zu entwickeln und hoffen, dass das Programm für Gewaltfreiheit und Soziale Ermächtigung diese Arbeit fortführen kann.
Gesprächsleitung: Dorie Wilsnack und Eric Bachman
Gewalt in ethnischen Gemeinschaften und innerhalb des Staates, aber auch innerethnische Konflikte haben oft tief verwurzelte Gründe wie gegenseitige Ängste, Unsicherheiten und Hass auf ethnische, religiöse oder kulturelle Gruppen.
Darüberhinaus werden diese Gründe oft von politischen Führern oder den Medien übertrieben. Verschiedene Formen gewaltfreier Strategien und Methoden existieren, um sich ihnen zu stellen, von denen zwei in dieser Themengruppe diskutiert wurden: Brücken bauen und gewaltfreie Intervention.
Brücken zu bauen kann verschiedene Ziele haben, die in verschiedener Art und Weise kombiniert werden können, je nach der Situation. Ein Ziel kann einfachhin sein, persönliche Kontakte herzustellen, z. B. durch intensives kurzzeitiges Zusammenleben (2-3 Wochen) für Kinder, Jungendliche oder Erwachsene oder die Einrichtung sicherer Plätze, wo Menschen mit diplomatischen oder Regierungsämtern privat besucht werden können (außerhalb des öffentlichen Blicks).
Ein anderes Ziel kann sein, auf die andere Seite/ die anderen Seiten zu hören. Jedoch könnte ein Gefühl der Überlegenheit auf der einen oder anderen Seite den Dialog blockieren. Nichtsdestotrotz sind verschiedene Methoden mit Erfolg gebraucht worden, um dieses Ziel zu erreichen, z. B. Projekte des mitfühlenden Zuhörens zwischen Juden und Deutschen, Treffen von Opfern und Tätern des Nordirland-Konflikts in Gelencree, Irland, gewaltfreie Kommunikation (Marshall Rosenberg), Projekte des Zuhörens wie das Rural Southern Listening Project oder die Schaffung von sicheren Häusern für Treffen und Begegnungen. Kommunikation mit oder Verständnis für einander werden sich verbessern, wenn beide Seiten das Leiden der anderen Seite akzeptieren und anerkennen. Daher ist es wichtig, sein Leid zu zeigen und nicht nur den Ärger, den man hat. Öffentliche Aktionen können ein Beispiel setzen, dem andere folgen.
Ein anderes Ziel ist es, einen gemeinsamen Boden zu finden. Zusammenarbeit bei einer Aktivität oder einem Punkt, der nicht direkt auf den Konflikt bezogen ist, sondern der Menschen beider im Konflikt stehender Gruppen einbezieht (z. B. internationale Arbeitsprojekte, Kunstprojekte, Aktivität, die auf Bedürfnisse von Kindern bezogen ist, etc.) ist ein üblicher Weg, um diesem Ziel näher zu kommen. Aber es könnte auch ein aktives Suchen nach gemeinsamen Punkten bei Treffen oder dem Dialog einbeziehen.
Ein herausforderndes Ziel ist, Respekt und Empathie zwischen den gegensätzlichen Gruppen zu entwickeln. Verschiedene Projekte und Methoden können dazu helfen, mehr Empathie zu entwickeln, z. B. inter alia-Austausch, dh. zeitweiliges Leben mit Menschen in der anderen Gemeinschaft, Dialogprojekte, die helfen, Wunden aus der Vergangenheit zu heilen, Austausch über das Leben, die Bedürfnisse und Leiden der anderen oder eine länger dauernde internationale Präsenz in einer Konfliktregion.
Und schließlich kann ein Ziel des Brückenbauens sein, die historischen Mythen und Stereotype zu dekonstruieren, die einen Konflikt nähren, wie in dem Projekt ,,Entangled Lives" (,,Verbundenes Leben")
Jedoch ist es nötig hervorzuheben, dass eine gute Leitung und Transparenz der Aktionen während aller oben erwähnten Projekte und Methoden äußerst wichtig ist, da sie sonst möglicherweise nicht so wie beabsichtigt arbeiten, sondern das gegenteilige Ergebnis herauskommt. Einfühlsame und wache Nutzung der Art, wie Sprache und Akzent Verbündeter sein und einen Mehrwert für eine Seite bedeuten kann, kann die Abwehr verringern und es für die Menschen auf verschiedenen Seiten leichter machen, Projektleiter zu akzeptieren und aufzunehmen. Es ist auch wichtig, die Gruppen in Rechnung zu ziehen, die ein Interesse an der Aufrechterhaltung eines Krieges oder einer gespannten Lage haben, sowie die Rolle der Diaspora, die oft einen beträchtlichen Einfluss in einem Konflikt hat (entweder bei der Unterstützung oder bei der Deeskalierung des Konflikts).
Jedoch schafft das Brückenbauen noch nicht die notwendigen strukturellen Wandlungen. Es ist notwendig, die ökonomischen und politischen Strukturen anzugehen, die Teil des Problems sind, auch wenn einige Schritte neue Probleme schaffen könnten, z. B. wirtschaftliche Reparationen. Ein Fehlen gesetzlicher Möglichkeiten zur Wiedergutmachung oder zum Wandel z. B. (eingeschlossen die Möglichkeit, größere Autonomie zu haben) vergrößert die Wahrscheinlichkeit von Gewalt. Jedoch hilft Brückenbauen, den Boden für strukturelle Veränderungen vorzubereiten.
Der zweite Weg, Gewalt in ethnischen Gemeinschaften und innerhalb des Staates anzugehen, der erforscht wurde, war Gewaltfreie Intervention - das ist ein komplexes Unternehmen, und verschiedene Faktoren müssen geklärt werden, bevor man es beginnt.
Zu allererst ist möglichst frühe Vorbereitung für eine erfolgreiche Intervention wesentlich, besonders gutes Training und Information für Menschen, die neu hinzukommen. Das schließt auch eine Bewertung der Wirksamkeit der Intervention ein. Die Gruppe, die interveniert, sollte eingeladen werden. Es muss auch klar sein, dass die intervenierende Gruppe Respekt oder einen Status in der Gemeinschaft genießt, örtlich und international, und dass sie gute Kommunikation mit den Aktivisten innerhalb des Konfliktes hat. Bestimmte Machtbeziehungen können einen negativen Einfluss auf die Unterstützung haben. Die Intervenierenden müssen sich über ihre Motivationen im klaren sein (persönliche, politische, etc.). Wer seine eigenen Pläne von außerhalb anderen aufdrückt, wird beinahe mit Sicherheit negative Folgen erleben. Andere vorherige Fragen für ins Einzelne gehende Überlegungen sind die Sicherheit für alle, die Öffentlichkeit, Aktivisten, Intervenierende, im Anschluss an die Interventionen und die mögliche Wirksamkeit der Interventionen für das Anhalten der Gewaltzyklen auf lange und kurze Sicht.
Wenn man den Informationsfluss in die Außenwelt vergrößert, beeinflusst das oft die Behörden, weniger Gewalt anzuwenden, z. B. durch Amnesty International. Diejenigen, die der Konflikt betrifft, sind oft nicht vorbereitet und brauchen Training in Selbstbewusstsein und Kenntnis ihrer gesetzlich verbrieften Rechte.
Außenstehende könnten auch fähig sein, ein Rollenmodel für die Teilnehmer in einem Konflikt darzustellen und könnten das Selbstwertgefühl derjenigen in Konfliktsituationen stärken. Es ist auch wichtig, demokratische und friedliche Stimmen in der Diaspora zu unterstützen.
Jedoch müssen verschiedene Schwierigkeiten und Gefahren im Auge behalten werden: Intervention oder von außen kommene Unterstützung ist nur nützlich, wenn sie über eine längere Zeitspanne stattfindet; fachliche Hilfe von außerhalb kann zu überwältigend sein für die Menschen; und die finanzielle Kraft der von außen Kommenden kann zu großen Einfluss haben. Aus diesen Überlegungen heraus ist es möglich, einen Fragenkatalog zu erarbeiten, den man braucht, um sich selbst zu fragen, und einen Katalog von Informationen, die man kennen muss, bevor man an einer gewaltfreien Intervention teilnimmt:
Leitung: Andreas Speck
Diese Gruppe sprach hauptsächlich über das Thema Kriegsdiensverweigerung (KDV). Die Tatsache, dass einige Mitglieder der Gruppe aus Ländern mit Wehrpflicht stammen und andere aus Ländern mit Berufsarmeen, führte dazu, dass die Diskussion mehr Fragen als Antworten zu Tage förderte.
Insbesondere sind ein paar bemerkenswerte Fragen die folgenden:
Diese Schlussfolgerung wirft nur noch mehr Fragen auf:
JedeR TeilnehmerIn berichtete von der Lage in ihrem eigenen Land, das bedeutete, zwölf Situationen wurden beschrieben und verglichen. Das war informativ und hilfreich zum Verständnis der Perspektiven der jeweils anderen und der erforderlichen Arbeit.
Gesprächsleitung: Doro Bruch und Tikiri
Auswanderung ist in vielen Fällen die Folge eines andauernden Konflikts, Unterdrückung oder Ausbeutung von Menschen oder Ressourcen, die ihrerseits durch militärische Gewalt aufrechterhalten wird. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Kriegsflüchtlingen und Wirtschaftsflüchtlingen; sie sind alle Flüchtlinge.
In wachsendem Maße ist das Militär daran beteiligt, Grenzen abzuriegeln und sich mit vertriebenen Menschen in Konfliktgebieten zu befassen. Die Abriegelung von Grenzen reicher Länder ist jedoch eine unakzeptable Form von Diskriminierung und sozialer Ungerechtigkeit. Darüber hinaus nutzen diese reichen, ,,demokratischen" Länder oft das ,,Flüchtlingsproblem", um rassistische Gefühle in ihren Bevölkerungen hochkommen zu lassen, um volle Unterstützung für ihre Politik zu erreichen. Alle diese Fragen sollten die WRI und ihre Sektionen dazu drängen, Strategien aufzubauen, um die Bewegungsfreiheit für alle Menschen zu schützen und aufrecht zu erhalten.
Es gibt schon viele Kampagnen, die sich mit verschiedenen Problemen befassen. Die Organisationen der WRI oder Einzelpersonen aus diesen Organisationen sind deringend eingeladen, daran teilzunehmen.
Die Kampagne ,,Ohne Grenzen", die Kampagne zur Bewegungsfreiheit und andere Kampagnen unterstützen das Recht jeder Person, in Freiheit zu reisen und sich niederzulassen.
Viele Kampagnen und Ortsgruppen arbeiten für die Legalisierung von Asylsuchenden. Das kann entweder soziale und juristische Unterstützung für Individuen heißen oder Kampagnen, die das Recht für jeden Menschen ,,legal zu sein" fordern, wo auch immer er oder sie lebt (,,Niemand ist illegal"). Viele dieser Kampagnen sind mit Flüchtlingsgruppen verbunden, da gewöhnlich die direkte Unterstützung solcher Gruppen notwendig ist.
Die Politik reicher Staaten inbezug auf Migranten haben auch Anti-Abschiebungskampagnen notwendig gemacht. Zwei unterschiedliche Formen der Arbeit sind entstanden: Notfallhilfe für eine bestimmte Person oder Familie, um ihre Abschiebung zu verhindern, oder allgemeinere Kampagnen wie die ,,Deportation Class"-Kampagne, die auf Luftfahrtgesellschaften zielte, um sie dazu zu bewegen, nicht bei der Abschiebung von Migranten mitzuhelfen.
Schließlich gibt es Kampagnen, um die Ziele von Regierungen und der Institutionen zu analysieren, die sie verwenden, um ihre schmutzige Arbeit zu verstecken: Keine Aktion kann gemacht werden ohne Daten, um das allgemeine Publikum zu überzeugen, das sehr oft von der Regierungspropaganda geblendet wird.
Die WRI und ihre Untergliederungen haben als antimilitaristische und Antikriegsorganisationen die Pflicht, den Beitrag von Armeen bei der Abriegelung von Grenzen zu zeigen und anzuprangern. Sie sind die geeignetsten Organisationen, um Forschungen über die Beziehungen zwischen staatlicher Gewalt und Armeen und ihren Verbindungen zu Rassismus und dem Abriegeln von Grenzen anzustellen. Anzuprangern, wie der ,,Krieg gegen den Terrorismus" verwendet wird, um Migranten zu bekämpfen, ist auch eine Aufgabe, die jede Friedensorganisation erfüllen muss, die sich um Gerechtigkeit sorgt. Diese Aufgabe kann verbunden werden mit verschiedenen Kampagnen gegen Gesetze, die Bürgerfreiheiten beschneiden, besonders weil diese Gesetze auch auf Aktivisten zielen, z. B. das Terrorism Act in England, das LSQ in Frankreich oder die Anti-Terror-Gesetze in Deutschland.
Der Gipfel der Europäischen Union (EU) in Sevilla im Juni 2002 schloss die gemeinsame europäische Politik zur Verhinderung von Einwanderung ab. Ein weites Spektrum von Maßnahmen zur Verhinderung illegaler Einwanderung ist jetzt gültig, einschließlich der Zusammenarbeit in Angelegenheiten der Verteidigung, Polizei, Gesetzgebung und Datenerhebung. Darüberhinaus beschränkt jeder europäische Staat die legale Einwanderung und das Recht auf Asyl. Die EU beschloss auch, mit den Vereinten Nationen, der NATO und IOM über Flüchtlingsangelegenheiten außerhalb der EU und ihrer Nachbarstaaten zusammen zu arbeiten. Das führt zu mehr Druck auf Länder außerhalb der EU, Rückführungsabkommen zu unterzeichnen.
Das Militär kann eingesetzt werden, um sich mit Migranten im Lande zu befassen, um die Rückführung zu organisieren und um Migranten davon abzuhalten, in die EU einzureisen. Z. B. sind 12.000 Soldaten der EUROMARFOR-Truppe entlang der spanischen und italienischen Grenzen stationiert worden.
Zusammenarbeit mit vertriebenen Friedensarbeitern und Unterstützung für KDVer und Deserteure, die um Asyl bitten, können wirksame Wege sein, eine Festung Europa zu verhindern. CONCODOC und andere Quellen können als hilfreiche Werkzeuge zu diesem Zweck verwendet werden. Connection e. V./ DFG-VK haben vor kurzem gezeigt, wie das funktionieren kann: Nach einer erfolgreichen Kampagne zur Unterstützung von Deserteuren aus der Südafrikanischen Armee und Polizei während der Apartheid hat die Gruppe herausgefunden, welche Kriege von Institutionen wie der UNO als Rechtfertigung für Asylgewährung für Deserteure angesehen werden. Seitdem haben sie Seminare für Asyl suchende KDVer und Deserteure zur Informierung über ihre Rechte organisiert. Um die deutsche Regierung zu beeinflussen, haben sie versucht, Unterstützung von Städten zu bekommen, die sich offiziell bereit erklären sollten, Deserteure aufzunehmen und ihnen Asyl zu gewähren. Schließlich haben sie mit Gruppen und Rechtsanwälten in der Türkei zusammen gearbeitet, um Friedensarbeiter, KDVer und Deserteure aus der Türkei zu schützen.
Unsere Solidarität muss auch gezeigt werden, wenn Delegationen aufgrund der üblichen Visumseinschränkungen nicht zu einer Konferenz oder einem Seminar kommen können. Jede Weigerung, ein Visum auszustellen - aus welchem Grund auch immer - muss öffentlich angeprangert werden, wenn nicht mit einer Aktion, zumindest mit einer Presseerklärung, die sich an die örtlichen Medien der Konferenz/ des Seminars wendet
Viele Aufgaben müssen erfüllt werden. Daher sollten die Untergliederungen der WRI ihre Erfahrungen austauschen, um von den unterschiedlichen Aktivitäten auf diesem Feld zu lernen. Erfahrungen auszutauschen kann eine großartige Hilfe für jedeN Friedens- und antimilitaristischeN AktivistIn sein, der oder die mit dem Problem von Asyl und Migration befasst ist, aber auch für Gruppen, die Migranten unterstützen.
Gesprächsleitung: Helen Stevens
Diese Themengruppe brachte Menschen, die im Begriffe sind, sich mit den Konzepten der Gewaltfreiheit bekannt zu machen, mit erfahrenen Aktivisten zusammen, die aus einer Überprüfung dieser Schlüsselideen Nutzen ziehen wollten. Helen Stefens vom Scottish Centre for Nonviolence leitete diese Gruppe.
Helen begann mit einer Erzählung ihrer eigenen Geschichte und konzentrierte sich auf einige der Wendepunkte in ihrem Leben. Einer war der Anblick von Picassos ,,Guernica." Sie arbeitete mit Quäkern in Waisenhäusern in Vietnam, was ihr den Mut gab, unterdrückten Menschen zur Seite zu stehen. Als sie nach Hause zurückkehrte, begann sie schwerpunktmäßig mit der Kampagne zur Beendigung der Produktion der Trident-Gefechtsköpfe. Die Gruppe sah sich Antikriegs-Poster an und diskutierte, welche von ihnen eine besondere Bedeutung für unser eigenes Verständnis und unsere Erfahrung hätten. Wir diskutierten, wie Pazifisten sich zu denjenigen stellen, die gewaltsame Methoden zur Erreichung ihrer Ziele wählen und ob Ziele, die durch Gewalt erreicht werden, langfristig negative Folgen haben.
Während des zweiten Treffens analysierten wir das von Gandhi praktizierte Satyagraha-Konzept. Einige der Prinzipien sind: Enthaltung von Gewalt und Feindseligkeit; Gegner werden als Menschen betrachtet; zum Gegner werden Kontakte hergestellt; Versuch, Vertrauen zu gewinnen; Ablehnung von Demütigung; konstruktive Arbeit; sichtbares Opfer; Erwartung eines Wandels. Wir fügten weitere mögliche Prinzipien hinzu, z. B. Umgang mit einer falschen Lage; kreativ sein; den Wandel bestätigen. Wir wandten diese Ideen auf praktische Situationen an, einschließlich der Diskussion von kreativen Lösungen, um einen plötzlichen Akt der Gewalt innerhalb eines gewaltfreien Protestes aufzulösen. Schließlich erforschten wir Kontroversen in Bezug auf gewaltfreie Aktion. Zu zweit debattierten wir ein herausforderndes Thema, z. B. ob Gewaltfreiheit ein Prinzip ist oder ein praktisches Werkzeug, oder den Wert des Sabotierens von Eigentum.
An unserem dritten Tag untersuchten wir fünf Schritte einer Kampagne: Aufmerksamkeit herstellen, Bündnispartner finden, mit der Aktion beginnen, eine Massenbewegung entwickeln, eine neue Gesellschaft schaffen. Diese Schritte sind inspiriert von George Lakeys Buch ,,Strategy For A Living Revolution". Das nächstes Modell betraf die Quellen sozialer Macht. Diese kann als Pyramide strukturiert sein mit der Autorität an der Spitze oder als Tisch mit jeder der Machtstützen als Beine, die die Autorität unterstützen. Die Stützen umfassen die Steuerung von Wissen und Fertigkeiten, Gedanken und Glaubensüberzeugungen der Menschen, Geld und Eigentum, gehorsame Menschen, Militär und Polizei. Jeder Versuch, die Stützen der Macht mittels gewaltfreier Aktion zu unterbrechen, kann einen Wandel herbeiführen. Wir tauschten Informationen über Wege aus, die wir erarbeiteten, um die Stützen der Macht zu zerlegen. Helen beschrieb den Gebrauch von Straßentheater, um Aufmerksamkeit auf die krassen Realitäten der Kinder im Irak zu lenken. Fintan aus Irland teilte Einzelheiten über eine Kampagne gegen Kriegsspielzeug mit: ein Informationsblatt, auf dem der Weihnachtsmann gebeten wurde, keine Kriegsspielzeuge zu Weihnachten zu bringen, wurde an Eltern gegeben, damit sie es mit ihren Kindern besprächen. Die Macht des Gebrauchs von Humor in gewaltfreien Aktionen wurde von Javier aus Spanien hervorgehoben. Er beschrieb, wie er sich für einen Protest über die Bombardierung Afghanistans durch die Vereinigten Staaten als Blume in einem Helm verkleidete. Eduvina hob die Bedeutung und den Erfolg von Künstlern bei den gewaltfreien Protesten in Chile hervor. Graffiti schmückten die Straßen mit Slogans und Bildern, und Sänger schrieben eingängige und machtvolle Lieder.
Die Gruppe kam zu dem Schluss, dass gewaltfreie Aktivisten endlose kreative Möglichkeiten haben, um die Aufmerksamkeit auf Ungerechtigkeit zu lenken und um an der Beseitigung der Wurzeln ihrer Macht zu arbeiten.
Gesprächsleitung: Roberta Bacic, Brandom Hamber, Elisabeth Stanley, Andrew Rigby
Geschichten erzählen, Leugnen und Schweigen
Mit der Vergangenheit umzugehen, ist keine objektive Übung. Es bedeutet persönliche Wahrheiten und Werte in einer Art zu verbinden, die den Kampf des Lebens in der Gegenwart erleichtert und sie in die Lage versetzt, in die Zukunft gerichtet zu werden.
In Zeiten von Repression und Konflikt gibt es wenige Gelegenheiten, unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Geschichtenerzähler, die den herrschenden Diskurs in Frage stellen, setzen sich möglicherweise ideologischer Verdächtigung oder direkter Brutalität aus. Geschichten werden in vielfacher Weise zum Schweigen gebracht, z. B. durch Zensur, Dämonisierung von Gegnern, die Beschränkung des Zugangs zu demokratischen Prozessen, durch Gruppendruck.
In der Zeit nach einer Repression kann das Erzählen von Geschichten eine kathartisches Erfahrung sein - auszustellen, was bisher geleugnet wurde, kann eine machtvolle Handlung sein. Geschichtenerzähler können ihrer Identität und ihrem Platz in der Welt durch das Erzählen einen Sinn geben. Geschichten zu erzählen liefert eine Gelegenheit für ein Individuum, seine Beziehungen zur Gesellschaft wieder herzustellen oder zu schaffen. Geschichtenerzähler können jetzt in der Gegenwart etwas aus ihrer Erfahrung machen, aus ihren Erinnerungen und damit verbundenen Gefühlen traumatischer vergangener Ereignisse.
Geschichten zu sammeln, ihnen zuzuhören und sie anzuerkennen sind ebenfalls wichtige Aspekte. Um der Vergangenheit einen Sinn zu geben, sollte unterschiedlichen und komplexen Geschichten (die die Individuen in ihren größeren sozialen und strukturellen Kontext versetzen) zugehört werden. Während das Geschichtenerzählen oft eine machtvolle Handlung ist, ist auch Schweigen ein Mittel, mit der Vergangenheit umzugehen. Schweigen kann ebenso Macht für die Unterdrückten bedeuten, so wie Geschichten von Unterdrückern gebraucht und missbraucht werden können. Schweigen und Geschichten sind über Zeit und Raum einem Wandel unterworfen.
Zivilisten sind die Hauptopfer von Krieg und Konflikt (über 90 %). In Südafrika z. B. wurden die Menschen direkt durch strukturelle Gewalt, systematische Trennung und Verletzungen der Menschenrechte viktimisiert. Solch eine Gewaltkultur kann zu extremer Traumatisierung führen.
Trauma ist ein Begriff, der oft unkritisch übernommen wird. Wenn er verwendet wird, um ,,ungesunde" Reaktionen auf Umstände zu beschreiben, wird Trauma mit Hilfe der Sammlung individueller Symptome identifiziert.
Die gegenwärtig herrschende Reaktion auf Trauma kümmert sich nicht um die Gründe und den Kontext traumatischer Erfahrungen. Traumatische Ausdrucksweisen können in Wirklichkeit gesunde und ,,vernünftige" Mechanismen sein, um mit repressiven und gewaltsamen Ereignissen umzugehen. Trauma sollte in einer breiter gedachten Struktur identifiziert werden, die geschlechtsspezifische, neo-koloniale, kapitalistische und multikulturelle Umstände anerkennt.
Die Wahrheits- und Versöhnungskommission, die zum Ende der Apartheid in Südafrika eingerichtet wurde, war fest verbunden mit Begriffen von Heilung und Versöhnung. Sie operierte in einem Zustand von Spannung (zwischen den inneren Bedürfnissen der ,Opfer' und den politischen Zwängen der Gesellschaft). Sie versuchte mit Traumata umzugehen und Heilung zu ermöglichen. Durch Reparationen und offizielle Anerkennung individueller Geschichten kann eine Wahrheitskommission Heilung ermöglichen. Aber eine Wahrheitskommission muss von starken Unterstützungsgruppen begleitet sein. Eine Wahrheitskommission kann aus sich selbst nicht alle Bedürfnisse erfüllen.
Nationale Heilung und individuelle Heilung sind nicht notwendigerweise dasselbe. Für das Individuum können breitere Wahrheiten, Gerechtigkeit, Kompensationen und Anerkennung notwendig sein, um weiter zu kommen.
Im Prozess dieser Sitzung drang mehr die Botschaft durch als der Inhalt: Eine Umfrage zum Thema Bedeutung und Natur von ,,Vergebung" zeigt, dass es keine Übereinstimmung darüber gibt, was das bedeutet. Es gibt keine Möglichkeit, verschiedenen Menschen ein Verständnis dessen, was die Natur von Vergebung ist, aufzuzwingen. Daher sieht die Grundlage von Projekten mit dem Ziel Vergebung zu erreichen, vom Standpunkt dieses Nichtwissens her unterminiert aus.
Jedoch zeigte die Erfahrung der Befragung dieser Gruppe, dass, nachdem man von Versuchen, Verzeihung zu definieren/ zu identifizieren, befreit war, eine machtvolle Offenheit erreicht war, in der die Schwierigkeit der Erfahrungen von Leid und Heilung miteinander geteilt werden konnte. In der Tat zwang die Schwierigkeit und die Frustration der Versuche, ein anscheinend ,,falsches" Ziel zu erreichen, hinaus in einen gemeinsamen Raum und die gemeinsam geteilte Schwierigkeit, mit vergangenen schmerzhaften Erfahrungen zu leben.
So wurde durch den Kampf der Gruppe mit dem Begriff der Verzeihung und ihren Abschweifungen über diesen Begriff hinaus ein offener bedeutungsvoller ,Raum' geschaffen. Das war in sich selbst ein Akt des ,Umgehens mit der Vergangenheit' in der Art, wie es sich in dieser Themengruppe entwickelte, dh. im Kampf damit in allen gegenwärtigen Aspekten.
Das legt nahe, dass eine Diskussion und ein Austausch über die Erwartungen von Menschen über sich selbst sowie Überzeugungen darüber, was ihnen in Hinblick auf Vergebung zu tun möglich ist, einen Betrag zum Umgang mit der Vergangenheit leisten kann.
Bei den Versuchen, Vergebung und die komplexe Beziehung zwischen Gerechtigkeit und Vergebung anzupeilen/ zu identifizieren, wurde das Folgende ausgedrückt:
Rache; Hass/ Ärger; Entmenschlichung; Ignoranz; Opferstatus; auferlegte ,Lösungen'; Ressentiment; Vergessen; Verbitterung; Verwirrung; Forderungen
Die Erfahrung aus Chile wurde betrachtet, wo eines der untersuchten Problemen darin bestand, dass Aktivisten, die zunächst in einer NRO waren, auf einmal Mitglied einer staatlichen Organisation wurden; nicht alle Opfer/ Überlebenden erhielten Reparationen; die Ergebnisse waren für einige nicht ausreichend.
Ergebnisse in Chile: finanzielle Entschädigung; Befreiung vom Militärdienst; Zugang zu Bildungseinrichtungen; Gesundheitsversorgung; Kenntnisse der Menschenrechte; Gesetzgebungsverfahren; ein Schreibwettbewerb.
Konkrete Fälle gaben die Möglichkeit, Ergebnisse von Gerichtsverfahren zu erläutern; Macht in sozialen, wirtschaftlichen und politischen Strukturen; und die Beziehung zwischen dem Inhalt des Leidens und der Form der Wiedergutmachung.
Eine breite Auswahl von Elementen steht beim Reden über die Vergangenheit zur Verfügung, ebenso wie die politischen Aspekte. Die vielen Zugangspunkte zu dieser Arbeit und Formen, um sie zu entwickeln / auszuführen, sind im Kontext und direkter Erfahrung begründet. Es gibt nicht eine Antwort, niemand besitzt oder hat die Macht, Wörter zu definieren wie ,,Vergebung" oder ,,Versöhnung"; es scheint, dass das ein Feld ist, wo wir sehr wenig vorschreiben können; Bedeutung oder Echtheit verschwindet sehr schnell bei der ersten Spur einer auferlegten Definition oder vorgeschriebenen Route. Offen zu sein für individuelle Wahrheiten und Perspektiven ohne Lösungen scheint der Anfangs- und möglicherweise auch der Endpunkt zu sein, wie wir den Prozess beeinflussen/ erleichtern können.
Kulturen der Gewalt häufen leere Flecken, Schweigen und großes kollektives Leid an.
In diesen Situationen sehen wir Mediatoren und Friedensstifter kämpfen, um die jeweilige Krise einzudämmen oder zu neutralisieren. Im Anschluss an diese Phase entsteht ein Prozess des Friedensstiftens, manchmal in einer Situation, wo Wunden tief sind, Probleme ungelöst und man nicht sieht, dass Gerechtigkeit hergestellt wird. So ist die Idee einer ,Konfliktverwandlung' nützlicher als Prozess denn als Ereignis. Dieser Prozess trachtet danach einer zu sein, in dem jedes Individuum einen Einsatz hat, von dem jeder Teilnehmer Bekräftigung sucht, um seinen je eigenen Ausgangspunkt zu finden. Dieser wertvolle und kritische Prozess der Behandlung der Vergangenheit kann nicht anhand des Verlaufs eines Konfliktes anfangen, zu Ende gehen oder Fortschritte machen. Dieser Prozess ist Teil einer Kultur der Verwandlung, einer Gesellschaft, die eine Ideologie der Teilhabe und des Konsenses hat.
Eine Teilnehmerin stellte diese Überlegungen über dasThema mit folgendem Gedicht dar:
Tränen, ein Reißen von Gewebe innen
Leid, zu hören und mit zu fühlen
Überzeugung, eine Leidenschaft für Gerechtigkeit
Klarheit, um den Zweck meines Lebens
offen wie eine Blume zu sehen.
Sonne, Scheinen, Blütenblatt, Macht
um die Alternativen zum Krieg zu enthüllen,
um die Kultur des Friedens zu schaffen.
Nach Einführungen, Erwartungen etc. stellte Christine Schweitzer am 1. Tag eine kleine Typologie von Friedensoperationen vor, an denen die UNO und regionale Zwischenregierungsorganisationen - die NATO, die OAS, die UAU (jetzt die AU), die OSZE beteiligt waren.
Friedensoperationen der UNO haben stattgefunden, wenn die Regierungen von Ländern dem Eingreifen der UNO zustimmten. Ausgeschlossen von dieser Typologie waren Kriege - das heißt, der Krieg gegen die Taliban und das NATO-Bombardement von Jugoslawien - obwohl diese eine Rhetorik des ,,Friedens" hatten und von einer Art von ,,Friedensaufbau" gefolgt waren. Die UNO hat ebenso interveniert, als es eine Bedrohung des inneren Friedens gab, wie sie durch Kapitel 7 der UNO-Charter autorisiert ist. Seit 1945 haben 55 Operationen stattgefunden, zwei Drittel davon seit 1991 (mit dem Ende des Kalten Krieges hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit größerer Wahrscheinlichkeit Operationen zugestimmt). ,,Komplexe" Missionen schließen militärische und zivile Handelnde ein, z. B. führte im Kosovo die NATO die militärische Seite und die OSZE die zivile.
In den letzten Jahren, besonders seit den Massakern von Ruanda und Srebrenica, haben die Regeln des Engagements für Blauhelme und die Mittel des Friedenserhalts sich enorm gewandelt. Traditionelle Friedensmissionen schlossen bewaffnete Kräfte ein, die verwendet wurde, wenn es ein zweiseitiges Abkommen gab. Sie brauchten keine Gewalt außer zur Selbstverteidigung und waren zusammengesetzt aus Einheiten mit Personal, das als freiwilliger Beitrag aus kleineren Ländern geschickt wurde, um strenge Neutralität einzuhalten. Z. B. konnten bewaffnete Kräfte genutzt werden, um über einen Waffenstillstand zu wachen.
Friedensmissionen haben sich nun dahin entwickelt, dass sie viel mehr Funktionen und Spieler umfassen: es gibt mehr Freiheit, Waffen zu gebrauchen - Tötungsmacht kann nicht nur zur Selbstverteidigung erlaubt werden, sondern auch um die Mission des Eingreifens weiter zu bringen. Entsprechend wurde eine neue Interpretation von Unparteilichkeit entwickelt. Es gibt mehr Machtspiele bei den Beiträgen, die die großen Militär- und Supermächte an Personal, Infrastruktur und Waffen bereitstellen. Der UNO-Standpunkt ist, dass Militär benötigt wird, um zivile Interventionen zu schützen. Es könnte sein, dass die NATO und vielleicht die neue europäische Streitmacht in der Zukunft diese militärische Rolle bei Interventionen spielen wird.
Die Gruppe begann dann, einige der Voraussetzungen unserer eigenen Diskussion zu klären und Fragen zu benennen, zu denen wir zurückkehren sollten. Motive für Friedensoperationen reichen von der Verfolgung ihrer eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen durch die Staaten zu einer Antwort auf öffentlichen Protest. Sie können humanitäre Motive einschließen.
Unterschiedliche Situationen und Konfliktformen machen es notwendig, verschiedene Operationstypen zu unterscheiden, darunter die Friedensbewahrung, Friedenssicherung und FriedensstiftungChristine fragen, ob sie mit dieser deutschen Terminologie einverstanden ist! G. B.. Die veschiedenen Momente im Prozess eines Konflikts machen unterschiedliche Antworten relevant, aufrichtiger Friedensaufbau ist sowohl vor wie nach einem Krieg angemessen.
Am zweiten Tag schaute die Gruppe besonders auf das Beispiel Kosovo und zog die Erfahrung von Howard Clark und einer Serbin aus dem Kosovo, Sonja Nikolic, zu Rate.
Im Jahre 1992 schickte die Konferenz (Vorgänger der Organisation) für eine Sicherheitskommission in Europa eine Gruppe von 16 Personen in drei Gebiete Restjugoslawiens. Im Kosovo beobachtete sie Gerichtsfälle und übernahm die Vermittlung, um den Hungerstreik der Journalisten zu beenden. Die Belgrader Regierung erlaubte diesem Team nicht länger als bis Juli 1993 zu bleiben, und es gab sehr wenig internationale Präsenz im Kosovo bis nach dem Erscheinen der Kosovarischen Befreiungsarmee (1996). Die gewaltfreie Studentendemonstration von 1997 ließ die Diplomaten mehr Notiz nehmen, aber es war in Wirklichkeit das Massaker von Drenica vom Februar/ März 1998, das das Kosovo an die Spitze der internationalen Tagesordnung setzte. Verhandlungen mit Belgrad, um die serbische Offensive in Kosovo zu stoppen, führten am Ende zu einem Waffenstillstandsabkommen und zur Einrichtung der ,,Kosovo Verification Mission" (KVM), einer Mission, die von der OSZE mit 2000 Zivilisten durchgeführt werden sollte. Einige Punkte über die KVM:
Sie wurde zu spät eingerichtet, um den Krieg zu beenden, und in Wirklichkeit gab es bei wichtigen Beteiligten (der KLA, Belgrad, Washington) wenig Interesse daran, den Krieg zu beenden - die USA benutzten die KVM, um die öffentliche Meinung auf den Krieg vorzubereiten.
Die OSZE war nicht in der Lage, eine solche Mission schnell aufzubauen (zur Zeit ihres Rückzugs im März 2000 umfasste sie nur 70 % ihrer vorgesehenen Stärke). Obwohl Antikriegsaktivisten beklagten, dass sie vom US-General William Walker geführt wurde und obwohl einige Länder dafür waren, ,,Verifizierer" mit militärischer Erfahrung zu rekrutieren, sollten wir auch anerkennen, dass einige Länder nach Leuten mit Erfahrung in Gewaltfreiheit und Konfliktlösung fragten und sie nicht erhalten konnten - d. h. Frankreich wandte sich an die MAM (Mouvement pour une Alternative Nonviolente), fragte nach 50 ,,Verifizierern" und erhielt einen!
Wenn der Krieg auch nicht gestoppt werden konnte, so wurde zumindest eine Anzahl kleiner und örtlicher Erfolge erreicht (Beruhigung eines Konfliktpunktes etc.)
Nach dem Krieg gründeten die Sieger UNMIK, um das Kosovo zu regieren, plus 50 000 Mann Truppen der von der NATO geführten KFOR. Obwohl ihr Slogan lautete: ,,Dem Kosovo Frieden bringen", fehlte der Mission eine klare Strategie, und unter den Albanern ergriffen Gruppen im Umkreis der KLA die Initiative, während die meisten Serben entweder flohen oder ihre Waffen von Belgrad in Empfang nahmen. Das UNMIK-Personal ist sehr hoch bezahlt, aber im allgemeinen schlecht vorbereitet und hat Kurzzeitverträge. Sie funktionieren ohne Transparenz in Schlüsselthemen und ohne Rechenschaftspflicht für die Einwohner des Kosovo. Es gibt auf der zivilen Seite der Operation viel zu kritisieren. Sonja, die vielleicht die letzte Serbin war, die Pristina verlassen hat, sprach über ihre Bemühungen, Schutz für Serben zu organisieren, die bleiben wollten, und wie es am Ende keine Alternative zum Schutz durch das internationale Militär gab.
Die Gruppe war sich wohl bewusst, dass es viele Instanzen im Kosovo (wie anderswo) gibt, wo das Militär Rollen übernommen hat, die besser von Zivilen übernommen werden könnten, aber sah sich auch dem Dilemma gegenüber, dass, während es zeitweilig scheinen mag, als wenn etwas militärischer Schutz kurzfristig für bedrohte Menschen nützlich sein könnte, militärische Einsätze dazu tendieren, als Universalpaket zu kommen.
Der dritte Tag fing an mit der Vorstellung einer Typologie gewaltfreier Intervention durch Christine Schweitzer, mit Beispielen von Beteiligten, die von Regierungen und Militärallianzen zu Graswurzel-Friedensgruppen reichen. Während die Diskussion sich auf die Frage konzentrierte, was Friedensgruppen tun, musste sie die Wirkung größerer Mitspieler auf die Lage in Betracht ziehen. Man fand Christines Rahmen hilfreich bei der Klärung der Frage, was von gewaltfreier Intervention erwartet werden kann und wie Interventionen, an denen wir beteiligt waren, koexistieren mit dem, was andere getan haben (und entweder damit in Konflikt geraten oder es ergänzen). Die Gruppe umfasste Menschen mit Erfahrung vom Balkan Peace Team (BP), den Internationalen Friedensbrigaden (PBI), dem Österreichischen zivilen Friedensdienst, der Internationalen Solidaritätsbewegung (ISM) (gegen Angriffe der Israelis auf Palästinenser), von der Wahlbeobachtung in Südafrika und von der vorgeschlagenen gewaltfreien Friedenstruppe, plus verschiedener spezifischer Aktionen gewaltfreier Intervention, und im Anschluss an die Vorstellung diskutierten wir diese Aktivitäten im von Christine angebotenen Rahmen.
In die Kategorie des Friedenserhalts kamen gewaltfreie Aktivitäten wie Begleitung, Beobachtung, Dazwischentreten und internationales Eintreten. Friedensproduktion (im begrenzten Sinn von ,,den Parteien helfen, eine verhandelte Lösung zu finden) ist im allgemeinen eine Strategie für Diplomaten oder spezielle NROs, die in der Situation Glaubwürdigkeit genießen. Graswurzelinitiativen ,,von Mensch zu Mensch" fallen in diesem Rahmen unter Friedensaufbau, wo Friedensgruppen von außen oft eine unterstützende Rolle für örtliche zivilgesellschaftliche Gruppen spielen und im allgemeinen ihre Aktivitäten so gestalten, dass sie den Spielraum für örtliche Gruppen erweitern.
Jeder Konflikt erfordert die Verwendung aller drei Strategien, und das gleichzeitig - ob das Ziel Vorbeugung ist oder Wiederaufbau und Versöhnung nach dem Krieg. Eine Intervention findet auch auf einem Spektrum statt, das von Nicht-Beteiligtsein reicht bis zu Solidarität. Die WRI als Netwerk bemüht sich immer, in Solidarität mit ihren örtlichen Partnern zu handeln, manchmal aus einfacher mitmenschlicher Solidarität (z. B. im Widerstand gegen Militärblockaden), aber sie kann auch an ,,nicht parteilichen" Unternehmungen teilnehmen, wie beim Balkan Peace Team, wo es wichtig war, als offen für die Wahrnehmung der Sichtweisen auf allen Seiten der ethnischen Spaltungen gesehen zu werden. Das PBI betont sehr stark, dass es ,,auf Einladung" arbeitet und eine ,,nicht parteiliche" Haltung einnimmt, wogegen die Christian Peacemaker-Teams mehr als Teilnehmende in eine Situation hineingehen: ebenso wie sie Begleitung anbieten, sind sie selbst bereit, sich in gewaltfreier Konfrontation zu engagieren und unabhängige Aktionen zu organisieren, um ihre Meinungen auszudrücken.
Aus der Erfahrung jüngster gewaltfreier Intervention ergibt sich eine Anzahl von Problemen zur Entscheidungsfindung und zum Training. Projekte mit lange arbeitenden Freiwilligen bringen oft Konflikte zwischen den Mitarbeitern vor Ort und denen in der Unterstützungsstruktur hervor. Andere Probleme wurden bei Projekten ausgemacht, wo die Leute für eine kürzere Frist vor Ort arbeiten. Zum Beispiel fanden Aktivisten, die mit der Internationalen Solidaritätsbewegung nach Palästina gingen, dass die Initiatoren keine Kultur oder Infrastruktur für partnerschaftliche Entscheidungsfindung, Training in Gewaltfreiheit und gemeinsame Reflexion und Auswertung im Anschluss an die Aktion hatten.
Da es eine getrennte Arbeitsgruppe über die Möglichkeiten (und Probleme) einer Gewaltfreien Friedenstruppe gab, berührte diese Gruppe nur das Problem, wie mehr Kapazität für Interventionen in großem Maßstab aufzubauen sei. Natürlich würde die ins Auge gefasste Friedenstruppe stark von institutionellen Geldgebern abhängen, eine allgemeine Politik der Unparteilichkeit verfolgen und keine angemessene Infrastruktur bieten für etwas so Oppositionelles und Konfliktträchtiges wie die ISM.
Der letzte Morgen war einer Reihe von ,,Barometer-Diskussionen" über Fragen gewidmet, die am vorangegangenen Tag entstanden waren, sowie der Auswertung und der Vorbereitung des Berichtes. Fragen auf dem Barometer waren Abwandlungen von ,,Ist militärischer Schutz manchmal notwendig?" und ,,Könnte gewaltfreie Intervention mit ausreichenden Mitteln den humanitären Bedarf an militärischer Intervention beseitigen?", was zu einer Diskussion darüber führte, was wir am besten tun können mit den Mitteln, die wir haben.
Bei der Auswertung wurde den Einladenden/ der Gesprächsleitung große Anerkennung gezollt, speziell Christine für die Beiträge, die sie an die Tafel geschrieben hatte. Einige waren der Meinung, dass sie sie in dem bestärkt hatte, was sie als Sprecher für Gruppen zu sagen hatten, die sich militärischer Intervention widersetzen. Die von Christine vorgestellten Typologien hätten eine große Klarheit darüber geboten, was gewesen sei und was existiere, aber es könne Visionen für Aktionen geben, die nicht hineinpassen.
(S. http://www.ppu.org.uk/war/peacekeeping.html für diese Typologie)
Arbeitsgruppen über eine große Bandbreite von Themen wurden an drei Nachmittagen der Konferenz angeboten; während einige im voraus geplant worden waren, gab es Raum für diejenigen, die an der Konferenz teilnahmen, die Gelegenheit zu ergreifen, dass sie viele erfahrene und unterschiedliche Aktivisten vorfanden und eine Arbeitsgruppe einberufen konnten, um Fragen vorzustellen, auszuarbeiten und Rückmeldungen über Probleme zu erhalten, an denen sie arbeiteten. Stil und Inhalt waren völlig offen für die Kreativität der Anbietenden, so reichten die Arbeitsgruppen vom Lernen von Fähigkeiten durch Erfahrung zu Präsentationen, von Diskussionen zu ins einzeln gehender Strategieplanung. Diese Nachmittage säten die Saat für neue Aktionen und Zusammenarbeit, die Entwicklung von schon auf dem Weg befindlichen Strategien und den Rückblick auf lange eingeführte Kampagnen. Sie reflektierten die weiten Felder des Lebens, z. B. Theater, direkte Aktion, Schreiben und das Engagement auf allen Ebenen politischer Aktivität, wo Menschen/ Teilnehmer/ wir neuen Raum schaffen und Wege zur Antikriegs- / Friedens- / gewaltfreier Arbeit finden.
Die Arbeitsgruppen waren folgende:
(den letzten Beitrag kann der Übersetzer nicht entziffern)
Übersetzung: Inge Dreger und Gerd Büntzly