WRI homepage > Publikationen > das zerbrochene Gewehr > Nr.42, März 1999
Liebe FreundInnen,
Die 22. Dreijahreskonferenz der Internationale der KriegsdienstgegnerInnen (War Resisters' International - WRI) unter dem Motto "Zusammen den Frieden wählen" war eine außergewöhnliche Veranstaltung, die FreundInnen aus aller Welt zusammenbrachte. 309 TeilnehmerInnen kamen aus 40 Ländern -- Argentinien, Australien, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Chile, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Guatemala, Indien, Indonesien, Israel, Italien, Kanada, Kolumbien, Kongo, Kosovo, Kroatien, Luxemburg, Mazedonien, Niederlande, Nordirland, Norwegen, Österreich, Paraguay, Rußland, Slowenien, Südafrika, Spanien, Schweden, Schweiz, Ungarn, Ukraine, Tschad, Tschechien, Türkei, Vereinigte Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Jugoslawien.
Wie Marko Strpic in einem Bericht der Antiwar Campaign Croatia schrieb: "Zumindest für mich war dabei am wichtigsten, Leute zu treffen. Wir konnten wirklich gute Beziehungen aufbauen." Sicher teilen viele andere diese Erkenntnis. Es ist einfach gut zu sehen, daß es noch andere Leute gibt, die an mehr oder weniger hoffnungslosen Orten auf dieser Welt versuchen, etwas zu tun.
Für den Gastgeber ARK war diese Konferenz sehr wichtig, da es ihre Verpflichtung zur Gewaltfreiheit erneuerte. So half die Dreijahreskonferenz, die Arbeit zur Förderung der Kriegsdienstverweigerung wieder aufzunehmen und ihr neuen Antrieb zu geben. Durch die Bemühungen mit der Organisation der Konferenz ist das Zagreber-ARK-Büro größer und stärker geworden. Die Aktivitäten im Zusammenhang mit der Dreijahreskonferenz brachte auch mehr Öffentlichkeit für das Centre for Civic Initiatives Porec und Unterstützung für deren Förderung der Menschenrechte und Stärkung der Position der Frauen.
Die Dreijahreskonferenz brachte mehr Öffentlichkeit für die Friedensarbeit. Zweimal wurde darüber im lokalen und nationalen Fernsehen berichtet. In der Tagespresse erschien sehr viel darüber. Interviews mit Greg Payton und Vesna Terselic wurden nach Ende der Konferenz veröffentlicht. Vielleicht brachten die Worte von Greg Payton, einem US-amerikanischen Vietnamveteran, die er während der Konferenz an die Kriegsveteranen in Pula, Kroatien, richtete, eine Veränderung. Leute aus der Region nahmen auch an einer Diskussion über Zivile Toleranz unter der Leitung der Dreijahreskonferenzteilnehmer Rob Fairmichael aus Nordirland, Gajo Sekulic aus Bosnien-Herzegowina und Vesna Terselic teil.
Diese Konferenz war ein wichtiger Schritt in der Artikulierung von Friedenspolitik für friedensgesinnte Leute aus den unterschiedlichen Ländern Vorkriegsjugoslawiens. Und sie war wichtig für die Internationale der KriegsdienstgegnerInnen. Wir konnten unser internationales Netzwerk verstärken und unsere Teilnehmer mit neuer Energie versehen. Das Dreijahreskonferenz-Geschäftstreffen nahm einen WRI-Strategieplan an, an dem jetzt gearbeitet wird. Die Keime, die während der Dreijahreskonferenz gelegt wurden, gehen jetzt überall in der Welt auf.
Wir hoffen, daß Euch dieser Bericht ermutigt und inspiriert. Er ist eine Aufzeichnung unserer Zusammenkunft, die wir mit Euch teilen und aus der wir lernen können.
Friede,
Vesna Terselic und Joanne Sheehan
ARK und WRI Vorstand
Wir danken allen, die durch ihre finanzielle Unterstützung diese Dreijahreskonferenz ermöglicht haben.
Stiftung Umverteilen (Deutschland), Objeción Fiscal (Spanien), Folkereisnig Mot Krig (Norwegen), Norwegische Regierung, 23rd October (Niederlande), Caritas (Belgien), WRI Chechnya/Russia Fund, Danish Peace Council, Solifonds-Die Grünen (Deutschand), Committee for Conflict Transformation Support, UNESCO Etxea (Baskenland, Spanien), Peacefund Canada, Myrtle Solomon Memorial Fund, Joseph Rowntree Charitable Trust, Istria County (Kroatien), Polden-Puckham Charitable Foundation, Holländische Botschaft in Kroatien, Kroatisches Tourismusministerium und den großzügigen Spenden vieler, vieler Einzelpersonen.
In den Plenarsitzungen am Vormittag wurden Ankündigungen, Weltnachrichten und kurze Präsentationen von TeilnehmerInnen behandelt und gezeigt, die in schwierigen und bedrohlichen Situationen zu gewaltfreiem Aktivismus kamen.
Serdar Tekin von der Izmir War Resisters' Association beschrieb, wie er und Kriegsgegner Osmat Murat Ülke Anfang der 90er eines Abends an einem Tisch saßen und eine Strategie zum Widerstand gegen den Militarismus in der Türkei ausarbeiteten. "Wir dachten, wir seien die einzigen in diesem Land. Wir sind sehr isoliert aufgrund der sehr militaristischen und authoritären Gesellschaft."
Die Gruppe setzte sich 1992 zum ersten Mal mit der WRI in Verbindung und fanden bald sehr wichtige internationale Kontakte zu anderen KriegsdienstgegnerInnen-Bewegungen, einschließlich der in Griechenland (dem traditionellen Feind des Staates Türkei). Antimilitaristen in Izmir, Istanbul und anderen Städten sahen sich bald offizieller Verfolgung und Verhaftungen gegenüber als Ossi offiziell das Wehrdienstgesetz herausforderte, indem er öffentlich seine Einberufungspapiere verbrannte - eine lange Reihe von Gerichtsverfahren und Freilassungen und Wiederverhaftungen begann. Die internationale Unterstützung war einer der Hauptfaktoren bei der Aufrechterhaltung der Moral, sowohl für Ossi als auch für seine Unterstützer. "Wir waren die ganze Zeit über nicht alleine. Wir fühlten uns wirklich in ein Netzwerk internationaler Solidarität eingebunden."
Yeni Damayanti beschrieb, wie aus Studentenkreisen in Indosien Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre eine Oppositionskultur entstand. "Wir versuchten, die Angstkultur aufzubrechen und die Leute besser zu informieren. Deshalb haben wir öffentliche Demonstrationen veranstaltet. Normalerweise nahmen wir Faälle von Landstreitigkeiten zum Anlaß, da so viele Bauern von ihrem Land vertrieben wurden, um Projekte - wie Golfplätze und Chemiefabriken - durchzuführen."
"Wir hielten die Demonstrationen öffentlich, waren aber sehr vorsichtig dabei. In unterschiedlichen Orten war die Gefahr unterschiedlich groß. DieDemonstration, die mich ins Gefängnis brachte, fand im Dezember 1994 statt. Da hatten wir uns irgendwie verrechnet. Wir standen vor dem Parlamentsgebäude und forderten, daß Suharto vor Gericht gestellt würde und das Militär aufhören sollte, Streitkräfte gegen Zivilisten einzusetzen. Wir forderten auch die Auflösung der außergerichtlichen Militätorgane. Dann kam das Militär."
Yeni wurde für ein Jahr eingesperrt. "Wenn man in Indonesien Aktivist ist, akzeptiert man, daß man mit einem Bein bereits im Gefängnis steht.." Sie lebte nach ihrer Haftentlassung drei Jahre im Exil und kehrte bald nach dem Sturz Suhartos nach Indonesien zurück.
Xhelal Svecla, ein Student der Zahnmedizin bei der UPSUP Health Commission in Prishtina (Kosovo) beschreib, wie er Aktivist wurde, nachdem er "versucht hatte, ein normales Leben zu führen .... die Augen zu schließen und zu denken, daß schon irgendjemand sich der Situation annehmen würde."
"Aber die Situation erreichte ein Stadium, wo man nicht länger nur den Fernseher ausschalten konnte, um sie nicht wahrzunehmen. Ich trat in die Studentengewerkschaft ein, nachdem ich sah, daß ich selbst etwas tun mußte, um meinen Leuten zu helfen, unsere sie und mich täglich zerstörende Lage zu verändern. Jetzt, da Krieg ist, gibt es meiner Meinung nach nicht viel Raum und Mittel für unseren gewaltfreien Kampf. Viele Leute Fragen uns, warum der gewaltfreie Kampf nicht funktionierte, und ich weiß selbst darauf keine Antwort."
"Ich hoffe, daß eine Zeit kommen wird, in der niemand auf der Welt den Fernsehapparat ausschaltet, wenn der Kosovo gezeigt wird, sondern jeder seine/ihre Stimme erhebt, um dieses Blutvergießen zu beenden und Gespräche zwischen den zwei Nationen zu beginnen - dem serbischen Regime (der Hauptschuldige) und der entsprechenden albanischen Seite - und ein für alle Mal diesen Völkermord im Kosovo zu beenden.".
Diane Rizek/Shaloufi stammt aus einer palästinensischen Familie aus Nazareth. "1948 wurde Israel Realität. Viele Palästinenser flüchteten wegen des Krieges in diesem Jahr oder wurden vertrieben. Eine Apartheidpolitik wurde eingeführt. Bauer verloren ihr Land. Unsere Geschichtsbücher wurden so verfaßt, daß der Haß gegen meinVolk gefördert wurde."
"Ich wurde während meiner Studienzeit zur Aktivisting. Der Haß wurde immer stärker in mir. Ich wollte das nicht, deshalb mußte ich etwas dagegen unternehmen. Nach unserer Heirat gingen mein Mann und ich nach Neve Shalom/Wahat al-Salaam, um die Geschichte darüber, wie die Leute in diesem Land zusammenleben, neu zu schreiben."
"Als gemischte Gesellschaft haben wir eine Menge Probleme. Aber wir versuchen, unsere Kinder - und die der umliegenden Dörfer - zu lehren, daß sie sich gegenseitig als gleichwertig betrachten sollen."
"Jetzt werden wir als ein Experiment angesehen. Viele Leute kommen und besuchen uns. Sie nehmen an unseren Workshops und Ausbildungskursen teil. Es kommen auch Lehrer - sogar aus dem Ausland (wie Griechenland und Kroatien), die lernen wollen, wie man mit den Kulturen und unterschiedlichen Sprachen umgeht; wie man mit all diesen Problemen umgeht. "
Auszüge aus Notizen von Howard Clark, Ellen Elster und Judith Pasternak
Vesna Terselic von ARK begrüßte die TeilnehmerInnen an der Dreijahreskonferenz und betonte die Schwierigkeiten, die die TeilnehmerInnen aus der Bundesrepublik Jugoslawien (Montenegro und Serbien, einschließlich der Vojvodina und dem Kosove) hatten. "Der Krieg im Kosovo wird stärker, und die humanitäre Krise hat bereits begonnen, aber die kroatischen Behörden haben den Leuten, die für den Frieden arbeiten und uns über die "andere Seite" des Konflikts informieren könnten, keine Visa erteilt."
Vesna erzählte den TeilnehmerInnen, daß eine der geladenen Teilnehmerinnen (eine Menschenrechtlerin aus dem Kosovo) wenige Tage vor der Konferenz schwer verwundet wurde, als das Fahrzeug, in dem sie saß, auf eine Landmine fuhr.
Der afroamerikanische Friedensaktivist Greg Payton sprach von seinem langen Weg vom Wehrpflichtigen über entlassenen Veteran zum Antikriegs-Organisator. "In den nächsten Tage werde ich mit Leuten aus Kroatien und Bosnien sprechen, die ein Kriegstraume haben, wie ich. Ich hoffe, daß ich einige der inneren Spannungen lösen kann, an denen viele Leute leiden, wenn ich über meine eigenen Erfahrungen spreche. Eine Möglichkeit, darüber hinwegzukommen, ist, über den Krieg zu sprechen.
"In nur 8 Wochen Grundausbildung wurde ich von einem Menschen zu einer Tötungsmaschine gemacht. Es war ein Prozeß der Entmenschlichung." 1967 sandte man ihn nach Vietnam.
"Rassismus war offensichtlich. Die Schwarzen verrichteten die Drecksarbeit, besonders wehrpflichtige Schwarze. Die Pflichten sollten nach dem Rotationsprinzip eingeteilt werden. Das war nie der Fall. Nach einiger Zeit verstand ich, daß die Schwarzen auf die gleiche Art behandelt wurden wie die Vietnamesen. Ich war enttäuscht. Ich beschwerte mich über die Praktiken in den Barracken. Dann wurde ich angegriffen. Ich wurde öfter von weißen US-Soldaten beschossen als von den Nordvietnamesen.
"In Vietnam fing ich an, Opium zu rauchen. Als ich heimkam, nahm ich Heroin. Das ließ mich die Gegenwart und meine Erlebnisse vergessen. Während der Drogeneinnahme versuchte ich, mit einer Familie ein normales Leben zu führen.
"Es war, als ob ich zwei Gesichter hatte. Schließ brach ich zusammen. Ich verlor alles: meine Familie, meine Arbeit, meine Würde. Ich wollte meinem Leben ein Ende setzen. An jenem Tag hörte ich ganz hinten in meinem Kopf eine Stimme.
"Ich wurde in das Veteranen-Krankenhaus gebracht. Dort bekam ich Kontakt mit Vietnam Veterans Against the War. Als es mir besser ging, begann ich mit anderen Veteranen zu sprechen. Wir litten an einer posttraumatischen Störung. Wir litten unter den gleichen Problem. Das vereinte us."
aus Notizen von Ellen ElsterDiese Sitzung wurde als Debatte unter Aktivisten aus Ex-Jugoslawien mit unterschiedlichen Ansichten über das Gleichgewicht zwischen Gerechtigkeit und Wiederversöhnung in Nachkriegsgesellschaften angesetzt. Diesen Aktivisten sollten eine Gruppe von Leuten aus anderen Nachkonfliktssituationen (besonders Chile und Südafrika) Fragen stellen.
Diese Plenarsitzung unterschied sich etwas von den anderen Plenarsitzungen am Abend, und zwar dahingehen, daß es keine geladenen Redner gab, die ihre Ansichten zu dem Thema vortrugen. Es war eher eine interaktive Sitzung, die es den TeilnehmerInnen an der Dreijahreskonferenz erlaubten, ihre eigenen Erfahrungen inzubringen, um den derzeitigen Stand der Konfliktlösung und dessen Bedeutung für die Friedensbewegung zu diskutieren.
Den TeilnehmerInnen wurde eine Reihe von Themen vorgeschlagen, und sie wurden aufgefordert, die unterschiedlichsten Diskussionsmethoden anzuwenden, um die gegensätzlichen Meinungen, Vorschläge und Perspektiven zum Ausdruck zu bringen. Die TeilnehmerInnen nutzten diese Gelegenheit, ihr ichteinverständnis zu formulieren und Meinungen auszutauschen. Unter den aufgeworfenen Themen waren: das Konfliktlösungspotential zur Neutralisierung der Kräfteungleichheit zwischen den Konfliktparteien; die begrenzten Konfliktlösungs-möglichkeiten, um diese gerecht zu handhaben und entsprechend eine Menschenrechtsperspektive mit einzubauen; sowie die Möglichkeiten, daß man mit Konfliktlösung die dynamik zwischenmenschlicher Konflikte behandeln kann, aber nicht die bei innernationalen Konflikten wirkenden Kräfte. Man hat auch Wege untersucht, wie die Einsichten aus Konfliktlösungsversuchen immer noch für Friedensaktivisten relavant sein könnten, wenn man die gegenwärtigen Unzulänglichkeiten erkennt und behandelt.
Mit dieser Sitzung sollten keine vereinbarten Schlüsse erzielt werden, aber trotzdem gab es einige:
Die Abschlußplenarsitzung schloß eine durchschlagende Rede von Koussetogue Koude aus dem Tschad ein. Koude wurde während des Bürgerkriegs im Tschad geboren ("ich gehöre einer geopferten Generation an"). Er arbeitet für eine Jugendorganisation, die gegen Diskrimination und Ungerechtigkeit angeht. "Wenn wir von Gewaltfreiheit sprechen und darüber, daß es möglich ist, eine Welt ohne Gewalt aufzubauen, nennt man uns Utopisten. Wie können wir von so etwas träumen, wenn wir in einer Welt mit immer mehr Grenzen und zunehmendem Nationalismus leben? Aber die Leute können es ablehnen, Krieg und Gewalt zu unterstützen .... Ich bin voll und ganz überzeugt, daß wir uns durchsetzen werden. Sie können mich Utopist nennen, aber ich bin tief überzeugt, daß es eine solche Welt geben wird."
"Dieser Tag war ein Erlebnis. Als ich 1979 bei WRI anfing, konnten viele Männer nicht akzeptieren oder verstehen, warum Frauen ihren eigenen Raum und ihre eigenen Konferenzen haben sollten. Nach einiger Zeit bildeten wir die Arbeitsgruppe 'Frauen'. Eines ihrer Ziele war und ist, die Themen der WRI aus einer mehr geschlechtsspezifischen Perspektive zu betrachten. "Aber der Tag der Geschlechter war kein Frauentag. Tag der Geschlechter bedeutete, daß wir die Welt aus beiden Perspektiven ansehen wollten, der der Männer und der der Frauen. Selbstverständlich haben wir unterschiedliche Perspektiven gewählt, wie Sprache, Rasse, Religion, Identität. Wir können die Welt aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln sehen. Und - nach vielen Jahren der Arbeit am Rande der WRI-Familie - wählten wir deises Mal den geschlechtsspezifischen Blickwinkel. "Ich danke, daß war ein gewaltiger Schritt vorwärts in der Geschichte der WRI."-Ellen Elster
"Auch nur ein ganz gewöhnlicher Tag" - so lautete einer der Kommentare zu dem Tag der Geschlechter, wahrschein ein frustrierter. Während dieser Tag für WRI eine wichtige Erfahrung darstellte und die Bereitschaft zeigte, diese Frage aufzugreifen, zeigte er auch, daß es immer noch die Frauen sind, die sich Ihres Geschlechtes und dessen Bedeutung am bewußtesten sind.
Ein paar allgemeine Probleme wurden durch die Widmung eines Tages für das Thema Geschlechter hervorgerufen. Dieses Thema "ist eine Frage, die nicht innerhalb von Minuten abgehandelt werden kann, da wir Vertrauen ineinander haben müssen", sagte eine/r der ReflektorInnen. Viele Leute kannten sich vorher nicht. Es gab nicht genug Zeit, die Clichés zu übergehen, tieferes Verständnis für diese komplexe Frage zu bekommen. Und der/die gleiche ReflektorIn bemerkte: "die Männer hatten nicht genug Vertrauen, um persönlich zu werden; manche fühlten sich von dem Thema bedroht. Sie akzeptierten, daß die "Geschlechter" das Thema des Tages waren, waren aber nicht in der Lage, dieses Thema über einen unpersönlichen und akademischen Weg hinaus anzugehen." Einige zogen sich sogar zurück. Während der Abendplenarsitzung machte eine der Frauen eine wichtige Bemerkung, die vielleicht ein paar der Schwierigkeiten dieses Tages erklärt. Sie sagte, daß dieser Tag für die meisten Frauen wahrscheinlich das erste Mal war, daß sie geschlechtsspezifische Fragen in gemischten Gruppen diskutieren konnten. Und für die meisten Männer war es die erste Gelegenheit, solche Fragen in Gruppen zu diskutieren.
Einige der Kommentare während der Diskussionen hoben die Schwierikeiten des Themas hervor: "Männer agieren, Frauen passen sich an." "Ich folge nur meinem Gewissen". Dazu bemerkte eine/r der ReflektorInnen, daß "es für eine Frau schwer ist, dies zu sagen, unter dem Druck von außen, sich anzupassen". Besteht das Problem darin, daß Männer nicht zugeben wollen, daß sie sich auch anpassen, daß ihr "Agieren" Teil des Anpassens ist?
Zumindest die Anwendung der "Reflektor"-Methode machte diesen Tag zu einem außergewöhnlichen. Sechs Personen (vier Frauen und zwei Männer) wurden ausgewählt, um die Diskussion in den Themengruppen, Workshops und in der Zeit dazwischen zu beobachten. Sie erstatteten während der Plenarsitzungen am Abend Bericht. Das bedeutete, die während der Diskussion über "Geschlechter"-Themen in gemischten Organisationen, wie WRI, vorhandenen Schwierigkeiten aufzuführen.
Aber es war eine ambivalente Erfahrung. "Vielleicht hatte man das Gefühl, daß die Anwesenheit von ReflektorInnen die Spontanität der Diskussion beeinflußte und dadurch wußten viele unsere Gegenwart nicht zu schätzen", sage eine/r der ReflektorInnen. "Aber andererseits ist es wichtig, daß die Anwesenheit der ReflektorInnen vielleicht die Leute doch dazu brachte, über "Geschlechter"-Themen zu diskutieren.
Die ReflektorInnen sammelten eine Menge Eindrücke. "Aber die positive Energie des Tages spiegelte sich nicht in den Plenarsitzungen. Ich denke, daß das Output in den Plenarsitzungen dem nicht angemessen war," überlegt eine/r der ReflektorInnen. Das war das Ergebnis einer Fehlplanung des Tages. Die ReflektorInnen hatten nur 1 ½ Stunden Zeit, ihre Präsentationen vorzubereiten.
War der Tag ein Erfolg? Kommentare von zwei ReflektorInnen: "Trotzdem spürte ich - besonders gegen Abend - daß die Grenze überschritten wurde, wo innerhalb einer gemischten Gruppe ein wirkliches und aufrichtiges Verstehen herrscht." "Ich war gerne ein/e ReflektorIn während des Tags der Geschlechter und freue mich, daß doch ein bißchen Fortschritt erzielt wurde. Jetzt müssen wir sehen, daß dieses Ereignis (dieser besondere Tag) in den Alltag der WRI-Familie übertragen und zur Normalität wird." "Jeder Tag ist ein Tag der Geschlechter."
Bericht von Andreas Speck und Majken Sørensen
Die Ziele der Gruppe waren, die Umweltbelange der Antimilitaristen darzulegen, die Verbindungen zwischen Militarismus und Umweltzerstörung zu erkunden, die angewendeten Methoden zu vergleichen und voneinander - als Antimilitaristen und Umweltschützer - zu lernen.
An Tag 1 wurden die Verbindungen zwischen Umweltzerstörung und Militarismus untersucht und entsprechende Fragen für unsere Diskussionen bestimmt.
Für Tag 2 gab es zwei Fallstudien: Ein Video und eine Präsentation zur Kampagne gegen Nukleartransporte in Deutschland und eine Präsentation zu Genetix Snowball, einer UK-Kampagne gegen Gentechnologie.
Zu Tag 3 (Tag der Geschlechter) wurden zwei Fragen gestellt: In welchem Ausmaß sind geschlechtsspezifische Themen Teil Eurer Bewegung/Gruppe und hilft die Art, auf der Ihr sie angeht, diese zu behandeln oder verstärken sie sie eher noch? In wieweit haben diese Themen mit Militarismus und Umweltzerstörung zu tun? (Diese beiden Fragen wurden gleichzeitig in einer Männergruppe und einer Frauengruppe diskutiert.)
An Tag 4 wurde über spontane Fragen diskutiert, wie den folgenden: "Das Patriarchat, eine Grundlage für Militarismus und Umweltzerstörung"; "Wir haben keine Zeit, uns in unseren Bewegungen des Sexismus anzunehmen, angesichts des bevorstehenden Zusammenbruchs unseres ökologischen Systems."; Ein Kompromiß zwischen Arbeitsplätzen und einem gesunden ökologischen System ist unbedingt erforderlich"; Unser Wirtschaftssystem ist eine Form des Krieges"; Multinationale Organisationen können nicht reformiert werden"; und "Ziviler Ungehorsam sollte immer das letzte Mittel sein". Eine Fallstudie zeigte die Kampagne gegen den Bau eines Zellstoffwerks in Chile.
Am 5. und letzten Tag wurden die Unterschiede in den gewaltfreien Strategien Westeuropas und Chiles angesehen, Punkte für zukünftige Aktionen zum Zivilen Ungehorsam erörtert, gegenseitige mögliche Unterstützung in den verschiedenen Ländern und die Einbindung ökologischer Belange in die Arbeit der WRI untersucht. Die Mitglieder der Gruppe übernahmen persönliche Verpflichtungen. Zusätzlich wurden die Empfehlungen der Gruppe teilweise in den WRI-Strategieplan aufgenommen.
Die folgenden Bewertungskommentare wurden u.a. abgegeben:
Wir versuchten, jeden Morgen ähnlich zu gestalten und das Eis zu brechen, indem wir ein paar kreativere Sachen unternahmen oder ein Spiel spielten oder eine Pause machten oder Musik hörten. Jeden Tag sahen wir uns besondere Aspekte des Themas an und einen besonderen geographischen Konflikt. Zu letzterem konnten wir über Euskadi (Baskenland), Kroatien, Bosnian-Herzegowina, Kosovo, Tschad und Nordirland sprechen. Manchmal nur allgemein, manchmal mehr auf unser Thema ausgerichtet. Die TeilnehmerInnen an der Themengruppe waren hauptsächlich Europäer.
Unter den allgemeineren Aspekten des Themas, die wir zu untersuchen versuchten, waren der Stand der Friedensprozesse (eine Liste der Stadien wurde speziell für diese Gruppe entwickelt und als Barometer/Spektrum verwendet), die Geschlechterfrage, die Möglichkeit der Einflußnahme auf politische Prozesse, die Roller der Nichtregierungsorganisationen, Wirtschaft, usw.
'Neutralität' oder Unparteilichkeit war ein sehr wichtiges Themen. Niemand verwendete den Begriff "neutral" und "Unparteilichkeit" paßte nicht in allen Fällen oder war nicht angemessen für die Arbeit einiger Leute. Man war der Meinung, daß Wirtschaft ein von Friedensaktivisten ignoriertes Gebiet sei, aber fruchtbarer untersucht weden könnte. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Stärkung von Graßwurzelgruppen der Einwohner in Krisengebieten anstatt der Haltung "wir" mußten schnell eingreifen.
Hinsichtlich der Geschlechterthemen informierten wir uns gegenseitig über die unterschiedlichen Situationen der Frauen hinsichtlich Macht und Graswurzelgruppen in den unterschiedlichen Situationen.
Selbst zehn oder elf Stunden reichen nicht aus, ein so umfangreiches Thema zu behandeln, und viele Fragen blieben offen. Zusammenfassende Fragen und Kommentare waren u.a.:
Die Gruppe bestand aus ca. 35 Leuten, die aus den unterschiedlichsten Ländern kamen und die unterschiedlichsten theoretischen und praktischen Erfahrungen zum Thema Identität mitbrachten. Ein Großteil der Diskussion bliebn auf einem vorläufigen und sondierenden Niveau. Trotzdem fanden dies viele TeilnehmerInnen wertvoll, da sie das Thema vorher kaum untersucht hatten. Es ist klar, daß dieser Bereich für viele in der Friedensbewegung Neuland ist und weiter sondiert werden sollte.
Am ersten Tag wurden die Leute erst einmal in der Runde befragt, wie sie sich selbst identifizieren und welche ihrer Identifikationen wichtig für sie seien. Danach wurde in kleinen Gruppen die Frage diskutiert: "Wenn dich Leute betrachten, wie identifizieren sie Dich Deiner Meinung nach?" Am Schluss dieser Sitzung ließen wir die Leute ihre Gedanken und Gefühle aufschreiben hinsichtlich "Gruppenidentität" und "individueller Identität".
Der zweite Tag war auf nationale Identität und Konflikt ausgerichtet. Zu Beginn wurde immer in Paaren diskutiert. Die Leute fragten sich gegenseitig über Zeiten, in denen sie ihre nationale Identität betonen wollten oder sie als besonders wichtig für sich hielten.
Der Tag der Geschlechter begann mit einer Befragung in der Runde zu: "Als Du heute morgen aufgewacht bist, warst Du Dir da Deines Geschlechts bewußt?". Nach einem kurzen Rollenspiel und einer Diskussion wurden die TeilnehmerInnen gebeten, sich in kleine Gruppen aufzuteilen, und jede Gruppe sollte eine Konfliktsituation identifizieren, in der das Geschlecht eine Rolle spielte. Interessanterweise berichtete keine der Gruppen bei der Rückmeldung über spezifische Erfahrungen, sondern sie gaben alle ihre allgemeinen Überlegungen dazu und besonders was sie über die Diskussionen am Morgen des Tages dachten.
Der vierte Tag begann mit einer Fortsetzung der Diskussion vom Tag der Geschlechter, und zwar intensiver und konstruktiver als an dem Tag selbst. Wir stießen auch auf die interessante Frage, welche Art von "kollektiver Identität" diese Themengruppe bis dahin entwickelt hatte. Dann verbrachten wir viel Zeit mit Diskussionen in kleinen Gruppen - jeder Gruppe wurde eine bewußt provokative Erklärung über Identität zur Diskussion gestellt. Dann kamen die Rückmeldungen an die Gruppe.
Am vierten Tag wurden zuerst die Leute, die in den Diskussionen verhältnismäßig still waren, gebeten, Kommentare abzugeben, wenn sie das wollten. Dann wurde darüber in kleinen Gruppen diskutiert. Im Anschluß daran folgte ein Zusammenfassen der Vorschläge, wie WRI diese Diskussionen fortführen könnte. Der Tag endete mit einer kurzen Bewertung.
Wir hatten viele positive Rückmeldungen über die Gruppe. Ich denke, die Leute fanden sie sehr angenehm. Für die meisten schien sie interessant und wertvoll gewesen zu sein. Es steht außer Frage, daß die Themengruppe eine eigene "Gruppenidentität" entwickelt hat. Die Leute benutzten die vorgebrachten Ideen als Rahmen, um andere Diskussionen, an denen sie teilgenommen hatten, zu reflektieren.
Allerdings glaube ich nicht, daß wir in der Diskussion der Dynamik einer Identität sehr weit gekommen sind. Wie einige feststellten, "haben wir so viel Zeit damit verbracht, Identität zu interpretieren, daß wir keine Zeit mehr hatten, ihren Bezug zu Konflikten zu diskutieren." Die beachtlichen Unterschiede zwischen den TeilnehmerInnnen und die relative Neuartigkeit des Themas für viele davon waren wahrscheinlich die Hauptgründe, daß wir nicht tiefer vordringen konnten.
Themen zu "Privilegien" erwiesen sich als besonders heikel. Das Geschlecht war wahrscheinlich das explosivste Einzelthema - aber nationale/ethnische Identität konnte auch nur schwer mit etwas Tiefgang diskutiert werden. Themen wie religiöse und Klassen-Identität wurden kaum aufgegriffen. Vielleicht hätten uns Diskussionen in ganz kleinen Gruppen weitergebracht.
Das Geschäftstreffen der Dreijahreskonferenz war sich allgemein einig, daß dies ein Bereich ist, den WRI weiter sondieren sollte und an den man denken sollte bei der Aufstellung der Agenda für zukünftige Treffen. Aber es wurde kein spezieller Plan dazu erarbeitet.
Bericht verfaßt von Maggie Helwig.Eine ausführlichere Fassung kann auf der WRI-Webseite eingesehen werden.Dieses war die größte thematische Gruppe, anfangs mit vielleicht 60 Leuten. Es war auch die bunteste Gruppe, mit einer bedeutenden Untergruppe aus Bosnien und Kroatien und drei Chilenen. Die erste Sitzung fing spät an, da alle thematischen Gruppen sich bilden und ihre Räume finden mußten und die Übersetzung organisiert werden mußte.
Die Eröffnungssitzung war einfach: eine Runde mit den Namen, den Organisationen, Ländern; ein Namenspiel (man warf ein Kissen und rief den Namen des Empfängers); Treffen von Sprachgruppen über die Frage, warum die Leute die Gruppe gewählt hatten und was sie hofften/ erwarteten; Ankündigung einer Übung für morgen: "Ein Augenblick, als ich meine/ unsere Stärke fühlte."
Der zweite Tag begann mit der Skizzierung des ungefähren Fortschrittes, den wir während der Woche machen wollten, in einer Bewegung von Klein zu Groß, vom Persönlichen zum Sozialen. Dann: zuerst in Vierergruppen eine Runde, in der jeder den anderen eine Geschichte erzählte: "Ein Augenblick, als ich meine/ unsere Stärke fühlte"; zweitens eine Runde mit der Frage: "Woraus bestand dieses Gefühl von Stärke?" _ "Welche Faktoren ermöglichten es?" _ und "War es wirklich oder Illusion?" Ein Brainstorming und eine Diskussion folgten.
Am "Tag der Geschlechterrollen" - dem 3. Tag - untersuchten wir die Kulturen von Gehorsam, Solidarität und Widerstand. In unserer Einleitung war hervorgehoben, daß ähnliche Übungen unter dem Aspekt von Rasse oder Klasse durchgeführt werden konnten.
Der 4. Tag untersuchte die Eigenheiten sozialer Stärkung. Schlußfolgerungen und Auswertungen wurden am 5. Tag gemacht. Schriftliche Äußerungen umfaßten Listen von Faktoren, die ein Gefühl für Stärke geben und Faktoren, die entmotivieren/ den Sinn für Stärke vermindern; eine Liste von Merkmalen sozialer Stärkung, und eine Liste für die zukünftige Arbeit der WRI an sozialer Stärkung.
Das ist ein riesiges Gebiet, und es war eine riesige Gruppe, die versuchte, es mit Methoden der Teilhabe und des "Herauslockens" in Angriff zu nehmen. Wir begrüßten die reiche Verschiedenartigkeit der Erfahrung innerhalb der Gruppe. Allerdings: die Schwierigkeiten der Überbrückung der Zusammenhänge der lateinamerikanischen und westlichen Friedensbewegung waren viel geringer als die einer guten Verbindung mit dem bosnisch-kroatischen Zusammenhang.
Die meisten Teilnehmer äußerten ihre Zufriedenheit mit der Arbeit am 2. Tag. Was wir allerdings zusammenstellten, waren Listen, auf denen einige Punkte standen, die tiefer erfaßt werden sollten. Vor allem ist eine Liste keine strukturierte Analyse, zeigt nicht die Muster oder schlägt nicht die Werkzeuge für die Analyse bestimmter Fälle vor.
Das Thema "Kultur des Gehorsams" am 3. Tag wurde ebenfalls weithin geschätzt, auch wenn eine Frau mir sagte, es sei eine weitere "Austauschrunde" gewesen, ohne irgendetwas zu vertiefen oder Schwierigkeiten anzusprechen. Während des Berichts gab es einige Sprannungen zwischen Männern und Frauen. Die verschiedenen Methoden, die von den Gruppen benutzt wurden, bedeuteten, daß die Frauen eine ausführlichere Liste von Punkten hatten, die mehr persönliche Erfahrung umfaßte, während die Männer eine kürzere und pointiertere Liste erstellten, nachdem sie die persönlichsten Elemente zu zweit oder zu dritt diskutiert hatten. Das verschärfte den Unterschied, der von einer Frau so gesehen wurde, daß "Frauen einen Druck fühlen, sich anzupassen, Männer dagegen, etwas zu leisten."
Die Männergruppe hatte eine interessante Abschweifung zum Thema, ob die Anpassung an ein männliches Rollenmodell als "entmachtetes Verhalten" gesehen weren sollte, da es in mancher Hinsicht "übermächtig" ist und Frauen Macht wegnimmt.
Die Teilnehmer waren zufrieden mit unserer Methode des "Hervorlockens" zu Beginn, aber ich denke, sie hätten, um über ihre existierenden Grenzen hinauszugehen, sich auf einige bestimmte Fälle konzentrieren und man hätte ihnen einige spezifische Rahmen für die Analyse anbieten sollen. Das bedeutet mehr theoretische Vorgaben, entweder solche, die von den Veranstaltern kommen und in einigen der Übungen enthalten sind oder von einer Person aus der Gruppe. (Selbst wenn man die Teilnehmer veranlaßt, ein besonderes Gitter von Fragen um Macht herum auszufüllen, impliziert das Theorie.)
Einige der Reden in der Vollversammlung zu Beginn eines jeden Tages hätten zu unserer Diskussion beitragen können, besonders die von Yeni aus Indonesien, die beschrieb, wie sie dort ihre Bewegung aufgebaut haben. Vielleicht wäre es gut für jede Themengruppe, mit einer kurzen Runde anzufangen und den Leuten die Gelegenheit zu bieten (aber sie nicht zu verpflichten), über Dinge zu berichten, die sie anderswo in der Konferenz gehört haben, die zu unserer Diskussion beitrugen.
Bericht von Howard Clark. Eine längere Fassung ist erhältlich auf der WRI-Webseite.Wir sind heute Zeuge einiger struktureller Änderungen in den Streitkräften aller Staaten - sichtbarer im Norden als im Süden - die ernster zu sein scheinen als nur eine weitere Reform.
Souveränität von Territorien ist nicht mehr die Hauptsorge unserer Gesetzgeber und der Militärs. Die Hauptsorge heute ist es, wie man nationale - oder regionale - Interessen durchsetzt in dem scharfen Wetbewerb, der aus der Globalisierung auf allen Ebenen erwächst. Das bedeutet Intervention im Ausland, wenn immer und wo immer sie benötigt wird, politische, wirtschaftliche und, warum nicht, militärische Intervention - sowohl kriegschaffende wie friedensschaffende militärische Intervention.
Aber Globalisierung bedeutet auch Druck von unten, von einer Zivilgesellschaft, die ihre Meinung über Gegenstände hat wie die Umwelt oder die Situation von Kriegen und Menschenrechten überall; das hat bereits einige Staatsregierungen gezwungen, sich an einigen Interventionen zu beteiligen, die ihre Doktrin des Nationalinteresses nicht berühren.
Unsere Gesellschaften vertreten eine gewisse Anzahl von Werten, die von ihrer Natur her mit denen der Militärs unvereinbar sind: Nichtdiskriminierung aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion, Abstammung, Rasse usw.; Umweltschutz; Respekt vor den Menschenrechten, sowohl vor denen von Gruppen wie von Individuen; soziale Gerechtigkeit; Waffenhandel usw. Diese Werte scheinen sich in jeder neuen Generation weiter zu verbreitern, daher ist es vernünftig zu denken, daß sich in der Zukunft bessere Gelegenheiten für Friedensaktionen eröffnen werden.
Die Streitkräfte selbst versuchen, sich diesen neuen Werten anzupassen. Beschäftigung mit Geschlecht, sexueller Orientierung und Umwelt gibt es bereits heute in einigen Streitkräften - wenn auch nur, um sich auf sie zu beziehen, wenn mehr Rekruten gebraucht werden. Diese Anpassung ist zweiseitig. Zum Beispiel können die Soldaten in einigen Staaten ihre Sorgen einem Ombusmann berichten: Das führte zu weniger Willkür und in der Folge zu größerer Legitimation des Militärs. Gleichzeitig können die Streitkräfte zivile Werte nicht vollständig abbilden, weil sie dann aufhören würden, Streitkräfte zu sein. Eine gewisse Spannung wird immer zwischen den traditionellen militärischen Werten und den neu entstehenden zivilen Werten bestehen. Diese Spannung oder Konfrontation ist unser Mobilisierungspotential.
Frauen werden heute in vielen Streitkräften zugelassen, einschließlich in Spezial- und Kampfprogrammen, aber das Zulassungskrierium ist, daß sie sich genau wie Männer verhalten, daß sie genau dieselben Dinge tun und dieselben Erfordernisse erfüllen. Wir sind glücklich zu beobachten, daß diese Art von Integration den Militärinstitutionen einige Probleme bereitet, aber das ist klarerweise nicht die Art, mit Fragen der Geschlechter umzugehen. Unsere Sorge ist es nicht, daß das Militär eine Politik der gleichen Möglichkeiten hat oder daß das Recht eines Individuums zu einer bestimmten Karriere erhalten wird. Wir versuchen eher, zu einer nicht-patriarchalen Gesellschaft hin zu bewegen, in der, sehr offenkundig, Armeen keinen Platz haben.
Ein anderer Punkt, den wir untersucht haben, ist der Konflikt zwischen den sozialen und den militärischen Sphären über öffentliche Ausgaben. Das Militär hat normalerweise versucht, diesen Konflikit zu lösen, indem es seine Rolle neu erfand, zum Beispiel durch Betonung seiner Rolle bei Naturkatastrophen oder durch die Darstellung von "humanitärer Intervention" als kosteneffektive Alternative zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen.
Das letztliche Ziel der WRI ist die Abschaffung der Armee, aller Armeen. Das ist wirklich ein ehrgeiziges Ziel, aber wir können es langsam erreichen, wenn unsere Friedensaktion das Ziel hat, das Militär und seine Handlungen zu entlegitimieren.
Unter Entlegitimierung verstehen wir eine Verminderung der Zusammenarbeit und des Einverständnisses der Menschen. Das ist das Schlüsselkriterium, nach dem wir jede Strategie, die entwickelt worden ist, beurteilen sollten. Einige zu untersuchende Gebiete sind:
Ungefähr 18 Frauen nahmen an der thematischen Gruppe teil (aus Bosnien, Großbritannien, Tschetschenien, Chile, Kroatien, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Serbien, Spanien, der Ukraine und den USA).
Obwohl die traditionellen Rollen der Frauen (Sorge um die Verletzlichen, Aufbau von Beziehungen und Kommunikation) Gefahren mit sich bringen, war offensichtlich, daß die besonderen Fähigkeiten, die Frauen auf diesen Gebieten entwickelt haben, anerkannt werden und von der Friedensbewegung auf lange Sicht hin geschätzt, unterstützt und als Stütze genutzt sollten.
Am ersten Tag stellten wir uns vor, erzählten, wer wir sind, was wir tun und unsere Erwartungen. Wir fügten auch ein paar Worte über die Bedeutung unserer Namen bei. Dann durchliefen wir kurz die Geschichte der Frauen in der WRI, Helga begann mit einem Bericht über Sibyl Morrison und Myrtle Solomon. Dann erzählten Ellen, Shelley, Casha und Carmen jede ihre Geschichte aus der Frauenarbeitsgruppe der WRI. WIr beendeten diesen Tag mit der Diskussion einiger Punkte über das Spezifische von Frauen im Frieden, oder ob es irgendetwas Spezifisches gebe.
Am zweiten Tag berichtete Karoline aus Norwegen über ihre Erfahrungen aus der Filmproduktion, wie sie mit Frauen in Konfliktsituationen arbeitet und besonders mit Frauen, die während des 2. Weltkrieges in einem Konzentrationslager gelitten hatten. Wir sahen Stücke aus ihrem Film "The time of darkness" ("Die Zeit der Dunkelheit"), der später während der Woche als Ganzes gezeigt wurde.
Am dritten Tage berichtete Shelley, Niederlande/ USA, über ihr Projekt im Frauen-Friedensprogramm der IFOR, besonders über den Teil des Programms, der soziale Stärkung betrifft. Shelley stellte das volle Programm später in einer Arbeitsgruppe vor und zeigte ein Video von der ersten Konsultation in Europa. Nach ihrer Einführung folgte eine Diskussion über Strategien von Frauen in ihrer Arbeit, Stärken und Schwächen, sowohl bei Einzelpersonen wie Organisationen.
:Am 4. Tag hatten wir eine Runde, um den Tag der Geschlechterrollen zusammenzufassen. Dieser Bericht wird in den Bericht von der Arbeitgruppe der Frauen eingeschlossen werden, die später in dieser Woche stattfand. Sara berichtete über ihre Erfahrungen in der Organisation der Verschwundenen in Chile und wie Frauen bei dieser Arbeit eine besondere Rolle spielten.
Am 5. und am letzten Tag berichtete Irina aus der Ukraine über ihre Arbeit, bevor wir zusammenfaßten. Shelley und Ellen hatten einen Bericht von der Gruppe skizziert, der diskutiert wurde. Dann bewerteten wir die Arbeit der Woche mit einer Runde. Maia aus Tschetschenien kam ganz zum Schluß und gab uns eine kurze Einführung in die Situation in ihrem Land.
Von der Auswertung wurde betont, daß die Mischung aus Vorstellung und Diskussion in einer gefühlsgeladenen Atmosphäre Möglichkeiten gab, zuzuhören und voneinander zu lernen, und inspiriert und zur Fortsetzung unserer eigenen Arbeit befähigt nach Hause zu fahren. Die Vernetzung war wichtig, auch für die zukünftige Arbeit. Es wurde auch von Verschiedenen erwähnt, daß Freunde aus Belgrad und Kosovo/a in der Gruppe vermißt wurden.
Bericht von Ellen Elster.Die Gruppe schrieb auch eine gemeinsame Stellungnahme, die auf der WRI-Webseite oder durch das Büro erhältlich ist.Diese Gruppe untersuchte die Kräfte sozialen Wiederaufbaus auf der Graswurzelebene, wo es oft notwendig ist, Institutionen (und Arbeitsweisen) aufzubauen, die vorher niemals existiert haben. Es war den Teilnehmern nur zu klar, daß internationale Übereinkommen -- nicht gerade auf dem Balkan, aber in anderen Konfliktgebieten der Gegenwart -- nur einen Deckel auf die Konflikte setzen. Die Gesprächspunkte waren u. a. Straflosigkeit, die Bekanntmachung der Verbrechen eines Regimes oder des Krieges, und das Auffinden einer gerechten Grundlage für zukünftigen Frieden.
Etwa 40 Arbeitsgruppen wurden während der fünf Tage der offenen Konferenz abgehalten. Eine vollständige Liste der Arbeitsgruppen und ihrer Teilnehmer ist auf der WRI-Webseite zu finden.
Matt Meyer eröffnete das Treffen, indem er die Geschichte der WRI AWG diskutierte, mit ihren Ursprüngen beim Dreijahrestreffen von Brasilien. Er erklärte den Prozeß, durch den vorbereitende Kontakte eingerichtet wurden, sowohl in französisch- wie in englischsprachigen Ländern, und hob die Schwierigkeiten bei der Schaffung und Aufrechterhaltung von Kontakten hervor.
Bericht über Südafrika: Südafrika heute, rief Farid Esack aus, "ist im Schlamassel". Eine Folge des bewaffneten Kampfes ist die Entwertung des Lebens, die Entmenschlichung der Gesellschaft. Im Nach-Apartheid-Südafrika kann ein Mensch für eine Zigarettenschachtel getötet werden. Auf der anderen Seite ist Südafrika ein erstaunliches Land -- das einzige Land, das freiwillig seine eigene Atombewaffnung zerstört hat, das einzige Land, in dem Friedensaktivisten regelmäßige Treffen und offene Foren mit dem Verteidigungsminister abhalten, wo die Regierung den Wandel der Geschlechterverhältnisse unterstützt. Es gibt ein ernsthaftes Problem mit Waffenproduktion und -verkäufen -- die Spielzeuge für die Jungs, aus denen die bewaffnete Macht besteht -- aber es gibt Anstrengungen, nach der Nutzung alternativer Methoden zu suchen, und die Waffenindustrie steht jedes Jahr vor ernsten wirtschaftlichen Einschnitten. Diese Aspekte des neuen Südafrika helfen dabei, den breiteren Kampf für Vermenschlichung zu fördern.
Die Kommission für die Gleichberechtigung der Geschlechter mit Farid an der Spitze ist ein Teil dieses breiteren Humanisierungsprojektes. Obwohl sie im allgemeinen mit der Regierung zusammenarbeitet, hat die Kommission die Macht, Ermittlungen anzustellen, Vorladungen auszusprechebn, Dokumente zu suchen und zu beschlagnahmen - einschließlich in Büros und bei Beamten der Regierung.
Bericht über den Tschad: Koude begann mit der Diskussion der 30 Jahre Bürgerkrieg, die der Tschad erlebt. "Noch heute", stellte er fest, "leben wir in einer Kultur der Gewalt." Trotz der Tatsache, daß Gewaltfreiheit sehr schwer zu erreichen ist, schlägt die tschadische Zivilgesellschft (einschließlich "Tchad Nonviolence" (TNV) und viele andere Gruppen) vor, das Tragen von Waffen in der gesamten Gesellschaft des Tschad zu verbieten. "Es gibt so viele Gewehre, Messer und traditionelle Waffen, leicht artet jeder Kampf in Gewalt aus."
Seit 1990 ist der Tschad offiziell in einem Prozeß der Demokratisierung, aber die meisten zivilen Organisationen glauben nicht, daß das wirklich ist, es sind bloß Worte von oben. Anfang 1993 wurden nach einer nationalen Konfernz der Zivilgesellschaft Forderungen nach Lehrplänen über Friedenserziehung und Menschenrechte aufgestellt. Da die Regierung dem jedoch nicht entsprach, haben TNV und andere Gruppen angefangen, diese Arbeit auf freiwilliger Basis zu machen.
Beim Abschlußplenum der Dreijahreskonferenz hob Koude die Bedeutung einer Verbindung der WRI nach Afrika hervor. "Diese Konferenz hat einen wirklichen Rahmen für Austausch geboten", sagte er. "Im Tschad von heute gibt es nur zwei Wege, um berühmt zu werden: entweder Kriegsheld zu werden oder sich an der Antipolitik der leeren Worte zu beteiligen. Die Zeit ist gekommen, dem ein Halt entgegenzusetzen. Wir beginnen vielleicht mit einer kleinen Saat, aber diese Saat wird wachsen. Wir müssen weiter zusammenarbeiten, so daß wir den Gewinn aus dieser Saat ernten können."
Weitere Arbeit der WRI in Afrika: Michel Monod berichtete über seine Arbeit mit Gruppen in Kongo-Brazzaville, wo er sehr kurz vorher (Jan. 1997) hingereist war. Es war eine Spannungszeit wegen der Wahlen, da in großen Mengen Waffen ins Land gebracht wurden. Michel leitete einen kleinen Arbeitskreis in Gewaltfreiheit und übermittelte einen Gruß vom Präsidenten der Congo Nonviolence Association.
Bindi erwähnte, daß sie gerade von einer Arbeit in Niger gekommen sei und unter der Schirmherrschaft von Care zweitägige Konfliktlösungstrainigs geleitet habe.
Zukünftige Arbeit: Gruppenmitglieder leiteten ein Brainstorming über zwei Hauptarbeitsgebiete: Veröffentlichungen/ Bildung und Konferenzen/ Aktionsunterstützung. Bei der Publikations- und Bildungsarbeit wurde beschlossen, daß Mitglieder da, wo es paßt, Artikel in nationalen und regionalen Organen unterbringen, die sich an afrikanische Gemeinschaften im Ausland richten.
Bericht von Matt Meyer. Eine längere Fassung auf der WRI-Webseite.Ein spzieller Arbeitskreis unter der Leitung von Maurice Montet (UPF, Frankreich) auf der Konferenz befaßte sich mit den harten Bedingungen für Rekrutierte und Deserteure in Algerien. Kampagnen für Asyl sind in verschiedenen Ländern entwickelt worden, mit Einsatz von WRI-Mitgliedern in manchen Fällen.
Man einigte sich auf die folgenden Vorschläge:
Maurice, René Burget und UPF werden als Sammelpunkt für Informationen über den Status von Algeriern im Ausland dienen, ebenso wie für nationale Politik zum Thema Asyl und die Behandlung von algerischen Deserteuren;
René, Jan und Rudi Friedrich (Connection e. V., Deutschland) werden eine Broschüre zusammenstellen, in der sie diese Information verwerten; interessierte WRI-Mitglieder sollten gesammelte Daten bis Ende Januar 1999 an UPF liefern;
Der Internationale Tag der Kriegsdienstverweigerer 1999 (15. Mai) sollte sich auf die Themen mit Bezug auf die algerische Lage konzentrieren, und
Artikel für Peace News und verschiedene Publikationen sollten vorbereitet werden.
Patricio führte uns in eine Übung ein, die in seinem Land angwandt wurde, um Menschen während der Diktatur in die Lage zu versetzen, trotz ihrer Ängste zu handeln. Er bat uns, an eine Zeit zu denken, als wir viel Angst hatten. Ohne Worte sollten wir unsere Angst durch die Lage unseres Körpers ausdrücken. Dann teilte er uns in Paare ein. Wir wurden gebeten, zu versuchen, die Angst der anderen Person zu beseitigen, während wir noch unsere eigene Angst fühlten. Dann ließ der Moderator uns zu viert zusammensetzen und dann mit der ganzen Gruppe in Kontakt treten. Die meisten hatten das Gefühl, daß es schwierig sei, die eigene Furcht beizubehalten, während man in Kontakt mit anderen war, besonders mit der ganzen Gruppe, in der jeder sich um den anderen kümmerte.
Nach der Übung hatten wir eine wirkliche Gelegenheit, jemanden zu unterstützen, der große Angst verspürte, als ein Teilnehmer plötzlich zur Gruppe hinzustieß und erzählte, wie Mitglieder seiner Organisation Todesdrohungen erhalten hatten, nachdem ein irreführender Artikel über sie in einer Lokalzeitung in der Krajina erschienen war, wo sie bei der Hilfe für (bosnisch-kroatische und kroatisch-serbische) Flüchtlinge arbeiteten. Als Gruppe waren wir in der Lge, diesem Teilnehmer aktiv zuzuhören, Ideen, Erfahrungen und Hilfen auszutauschen, und am Ende machten wir einen liebevollen und unterstützenden Kreis um ihn.
Bericht von Vivien Sharples. Längere Fassung auf der WRI-Webseite.Wir bildeten kleine Gruppen von drei oder vier Personen und hatten drei Minuten, um drei Situationen zu schaffen, die klischeehafte männliche/ weibliche Körpersprache portraitieren sollten. Dann stellten wir die Situation als lebendes Bild (keine Bewegung oder Sprache) der Gruppe vor, die erraten sollte, welche Charaktere männlich und welche weiblich sein sollten und, wie jeder Charakter wohl fühle. Diese Technik führte sehr schnell zu viel Lachen und Diskussion und ist ein großartiges Werkzeug, das auch bei anderen Arten von Gegenständen angewandt werden könnte. Es ist lustig, bringt alle dazu, mitzumachen und kann zu intereressanten Einsichten führen. Die Moderatorin zeigte uns Fotos, die ohne Wissen der Betroffenen auf einem Bahnhof aufgenommen worden waren, und die konsequente Geschlechtsunterschiede in der Körpersprache zeigten.
Die Schlußfolgerung war, daß unsere Körpersprache unsere Gefühle berührt und daher unser Verhalten und umgekehrt, daher ist ein Weg, uns zu ändern, der, bewußt unsere Körpersprache zu ändern, was zu anderen Gefühlen führen kann. Zum Beispiel, wenn man bei großen Treffen reden will, ist es schwierig, den Mut dazu zu finden, wenn man seinen Körper in einer zusammgezogenen und Armesünderhaltung hält. Wenn man eine offene und aufrechte Haltung einnimmt, entsteht Raum für mehr Zutrauen, und die Stimme kann lauter werden. Imke berichtete uns, europäische Studien hätten gezeigt, daß die Körpersprache im Alter von 15 bis 25 Jahren am meisten dazu neigt, mit Geschlechtsklischees übereinzustimmen, wenn die Menschen versuchen zu zeigen, daß sie ein "richtiger" Mann oder eine "richtige" Frau sind.
Bericht von Vivien Sharples. Längere Fassung auf der WRI-Webseite.Der Organisationskreis ist eine strukturierte Methode, die von deutschen Aktivisten entwickelt wurde, um Aktivisten zu helfen, ihre Arbeit so zu planen, daß oft übersehene Aspekte aktiv in Betracht gezogen werden. Er benennt Stadien, die durchzuarbeiten sind: Anfang, Analyse, Ziel, Strategie, Entwicklung von Aktivitäten, Verwirklichung von Aktivitäten und Auswertung. Diese Stadien werden in einem Gitter angeordnet, mit den einzelnen Stationen obenan und einer Liste der weiteren Aspekte auf der anderen Achse: Gruppenmitglieder, Gruppenwerte und -prinzipien, Ressourcen, Struktur und Prozeß, Problem und Lösung, Kommunikation und Umwelt. Die Gruppe füllt dann systematisch das Gitter aus. Z. B., wenn eine Gruppe damit anfängt, ihren Beginn zu klären, ist die Frage der Mittel wichtig: "Welche Mittel haben wir?" (z.B. Zeit, Geld, Räume, Materialien, Kontakte, Technologie, Freiwillige u.s.w.) Auf der Ebene der Ziele sollten die persönlichen Ziele der Gruppenmitglieder bekanntgemacht werden, und während der Entwicklung der Strategie muß eine Gruppe die Frage beantworten, welche Zielgruppe oder Wahlkreis sie mit ihrem Projekt erreichen will.
Wir versuchten einige Teile des Kreises und verwendeten dafür eine Situation, die den Organistoren der 3-Jahreskonferenz wirklich begegnet, nämlich die Verweigerung von Visa und die Zurückweisung von Personen an Staatsgrenzen. Ich fand, es war ein hilfreiches Werkzeug, obwohl es mir so vorkam, daß es ein wenig zwanghaft sein kann, das ganze Gitter ausfüllen zu wollen, weil das wirklich viel Zeit erfordern würde. Aber die meisten Gruppen, mit denen ich gearbeitet habe, verwenden nicht genug von dieser Art bewußter Planung und Strategie oder machen es nicht gut genug, weil es so schwierig ist, daher gefiel es mir sehr, diesen Weg kennenzulernen.
Bericht von Vivien Sharples. Längere Fassung auf der WRI-Webseite. Mehr Information über den Organisationskreis erhältlich von patchwork@oln.apc.org.Zehn Teilnehmer waren in diesem Arbeitskreis, der die Wirkungen des zwangsweisen Militärdienstes sowohl auf Individuen wie auf die Gesellschaft, in der sie leben, analysierte und reflektierte.
Eines der Hauptpunkte, die hervorgehoben werden müssen, war die Rolle, die die militärische Ausbildung spielt, entweder bei der Bestätigung oder bei dem Aufbau von Formen sozialer Indoktrination, die bereits von anderen Institutionen begonnen worden sind. Militärische Ausbildung erlegt dem Ausdruck und der Organisation des "psychologischen Systems" des Individuums Bedingungen auf. Es macht die Individuen zu einem Objekt, konditioniert hin zu mechanischem Lernen, zum Annehmen ohne Einwände, und sorgt eher für übliche als für vielfältige Antworten. Das alles kommt hinzu zu einer Mischung, die Disziplin, Leugnung des Individuellen, Ritualisierung und andere Aktionen einschließt, die den Zwek haben, eine Unterwerfung unter die Macht zu erreichen.
In der anschließenden Diskussion war offensichtlich, daß das Gewahrwerden der Rolle des Militärs eine Funktion der persönlich-geschichtlichen Erfahrung eines Individuums ist, insbesoindere die Beziehung zwischen Zivilisten und "ihrem" Millitär. Einige Teilnehmer aus den Ländern Ex-Jugoslawiens hatten eine andere Perspektive - nicht offen ausgedrückt, aber in anderer Weise offensichtlich - die die Eigenheiten und Folgen militärischen Trainings geringer einschätzte. Das kommt wahrscheinlich aus der noch frischen Kriegserfahrung: ihre Armeen werden oft als Verbündete gesehen, die sie vor äußeren Aggressionen schützen.
Themen wie "Friedensarmeen", "Aktionen für die Integration des Kontinents", "Festigung der zivil-militärischen Beziehung" etc. sind seit kurzem in vielen Ländern in die öffentliche Debatte eingeführt worden. Das macht es für uns oft schwierig, die Debatte wieder in die grundsätzlichere Frage hineinzubringen, warum Armeen in erster Linie existieren.
Spanische Fassung: Rosella Baronti.War Resisters' International, ein internationales pazifistisches Netzwerk mit Mitgliedsorganisationen in mehr 30 Ländern, diskutierte auf ihrer Dreijahreskonferenz in Porec/Kroatien vom 20.-26. September 1998 den Krieg und die humanitäre Krise im Kosov@.
Porec, 26. September 1998.
Die 22. Dreijahreskonferenz des internationalen Friedensnetzwerks "Internationale der Kriegsdienstgegner" findet in dieser Woche in Porec, Kroatien, statt. Dreihundert Delegierte von allen Kontinenten der Erde nehmen daran teil.
Neue Strategien, um die Gerechtigkeit in einer Nachkriegszeit und um den Frieden zu stärken, werden auf der Konferenz diskutiert. Viele Teilnehmer kommen aus Gebieten, wo Kriege noch immer weitergehen. Wir haben Solidaritätsstrategien gegen den Krieg, Rekrutierung, Waffenhandel, Diskriminierung und Gewalt - besonders gegen Frauen - diskutiert und stimmen über eine Strategie des Widerstandes überein, die Mittel umfaßt wie Kriegsdienstverweigerung, zivilen Ungehorsam und Verweigerung von Kriegssteuern. Diese Diskussionen sind ein wichtiger Beitrag zu den Versuchen, Versöhnung innerhalb der und zwischen den Ländern Ex-Jugoslawiens herbeizuführen.
Wir bedauern sehr, daß einige international anerkannte Friedensaktivisten aus Serbien, Kosovo/a, Montenegro und Voivodina nicht auf der Konferenz vertreten sind. Die Behörden der Republik Kroatien haben es abgelehnt, diesen Aktivisten Visa zu erteilen, im Widerspruch zu früher gegebenen Zusagen und trotz der Tatsache, daß die Anträge rechtzeitig gestellt wurden. Die Teilnehmer der Konferenz sind der Meinung, daß das kein Zufall ist, eher ist es ein weiteres Beispiel für die Politik der gegenwärtigen kroatischen Regierung, Demokratisierungsprozesse innerhalb des Gebietes des früheren Jugoslawien nur durch leere Worte zu unterstützen. Ein Land, das keine Freiheit der Vereinigung erlaubt, ist nicht frei.
Es ist symptomatisch, daß diese Tat der kroatischen Regierung zur selben Zeit kommt, in der die serbische Regierung Friedensdemonstrationen gegen Unterdrückung und Krieg im Kosovo/a verbietet, die für den 19. September in vielen Städten Serbiens und der Vojvodina geplant und angekündigt worden sind - könnte das wirklich bloß ein zufälliges Zusammentreffen sein? Offenkundig werden Demokratisierung, Versöhnung und Aufbau des Friedens in der Region von den nationalistischen und autoritären Regimes hier als Bedrohung angesehen.
Die kroatische Regierung verzögerte auch Visa für zwei der afrikanischen Aktivisten, die zu dieser Konferenz eingeladen worden waren, mit dem Argument, sie seien nicht in der Lage, teilzunehmen. Wir sehen das als einen schändlichen Akt von Diskriminierung.
Eine unserer Kolleginnen, eine Friedensaktivistin aus Kosovo/a, kann nicht zu uns stoßen, weil sie während einer Friedensmission wenige Tage vor unserer Konferenz von einer Landmine verletzt wurde. Obwohl sie ins Kreuzfeuer geriet, schaffte sie es, zu einem Krankenhaus zu kommen,wo sie gegenwärtig behandelt wird.
Der Mut und die Hartnäckigkeit der Friedensaktivisten, die mit dem WRI-Netzwerk zusammenarbeiten, beweist, daß jeder Mensch die Möglichkeit hat, dem Krieg und der Unterdrückung zu widerstehen - und das ist immer eine wertvolle Tat. Wir werden den gegenwärtigen Regimes nicht erlauben, unsere Anstrengungen zur Versöhnung und einen dauernden Frieden in der Region des ehemaligen Jugoslawiens zunichte zu machen.
Wieder einmal rufen wir die Völker der Welt dazu auf, den gemeinsamen Frieden zu wählen!
Unterschrieben von Teilnehmern der Konferenz, Freitag, den 25. September 1998.Zum Rat gehören außerdem ein Vertreter aus jeder Sektion und ein Beobachter ohne Stimmrecht von jeder assoziierten Organisation oder Publikation.
Exekutivkomitee: Joanne Sheehan, Andreas Speck, Howard Clark, Ellen Elster, Vesna Terselic, Jan van Criekenge
Beim Ratstreffen, das der Dreijahreskonferenz voranging, wurden zwei neue Mitglieder aufgenommen:
Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung, Hauptstr 35, D-55491 Wahlenau/Hunsrueck, Germany. Tel +49 6543 980296; fax 571 23019; email institut_fgk@bionic.zerberus.de [Sektion]
Archiv Aktiv für gewaltfreie Bewegungen, Sternschanze 1, D-20357 Hamburg, Germany. Tel +49 40 430 2046; email k.hocke@umwelt.ecolink.org [assoziierten Organisation]
Die folgenden Projektvorschläge wurden beim Geschäftstreffen der Dreijahreskonferenz gebilligt:
Einzelheiten über alle diese Projekte erscheinen in den Protokollen der Geschäftstreffen der Dreijahreskonferenz. Weitere Einzelheiten können auf der WRI-Webseite gefunden oder über das Büro erfragt werden.
Sonderausgabe des "Broken Rifle", der Vierteljahreszeitung, die von der WRI auf Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch herausgegeben wird. Sie wird verschickt an Mitglieder der WRI, Mitglieder des Internationalen Rates der WRI und Einzelabonnenten (£ 5 pro Jahr).
Herausgabe und Gestaltung dieser Ausgabe: Ken Simons (Toronto).
Deutsche Übersetzung: Inge Dreger und Gerd Büntzly
[1] Der Übersetzer vergibt einen Preis für das treffendste deutsche Wort für "social empowerment". "Empowerment" ist eigentlich ein juristischer Begriff: "Vollmacht" (eines Anwalts o. ä.). Als Außenstehender frage ich mich, was eigentlich gemeint ist: Die Tatsache, daß eine kleine Gruppe (etwa eine Bürgerinitiative) in die Lage versetzt wird, für eine größere zu handeln? Soll man also "Sozialvollmacht" oder "Soziale Ermächtigung" sagen? Das riecht manchen vielleicht zu sehr nach "Ermächtigungsgesetz", aber von "power" = "Macht" ist im folgenden laufend die Rede. Klar "power" ist auch etwas anderes als deutsch "Macht": Kraft, Stärke, Gewalt, Wucht, Vermögen, Befugnis, Autorität. Weitere Vorschläge: Soziale Ertüchtigung, Sozialmacht...