Choose your display style: Default (modern browsers) | Basic (older browsers) | Minimal (printing) | Large type

Gustavo Monroy

Unterstützt kolumbianische KriegsdienstverweigererInnen

WRI homepage > Programm > Das Recht, das Töten zu verweigern > Unterstützt kolumbianische KriegsdienstverweigererInnen > Gustavo Monroy

Verlangt ein Ende der Bestrafung für kolumbianische KriegsdienstverweigererInnen
Eine Kampagne der War Resisters' International

Wenn du deinen Geist öffnest, belehrt dich das Leben.
Erklärung von Gustavo Monroy (2006)

Wenn du deinen Geist öffnest, belehrt dich das Leben. Ich sage das aus sehr, sehr persönlichen Motiven. Als ich noch ein Kind war, lebte ich bei meinen Eltern, aber das war nicht notwendig, um nicht an die Waffen zu denken, die die Menschen vertreiben, menschliches Leben und die Umwelt zerstören. Nach einiger Zeit machte ich mich ans Fischen, aber in mir existierte immer diese Person mit verquerem Geist, die von innen nach außen treibt, ein Superheld für die Menschlichkeit zu sein; ich erträumte mich mit Waffen der neuesten Technologie, und mit ihnen würde es keinen Huger mehr geben, keine Vertriebene noch Armut und viel Ausbildung für alle.

Immer träumte ich davon, ein großer Militanter zu sein, niemals fixierte oder senkte ich meinen Blick vo irgendeiner Gruppe, ich tat es nur mit dem, der dieser Superheld sein könnte, der mich nicht schlafen ließ für das Gute der Gemeinschaft, ich war nur ein Kind, das kaum lesen konnte und anfing zu schreiben, ich fing an die Misshandlungen durch die Kräfte des Staates zu erleiden, nicht nur erlitt ich sie, weil sie Freunde misshandelten, Verwandte und Sonstige, auch weil sie sie ermordeten, folterten und vertrieben. Ich hegte in mir den Hass und die Verachtung für diese Kriminellen, ich näherte mich Gruppen von "revolutionären" Linken an, bei denen ich für mich selbst erfuhr, dass dieser Held nur in meiner Einbildung existierte, und dass sie auch mich vertreiben oder sogar töten konnten. Ich nahm häufig aneinigen Treffen teil, wo ich jeden Tag dachte, das sei es, wo ich sein müsste, aber ich bemerkte auch die kleine Prozentzahl, mit der ich nicht einverstanden war, dazu kommt es mir nicht in den Sinn, einem anderen menschlichen Wesen das Leben zu nehmen, niemals habe ich das gemacht und niemals werde ich das tun, vielleicht weil ich ihnen nicht ähnlich werden wollte und auch nicht dem Staat. Eines Nachmittags lud mich ein Freund zu einer Arbeitsgruppe über Menschenrechte ein, wo sich mir eine Tür öffnete zu dem, das ich immer erträumt hatte, ein Raum des Kampfes und des Widerstandes, aber ohne Waffen. So begann ich mich an der Vereinigung junger Studenten (ASOJER) zu beteiligen, ich verliebte mich in die Ideale und die Kraft dieser jungen Menschen in der Verteidigung des Lebens, die Rechte und das Weiterleben auf dem Lande.

Einige Tage später wurde ich gesetzeswidrig und mit Gewalt festgesetzt von der Armee der Panzerdivision Nr. 18 (General Gabriel Revéis Pizarro) mit Sitz in dem Ort Saravena (Provinz Aurauca, Kolumbien), und der Brigade XVIII zugeteilt, wo die Absicht abgesehen von der Nachforschung nach mir darin bestand, mich zu als Bauernsoldat zu rekutieren. Nein, mein Herr, mit mir geht das nicht. Ich widersetzte mich nicht nur dagegen, dass sie meine Würde und meine ethischen Prinzipien mit Füßen traten, ich hielt auch alle diese betäubenden Beschimpfunden und psychologischen Misshandlungen aus, die ich vonseiten der Militärs erfuhr, ich bestand immer auf meinem Standpunkt, dass ich nicht zu irgendeiner Armee gehören will, ich sagte, ich würde die Waffen nicht in die Hand nehmen, ich würde nicht meine Integrität und meine moralischen Prinzipien angreifen noch das Leben der übrigen Menschen und meine Ethik erlaube es nicht, da ich ein junger Mensch von Prinzipien und Träumen sei, mit einem Ziel von Freiheit und freier Entwicklung seiner Persönlichkeit. Zwei Tage war ich eingesperrt in diesem Bataillon und weigerte mich, die Waffen anzunehmen, die Leben nehmen ohne irgendeinen Unterschied, weigerrte mich Teil einer Armee zu sein, die einen bourgeoisen und kapitalistischen Staat verteidigt, finanziert von den Multinationalen zu Gunsten und Verteidigung ihrer selbst.

An diesem Nachmittag liefen mir nach einem heftigen Unwetter, ich leugne es nicht, die Tränen von den Wangen, der Regen verbarg sie und ähnlich machte ich es mit dieser ganzen Angst die nach kurzem die liberalen Träume und nebenher meine Würde tötet. Mit meinem nach den medizinischen Untersuchungen entzündeten linken Arm, nachdem der Hauptmann Primero Téllez der Schwester in höhnischer Weise gesagt hatte: "nehmen Sie dem da einen oder zwei Liter Blut ab, damit ich mir ein bisschen von diesem roten, dicken, leckeren, wohlschmeckenden und ungewöhnlichen Blut probieren kann!" Mit der zu Boden gegangenen Würde dachte ich auch an den Brief, den ich schreiben würde mit der Bitte, man möge mich nicht schlagen noch von mir verlangen, unmenschliche Dinge zu tun, die gegen meine Prinzipien gehen.

Das alles bewies mir dass ich an diesem 8. August 2005, an dem ich verhaftet wurde mit der Absicht, mich der Armee einzuveleiben, nicht allein war in dem Kampf für Befreiung und dem Aufbau eines einschließenden Modells, ich war immer begleitet von den nationalen und internationalen Organisationen, die mich unterstützten und Druck ausübten, dass mein Recht respektiert würde, nicht zum Krieg irgendeiner Armee zu gehen. Ich erreichte, am 9. August 2005 herauszukommen, nach 37 Stunden Gefangenschaft, Beschimpfungen, psychologischer Misshandlung, tendenziösen Anspielungen und Morddrohungen vonseiten des ersten Kapos Téllez, weil ich mich als KRIEGSDIENSTVERWEIGERER erklärt hatte.

Aber das war nicht alles, der Alptraum war noch nicht zu Ende. Als ich nach Hause kam, weinte meine Mutter und mein Vater widersprach ohne Ende den Gründen für mein Handeln, der Schmerz, den sie mir bereiteten, war so groß, dass ich weinte, am folgenden Tag ganz ind er Frühe ging ich zusammen mit meiner Mutter zu einem Freund der Vereinigung, ich sagte ihm mit viel Mühe -- ich habe schon gezeigt, wenn es möglich ist, aber ich werde diesen Militärdienst ableisten -- nachdem ich in meinem Hause zurück war und den Koffer mit meinen persönlichen Sachen packte entschied ich mich, das Risiko einzugehen und die Konsequenzen auf mich zu nehmen, aber ich würde nicht in den Krieg gehen -- wenn der Tod mich findet, wäre er willkommen und sogar die Freiheit für immer, weil niemand geboren wird als Samenkorn und es ist etwas, das uns alle trifft -- das waren die schmerzvollen Worte, die ich zu meinen Eltern sagte.

Alles hat sich geändert, ich bin nicht derselbe, die angebelichen Freunde von der Straße nannten mich Feigling und gehen mit mir nicht mehr aus, sie sagen, ich sei eine Zeitbombe, meine Familie drehte mir den Rücken, der Lebensrhythmus, den ich hatte, blieb zurück, denn die Vergangenheit vergisst weder noch verzeiht, meinesteils verzeihe ich alles, denen, die mich diskriminiert haben, denen die es vorhatten und allen denen, die nicht an mich oder meine sozialen Ideale geglaubt haben.

Heute nach 13 Monaten habe ich mit meinem ganzen Mut und Seufzern des Schmerzes eines Volkes gezeigt, dass man, um das militaristische Modell zu stoppen, sich bewusst sein muss, dass es ein individueller Kampf ist, der weiten Kreisen der Gesellschaft zugute kommt, es ist einer der Motive aus denen ich sage, dass die Waffen niemals der Weg noch die Befreiung der Träume unserer Kleingehaltenen sind. Ich weigerte mich, den Militärausweis zu kaufen, weil ich zum Krieg nicht einen Centavo beitrage noch beitragen werde, denn den Militärausweis zu kaufen wäre, dem Krieg die Voraussetzung zu geben, um Munition zu kaufen, und Gott will nicht, das auch nur eine dieser mit meinem Geld gekauften Kugeln von mir kommt.

Saravena - Arauca, Kolumbien, 12. September 2006